Siemens macht sich mit Übernahmen fit für die Fabrik der Zukunft.

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Österreich
04/06/2016

IT-Markt wächst doppelt so schnell wie Gesamtwirtschaft

Der IT-Markt bleibt Wachstumstreiber für die österreichische Wirtschaft. Sorgen bereitet der anhaltende Fachkräftemangel. Das AMS will Bewerber und Jobs per Software matchen.

von Martin Stepanek

Österreichs etwa 6,7 Milliarden schwerer IT-Markt wird 2016 laut der Analystenfirma PAC um 3,3 Prozent wachsen. Damit bleiben Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ein starker Wachstumstreiber für die österreichische Wirtschaft, die laut der jüngsten Konjunkturprognose des WIFO im selben Zeitraum nur 1,6 Prozent Wachstum vorweisen wird.

"Obwohl IT schon längst kein Trendthema mehr ist, wächst der Markt in Österreich doppelt so stark wie die Gesamtwirtschaft. Die größte Investitionsbereitschaft sehen wir in den Bereichen Cyber- und Netzwerksecurity, aber auch in der Realisierung des digitalen Arbeitsplatzes", erklärte PAC-Analyst Martin Barnreiter bei der Präsentation der Zahlen im Rahmen einer Future-Network-Veranstaltung in Wien.

Programmierer gesucht

Sorgen bereitet aber weiterhin der Fachkräftemangel, Schätzungen zufolge dürften aktuell bis zu 3000 Fachleute fehlen. Oftmals erweist sich die von Firmen geforderte hohe Spezialisierung als unüberbrückbare Hürde, wie Andreas Kuen vom AMS Wien analysiert. "Früher hat sich auf das Stellenangebot eines Programmierers praktisch jeder Software-Entwicker bewerben können. Heute verbergen sich hinter dem selben Jobtitel oft völlig spezifische Anforderungsprofile, was das Suchen und Finden von Arbeitskräften ungemein erschwert", sagt Kuen.

Für arbeitsvermittelnde Stellen wie das AMS sei es schwierig, auf die sich sehr schnell ändernden Anforderungsprofile mit geeigneten Schulungen zu reagieren. Künftig sollen spezielle Computerprogramme dabei helfen, ausgeschriebene Jobprofile und geeignete Bewerber abzugleichen. Man wolle dabei auf Technologien zurückgreifen, die etwa bei Online-Singlebörsen zusammenpassende Profile finden.

IT-Markt schlägt Tourismus

Auch Norbert Weidinger, der für die IKT-Strategie der Stadt Wien verantwortlich zeichnet, sieht Schulen und andere Ausbildungsstätten gefordert, auf den Fachkräftemangel zu reagieren und etwa auch Änderungen am Lehrplan durchzuführen. In Wien habe die mit der Bevölkerung entwickelte "Digitale Agenda Wien" nicht nur zu einer hohen Partizipation der Bürgerinnen und Bürger geführt, sondern auch dazu beigetragen, dass das Thema IT stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt.

Die im Zuge des Projekts entwickelte Wien-App habe sich bei der Kommunikation mit Hilfsorganisationen und der Zivilgesellschaft unter anderem während der Flüchtlingskrise bestens bewährt. Auch der öffentliche WLAN-Ausbau in der Stadt soll weiter forciert werden. Davon würden nicht nur Touristen, sondern auch die Wirtschaft und die gesamte Bevölkerung profitieren. "Die Wertschöpfung der IT-Wirtschaft ist in Wien vier mal so hoch wie der des Tourismus. Das ist immer noch den wenigsten Leuten bewusst", sagt Weidinger.