B2B
05.05.2018

Nvidia stellt umstrittenes Partner-Programm ein

Laut Nvidia wird der Stecker des Geforce Partner-Programms wegen anhaltender Gerüchte und Misstrauen gezogen.

Nvidia kündigt auf seiner Website an, dass das „Gefore Partner Program“ (GPP) eingestellt wird. „Es wurde viel über das Geforce Partner Program gesagt. Die Gerüchte, Vermutung und das Misstrauen gehen weit über dessen Absichten hinaus. Anstatt diese Fehlinformationen zu bekämpfen, haben wir uns entschlossen, das Programm abzubrechen.“

Laut Nvidia hatte GPP nur das Ziel, es „kristallklar“ für Gamer zu machen, dass sie nur die beste Hardware bekommen. Das Programm selbst war aber alles andere als kristallklar. Nvidia kündigte es nur kryptisch an, die genauen Vertragsbedingungen für Teilnehmer am Programm wurden nie öffentlich gemacht.

Vorwürfe

Aufgrund von Recherchen durch HardOCP kam heraus, dass Computerhersteller, die am GPP teilnehmen wollen, ihre Gaming-Marke exklusiv auf Nvidia ausrichten müssen. Nvidia bestätigte dies nie. Allerdings schmiss Asus kurz danach alle Grafikkarten des Nvidia-Konkurrenten AMD aus seiner Gaming-Marke „Republic of Gamers“. Diese wurden fortan in der neuen Linie „Arez“ geführt.

Das ist ein schwerer Schlag für AMD. Kunden vertrauen eher etablierten Marken als neuen. Zudem könnten kleinere Hersteller, die weniger AMD- als Nvidia-Grafikkarten anbieten, bzw. verbauen, AMD ganz aus dem Sortiment schmeißen. Schließlich kostet es Geld eine neue Marke zu kreieren.

Natürlich hätten die Hersteller das GPP ablehnen können. Allerdings erhalten Mitglieder des Programms die neuesten Grafikchips zum Marktstart, kostenlose Spiele, die den Grafikkarten beigelegt werden und finanzielle Unterstützung für das Marketing. Im Umkehrschluss heißt das: Wer nicht bei GPP mitmacht, hat einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Kunden können nicht mit Gratis-Games gelockt werden und man kann erst nach der Konkurrenz die neuesten Grafikchips anbieten.

Spekulationen zum Ausstieg

Trotz der heftigen Kritik kommt das Ende von GPP doch etwas überraschend, zumal Nvidia seit der Ankündigung im März keine Versuche unternommen hat, die Vorwürfe zu entkräften. Es wird vermutet, dass AMD oder ein Hardware-Hersteller eine Klage gegen Nvidia vorbereitet und Nvidia damit rechnet, den Prozess zu verlieren. Deshalb wurde möglicherweise das Programm eingestellt, noch bevor die Klage eingereicht wird.

Analysten spekulieren auch, dass HP und Dell indirekt für das Ende von GPP verantwortlich sein könnten. Beide haben angeblich Nvidia gesagt, dass sie nicht bei GPP mitmachen wollen. HP und Dell sind immerhin der größte und drittgrößte PC-Hersteller der Welt. Die Beiden hätten Nvidia vermutlich nicht durchgehen lassen, dass der Grafikchip-Hersteller deren Konkurrenten bevorzugt behandelt.

Wäre dieser Streit öffentlich bestätigt worden, hätte das gravierende Folgen auf den Aktienkurs von Nvidia haben können. Denn auch der Grafikchip-Marktführer sollte sich nicht unbedingt mit den größten PC-Herstellern anlegen, solange diese jederzeit zum Konkurrenten AMD wechseln können.