FILE PHOTO: An illustration picture shows projection of binary code on man holding aptop computer in Warsaw

© REUTERS / Kacper Pempel

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02/24/2020

Kriminalität im Netz: die wichtigsten Tipps für einen effektiven Schutz

Händler zählen zu den beliebtesten Zielen von Internetkriminellen, denn viele Webshops sind nicht ausreichend dagegen geschützt.

Ein Gespräch mit Claus P. Kahn, Leiter des Büros zur Bekämpfung von Betrug, Fälschung und Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt.

Wie entwickelt sich die Internetkriminalität in Österreich?
Claus P. Kahn:
Generell steigen die Fallzahlen in der Internetkriminalität. Das ist wenig verwunderlich, wenn man sich die fortschreitende Digitalisierung des Lebens vor Augen hält. Gerade im Bereich des Internetbetrugs sehen wir, das ist keine Rocket Science. Wenn Sie sich als Täter damit beschäftigen, ist es eigentlich ein Leichtes, jemanden zu betrügen – leider. Das soll bitte nicht als Einladung verstanden werden, aber natürlich müssen wir die Bevölkerung, auch die Unternehmer davor warnen.

Auf welche Fehler treffen Sie in den betroffenen Unternehmen häufiger?
Das reicht vom schlecht gesicherten Webshop, dem falschen Umgang mit E-Mails und Passwörter bis zum blinden Vertrauen. Täter haben Unternehmen einfach ein E-Mail mit einer großen Bestellung übermittelt, der Unternehmer hat sich riesig gefreut, geliefert, die Ware war weg und er hat nie sein Geld gesehen. Und ehrlich, das ist leider in Österreich im letzten Jahr nicht nur einmal passiert! Hier gilt es, wie im stationären Handel Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Wie sieht es im Onlinehandel aus? Einer Studie von CRIF zufolge waren bereits neun von zehn Onlinehändlern in der DACH-Region Opfer von Betrugsversuchen
Internetkriminalität steht natürlich im Onlinehandel ganz weit oben auf der Liste potenzieller Bedrohungen. Der Kauf auf Rechnung ist sowieso ein Klassiker, den kennen wir insbesondere im deutschsprachigen Umfeld, aber auch in Österreich. Die Täter entwickeln sich aber ständig weiter, in letzter Zeit sehen wir, dass Täter Identitäten von real existenten Personen übernehmen, bestellen und versuchen, mit einigen Tricks an die Lieferung zu kommen. Das ist dann sowohl für die Personen als auch für die Onlinehändler sehr unangenehm.

Wie verbreitet ist der Identitätsdiebstahl?
Ich spreche lieber von Identitätsmissbrauch, weil Ihr Name, Adresse, etc. wird Ihnen ja nicht weggenommen, sondern nur missbraucht. Nichtsdestotrotz bringt Ihnen das viele Scherereien, und leider kann man dagegen relativ wenig tun. Bei der Lösung sind wir auch auf die Privatwirtschaft angewiesen – etwa indem sich Händler bei gefährdeten Produktgruppen nicht mehr auf ein Umrouten der Lieferungen einlassen, oder indem sie verstärkt Adressprüfungen durchführen, oder häufiger die Dienste von Auskunfteien und Scoring-Unternehmen in Anspruch nehmen. Wenn die Händler dann vielleicht noch mehrere Dienste und Optionen in Anspruch nehmen, steigt die Sicherheit deutlich.

Ich finde es für den Händler praktisch, etwa die Daten der Kundschaft automatisch zu überprüfen. Da kenne ich die eine oder andere auf dem Markt befindliche Software für automatisierte Stammdatenabgleiche und ich bin ein absoluter Verfechter davon, auch wenn mir bewusst ist, dass dies etwas kostet. Man muss einfach sagen: Sicherheit kostet etwas, ist aber im Endeffekt zumeist billiger.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote bei eCommerce-Fraud?
In der Wirtschaftskriminalität generell liegt die Aufklärungsquoten rund um die  57 Prozent. Beim Ausspähen von Daten eines unbaren Zahlungsmittels, wie der einer Kreditkarte leider nur bei rund 20 Prozent. Je nach Deliktsform variieren diese Zahlen und das stellt jeweils andere Herausforderungen an unsere Ermittlungen – aber ja, wir haben Erfolge.

Was sind ihre Top 3 Tipps gegen Internetbetrug?
Erstens: Wissen schaffen! Zum Beispiel in allen Bereichen des Unternehmens Awareness, also Bewusstsein, schaffen, dass es Betrug gibt. Das dient Ihnen als Unternehmer, aber auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden es Ihnen als Privatpersonen danken.

Zweitens: Hilfestellungen nutzen und Mitarbeitern helfen! Werfen Sie regelmäßig einen Blick auf die Präventions- & Opferhilfe des Bundeskriminalamtes. Bieten sie eine Ansprechstelle, nehmen Sie Anfragen und Hinweise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ernst, auch wenn sie zur Unzeit kommen. Und besuchen Sie Informationsveranstaltungen wie den Sicherheitsgipfel am 5. März im Handelsverband.

Drittens: Nutzen Sie aktuelle Praktiken und Software. Gerade hier kann man sich gut schützen, beginnend bei der Durchführung von Updates Ihrer Systeme, der Nutzung von besonderen Services, wie Zusatzleistungen der Logistiker oder der Zahlungsdienstleister bis zur Verwendung von Scoringunternehmen. Jedes Mehr an Schutz ist potentiell auch ein Mehr an Sicherheit!

Veranstaltungstipp:
[handels]zone: "Betrug im eCommerce"
Der Sicherheitsgipfel im Handelsverband
05. März 2020, 18.00 bis 20.00 Uhr
Handelsverband, Alser Straße 45, 1080 Wien
 
Kostenfreie Anmeldung auf:
https://www.handelsverband.at/events/handelszone/handelszone-am-05032020/