Sind Wolken wie Watte? Nein. Wolken bestehen aus feinen Wassertröpfchen, kleinen Teilchen und manchmal auch aus Eiskristallen. Wie eine Wolke aussieht, hängt davon ab, wie hoch sie am Himmel steht und auch von der Temperatur.

© DPA

Verwaltungs-Cloud
06/22/2011

Parteienverkehr aus der Wolke

Musik kommt aus der Wolke, E-Mails werden in der Wolke gespeichert und Firmen lassen in der Wolke Daten verarbeiten und speichern. Noch heuer wird das Bundesrechenzentrum in Österreich mit einer eigenen Verwaltungs-Wolke starten, bestätigt BRZ-Geschäftsführer Roland Jabkowski im futurezone-Interview.

Cloud Computing ist derzeit ein sehr populärer Begriff, fast schon ein bisschen hip. Auch für die Verwaltung. Wann gibt es so etwas wie eine Behörden-Wolke?
Wir beschäftigen uns nicht mit Cloud Computing, Social Media oder Green-IT, weil es gerade sexy oder ein Hype ist, sondern aus strategischen Grundintentionen heraus. IT ist für uns kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck, um Anforderungen, die uns aus Verwaltungssicht gestellt werden, bestmöglich zu realisieren.

Und da braucht die Republik eine eigene Wolke?
Cloud Computing ist für uns nicht wichtig, nur weil es Studien sagen, sondern weil wir Kosteneffizienz in der Strategie verankert haben. Wir nutzen Synergien, Skalenökonomien und wir gehen sorgsam mit der Auslastung unserer Experten um. Die wesentlichen Punkte sind Konsolidierung, Standardisierung, Bündelung, Virtualisierung, Wiederverwendung – das sind einige Gebote der Stunde. Und die haben uns die Produktivitätssteigerung ermöglicht. Ein logischer nächster Schritt ist das Thema Cloud.

Cloud Computing wird spätestens sei den Attacken auf das PlayStation-System von Sony und Amazon ein wenig kritischer betrachtet. Was machen Sie besser bzw. gibt es überhaupt Services im Verwaltungsbereich, die man in die Cloud auslagern kann?
Ja, durchaus. Man muss aber aufpassen, welche Cloud man meint. Wenn wir von der klassischen Public Cloud sprechen, kann man nur Services nutzen, wo Datenschutz und Datensicherheit eine untergeordnete Rolle spielt. Das wäre etwa der gesamte Open-Data-Bereich. Ich bin aber sehr skeptisch, was beispielsweise Mail-Services anlangt. Ich glaube nicht, dass die Verwaltung in diesem Bereich aktiv wird. In den USA tut man das, aber nicht bei uns. Das ist zu gefährlich.

Die Uni Salzburg hat ja ihr gesamtes Mail-System an Google ausgelagert?
Aber es hat derzeit noch niemand den Wunsch an uns heran getragen, Mail-Dienste aus der Public Cloud anzubieten.

Vor einigen Jahren hatte das BKA geplant, jedem Österreicher eine eigene Mail-Adresse zur Verfügung zu stellen.
Das ist meines Wissens nach derzeit kein Projekt.

Neben der Public Cloud geht es in der Verwaltungs-Wolke doch eher um die Private Cloud?
Hier sehe ich sehr große Möglichkeiten in der Verwaltung. In unserer Cloud wäre Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet. Und das ist einer unserer großen einzigartigen Vorteile. Wir haben schon jetzt einen eigenen Sicherheits-Offizier im Haus, wir haben ein gutes Sicherheitsmanagement, wir sind zertifiziert, und all diese Vorteile gelten auch für eine private Verwaltungs-Wolke.

Reibt man sich nicht ob solcher Vorfälle, wie es Sony oder Amazon passiert ist, die Hände?
Bestimmte Daten können ohnehin nicht irgendwo gespeichert werden, es gibt Territorial-Prinzipien, da müssen Daten im Land bleiben. Es wäre nicht wirklich angenehm, wenn höchst sensible Daten irgendwo auf dieser Welt landen. Das tun sie auch heute nicht. Der Staat leistet sich schon heute ein BRZ und andere Organisationen, damit u.a. Datensicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Wie kann man sich absichern?
So, wie wir unser Rechenzentrum absichern. Wir haben mehr als 350 E-Government-Services, ein hochkomplexes Sicherheitssystem, wir sind sehr gut abgesichert. Und das würde auch für eine Cloud gelten. Wir können aber weniger heikle Daten an andere Cloud-Anbietervergeben. Das nennen wir dann Hybrid-Cloud.

Was könnten das für Dienste sein?
Wir diskutieren das gerade mit unseren Kunden.

Wie oft redundant sind die Daten überhaupt abgesichert?
Unterschiedlich, hängt vom Schutzbedarf der Daten ab. Der ist beim elektronischen Akt (ELAK) enorm, eine Mehrfachabsicherung. Es gibt andere, die nur einmal oder zweimal gesichert sind. Redundanz kostet Geld, daher kommt es immer darauf an, was man wie absichert.

Haben Sie im Regierungsbunker in St. Johann auch etwas stehen?
Ja, für den ELAK. Wenn Wien eine Katastrophe erlebt, würde der ELAK auch von St. Johann aus funktionieren.

Wie viele Daten speichert das BRZ?
800 Terabyte.

Welche Anforderung stellt der Staat an eine Verwaltungs-Wolke?
Alle wissen, dass es wichtig ist, effektiv und kosteneffizient zu arbeiten. Daher gibt’s die Verwaltungsreform. Und wenn ich das als BRZ ernst nehme – wir sind immerhin ein großer Dienstleister für den Staat bzw. die Verwaltung -, dann muss ich vor der eigenen Tür kehren. Wenn für den Staat die Maxime Kosteneffizienz gilt, muss das auch für uns gelten. Seit  vier Jahren widmen wir uns diesem Thema intensiv.

Und hat es etwas gebracht?
Viel, wir haben einige Erfolge vorzuweisen. Das ist meine Lieblingsstatistik. Von 2005 auf 2006 hat das BRZ als IT-Dienstleister noch um 1,4 % die Preise erhöht. 2006 auf 2007 um 0,5 Prozent, aber seit vier Jahren senken wir unsere Preise. Zwischen drei und im heurigen Jahr 6 Prozent.  Somit haben wir für unsere Kunden in den letzten Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag an IT-Kosten eingespart.

Wer sind die Kunden?
Unser Kernmarkt ist die österreichische Bundesverwaltung, also Ministerien wie Finanz, Justiz, Soziales und die obersten Verwaltungsorgane.

Das ist wenig überraschend, das BRZ ist ja das Rechenzentrum für den Bund und im 100-Prozent-Eigentum der Republik.
Lassen Sie sich nicht täuschen, wir sind kein Monopolist. Wir haben zwar einen Marktanteil im Bund von mehr als 50 Prozent, aber wir müssen uns dem Mitbewerb stellen.

Wer sind die Mitbewerber?
Alle wesentlichen Marktteilnehmer.

Also auch jene, die ihre Kooperationspartner sind.
So ist es im Leben immer. Wir werden auch unsere Cloud-Software ausschreiben, und einer unserer Mitbewerber wird dann den Zuschlag erhalten. Und natürlich sehen uns manchmal auch die Ressort-eigenen-IT-Abteilungen unserer Kunden wenige als Partner denn als Mitbewerber..

Wenn Sie durch Cloud Computing Kosten sparen wollen, gehört wohl auch Green-IT dazu?
Energieeffiziente Informationstechnologie ist ein wichtiges Thema. Das ist schon seit Jahren so, wir haben davon wirklich profitieren können. Unser Ziel ist innerhalb von drei Jahren Einsparungen im Energieverbrauch in der Größenordnung von 20 bis 25 Prozent zu schaffen. Dabei geht es um elektrische Energie, die hauptsächlich in unserem Rechenzentrum anfällt. Die eingesparte Energie entspricht dem Stromverbrauch von 2000 Haushalten. Zudem haben wir eine gerechnete CO2-Reduktion von etwa 900 Tonnen pro Jahr. Erreichen wollen wir das mit einem umfassenden Green-IT-Programm

Das BRZ als Vorbild?
Ja, das wollen wir sein. Nicht nur im Bund, sondern für die gesamte Republik. Unsere Einsparungen haben wir durch Virtualisierung und durch Optimierung der Kühlung erreicht - unsere Freecooler am Dach haben uns im Winter praktisch die Kühlanlagen nicht einschalten lassen. Und wenn man davon ausgeht, dass Energie nicht billiger wird, werden die Ersparnisse tendenziell größer. Und ad Vorbild: Es wird eine ICT-Arbeitsgruppe mit der Industriellenvereinigung und dem KIG, dem Kompetenzzentrum Internetgesellschaft, geben. Wir wollen für Österreich gewisse Standards etablieren. Wir haben in dem Arbeitskreis die Rolle des Umsetzers, der zeigt, dass es machbar ist.

Cloud verspricht neue Perspektiven, aber wo treffen sich Vision und Realität? In der Nationalbibliothek wird am 6. Juli zum Thema „Die Verwaltungs-Cloud – Hype oder Chance für Österreich“ diskutiert. Experten, wie etwa der Direktor des deutschen Fokus Fraunhofer Institutes, Univ.Prof. Dr. Radu Popescu-Zeletin, sowie der Vorstand des IT-Dienstleistungszentrum Berlin, Konrad Kandziora, bieten einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen und einen Ausblick auf die konkreten Auswirkungen der Government Cloud. Im Rahmen der Veranstaltung wird das Bundesrechenzentrum einen ersten Erfahrungsbericht ihres derzeit laufenden Pilotprojekts zur Verwaltungs-Cloud präsentieren.

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