© Fotolia

Netz-Zusammenschluss
02/05/2012

Orange wird Drei: "Operation am offenen Herzen"

Der Zusammenschluss der beiden Mobilfunker stellt auch für die Unternehmen eine große Herausforderung dar. Einerseits müssen viele technische, aber auch wirtschaftliche Fragen beantwortet werden. Was passiert etwa mit den Mitarbeitern.

Nach zahlreichen Gerüchten ist es nun fix, dass der Mobilfunk-Deal unterzeichnet ist. Jetzt muss die Übernahme nur noch von der EU-Wettbewerbsbehörde abgesegnet werden. Frühestens könnte dies nach sechs Monaten, also Ende Juli, erfolgen. Brancheninsider rechnen aber eher mit Ende September. Die Marke Orange wird anschließend im Herbst in Österreich eingestellt.

Der Grund, die Marke nicht weiterzuführen, ist in Frankreich zu suchen. Drei müsste für den Namen "Orange" Lizenzgebühr an die France Telecom zahlen. Üblicherweise müssen Betreiber zwischen ein und zwei Prozent des Umsatzes abgeben, das wären im konkreten Fall zwischen fünf und zehn Millionen Euro pro Jahr.

Die Netzzusammenlegung
Die technische Zusammenlegung der beiden Mobilfunknetze stellt eine große technische Herausforderungen dar. Was Drei schaffen muss bezeichnen Insider als "Premier League der Zusammenlegung".

Die Schwierigkeit: Drei hat nur ein 3G-Netz und für die Sprachtelefonie ein National Roaming-Abkommen mit A1. Dieses wird aber im Laufe 2012 auf T-Mobile umgestellt. Das bedeutet, dass Drei 2012/13 das Netz von Orange integrieren und gleichzeitig den Netzwechsel von A1 zu T-Mobile schaffen muss. Im Normalfall ist es laut einem Insider relativ einfach, zwei Netze zusammenzulegen, allerdings wird die Sache durch den National-Roaming-Partner-Wechsel deutlich erschwert.

Netzqualität
Ob Drei daher nach 2011 auch 2012 den Connect-Netztest gewinnen wird, ist äußerst fraglich. Ein Vorteil ist aber, dass beim Netztest der Schwerpunkt auf Datendienste gelegt wird und Drei mit dem neuen ZTE-Netz sehr gute Voraussetzungen hat. Allerdings ist es eine schwierige Aufgabe, den wichtigen Handover, also der Wechsel zwischen Mobilfunkmasten, bei Sprachtelefonie unterbrechungsfrei zu ermöglichen.

Billing-Systeme
Noch komplexer als die Zusammelegung der Netze ist das Zusammenwachsen zweier Abrechnungs-, beziehungsweise Billing-Systemen. Diese Systeme berechnen für jeden einzelnen Kunden die individuelle Rechnung, je nach Tarif. Das Billing-System ist das sensibelste System eines Betreibers, sensibler als das eigentliche Mobilfunknetz. Probleme in diesem Bereich hätten fatale Auswirkungen.

"Operation am offenen Herzen"
Orange und Drei haben zwei unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Tarifen, die nun zusammengeführt werden müssen. Beide Systeme sollen geraume Zeit parallel betrieben und danach vereint werden. Das stellt für die beteiligten Techniker einen großen Programmieraufwand dar, da die Orange-Tarife im Drei-System nachgebildet und neu programmiert werden müssen. Für die Programmierer ist das eine "Operation am offenen Herzen", wie ein Experte festhält.

Erst wenn alle Aspekte nachgebaut wurden, kann das alte System abgeschaltet werden. Derzeit kann man davon ausgehen, dass beide Systeme mindestens sechs Monate parallel laufen werden.

Was passiert mit den Mitarbeitern?
In den ersten ein, zwei Jahren wird es relativ wenige Kündigungen geben – abgesehen von den Spitzenpositionen, die das Ruder an die neue Führung übergeben und nach Einstellung der Marke Orange das Unternehmen verlassen. Insgesamt soll es laut Insiderkreisen bis zum Jahr 2014 einen Abbau von 200 bis 250 Mitarbeitern geben.

Einige Posten werden aber übernommen. So will Drei 200 Orange-Mitarbeiter im Kundendienst behalten, um die Anfragen der Kunden zu bewältigen, mit denen im Laufe der Umstellung gerechnet wird. Auch Technikpersonal, das speziell mit den Eigenheiten des Orange-Netzes vertraut ist, wird behalten.

Die Kunden
Ob Drei Kunden verlieren wird, hängt von der Marketing-Strategie ab. Beim Zusammenschluss von T-Mobile und telering ist es zwar zu keinem Kundenverlust gekommen, das Wachstum hat sich aber in Grenzen gehalten. 3,22 Mio hatten beide vor dem Zusammenschluss im Jahr 2005, 3,27 Mio waren es 2007 nach der Übernahme. Man hat den Kundenstand gehalten, während die anderen gewachsen sind.

Marketing und Standort
Die Sponsor-Abkommen von Orange, etwa mit dem Fußballverein Rapid Wien, haben ein festgelegtes Ablaufdatum, danach muss Drei entscheiden, ob es verlängert wird. Neben Rapid hat Orange keine großen laufenden Sponsorverträge, abgesehen von der Oldtimer-Rallye "Ennstal Classic".

Ob Drei bei den Wiener Gasometern bleiben wird oder eine andere Zentrale suchen wird, ist noch offen. Theoretisch könnte man in die Orange-Zentrale übersiedeln, die verfügt jedoch über eine weniger gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.