B2B
04.09.2013

KPN-Übernahme durch Carlos Slim abgewehrt

Der niederländische Telekomkonzern KPN hat den Ansturm des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim, der auch Großaktionär der Telekom Austria ist, vorerst abgewehrt.

Nachdem die KPN-Stiftung massiv Vorzugsaktien gekauft hat, schrumpfte der Anteil des von Slim kontrollierten Unternehmens America Movil auf 14,86 Prozent. Das geht aus einer Mitteilung an die niederländische Börsenaufsicht am Dienstag hervor. Zuvor hielt America Movil knapp 30 Prozent an KPN. Mit ihrem Schritt hat die Stiftung eine Übernahme weitgehend unmöglich gemacht. Laut der Stiftung will America Movil die Niederländer feindlich übernehmen.

Die Stiftung, welche im Zuge der Privatisierung des niederländischen Telefonkonzerns entstand und die Interessen der Aktionäre verteidigen soll, hält nun 4,26 Milliarden Vorzugsaktien. Ihr Stimmrechtsanteil liegt bei 50,07 Prozent, direkt gehalten werden aber nur 49,93 Prozent der Anteile. Die Stiftung hatte als Reaktion auf das Vorhaben der Mexikaner, KPN vollständig zu übernehmen, eine Kaufoption wahrgenommen.

America Movil will einlenken

Umgehend nach der Ankündigung der Stiftung war America Movil einen Schritt zurückgetreten. Der mexikanische Mobilfunkanbieter sei bereit, sein Vorhaben abzublasen, wenn die KPN Foundation dagegen sei, teilte das Unternehmen vergangene Woche mit. Noch ist das Offert aber nicht vom Tisch. America Movil bietet 2,40 Euro je Anteilsschein. Die KPN-Aktionäre sollen am 2. Oktober über das Übernahmeangebot entscheiden.

Von dem Gerangel ist auch der deutsche Mobilfunkmarkt betroffen. Erst jüngst hatte Slim mit der Ankündigung überrascht, nach langer Zurückhaltung nun doch den Verkauf der deutschen KPN-Ertragsperle E-Pus an Telefonica Deutschland zu unterstützen. Der spanische Telefonica-Konzern kam ihm entgegen: Das Offert ist nun eine halbe Milliarde Euro schwerer. Das dürfte Slim das Einverständnis versüßt haben. Auf Seiten der Geschäftspartner ist der geplante Verkauf damit klar.

Verhältnis schlecht

Doch das Verhältnis zwischen KPN und dem Großaktionär ist schlecht. Und das war es von Anfang an. Im Sommer vergangenen Jahres war Slim gegen den Willen der KPN-Führung eingestiegen. Als KPN den Verkauf von E-Plus ankündigte, eskalierte die Lage. Slim fand den Preis zu niedrig und sperrte sich. Um den Deal zu stoppen, drohte er damit, KPN komplett zu übernehmen.

KPN wiederum setzte Slim die Pistole auf die Brust und lud für den 2. Oktober zur Hauptversammlung. Doch stimmberechtigt sind nur die Aktionäre, die ihre Papiere bereits am 4. September gehalten haben. Stand vergangener Woche hatte Slim weniger als 15 Prozent. Damit stehen seine Chancen denkbar schlecht, seinen Anteil bis zum heutigen Tag wieder hochgefahren zu haben.