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Wettbewerb

Patriot-Act schadet US-Cloud-Anbietern

Das globale Geschäft mit der Cloud ist gerade erst am Anlaufen. Während Cloud Services in diesem Jahr rund 41 Milliarden US-Dollar Umsatz generierten, sollen es im Jahr 2020 bereits 241 Milliarden US-Dollar sein. Doch für US-amerikanische Unternehmen von Cloud-Diensten gibt es hier ein "kleines Problem". Sie haben Schwierigkeiten, Kunden außerhalb der USA für sich zu gewinnen. Das schlägt sich auf das Geschäft nieder.

Das berichtete "ArsTechnica" am Donnerstag. Der Grund dafür ist der "Patriot Act", unter dessen Deckmantel die US-Regierung Zugriff auf gespeicherte Daten erhält und zwar "egal, wo in der Welt sie sich befinden". So erklärte Gordon Frazer von Microsoft im Sommer bei der Präsentation von Office 365 in London, dass man Daten, die in der Cloud abgelegt sind, nicht vor der US-Patriot-Act schützen kann. Zudem würden betroffene Kunden würden davon nichts erfahren, wenn auf ihre Daten zugegriffen wird.

Europa profitiert
US-Technologiefirmen, die Cloud Services weltweit anbieten, müssen sich laut "ArsTechnica" immer häufiger mit Fragen ausländischer Kunden zu der Behandlung von Daten außerhalb ihrer Heimatländer beschäftigen. Das betreffe neben Europa auch die asiatisch-pazifische Region und Kanada. Viele Firmen würden deshalb bereits auf Konkurrenzanbieter aus Europa ausweichen. Zuletzt verkündete BAE Systems, künftig aufgrund der Patriot Act auf Microsofts Office 365 zu verzichten.

"Missverständnis"

In Europa unterliegen Cloud-Services wesentlich strengeren Datenschutzrichtlinien. Tatsächlich werben viele europäische Unternehmen mittlerweile mit diesen hohen Standards. Laut dem Botschafter Philip Verveer, der im US-Außenministerium für internationale Kommunikation zuständig ist, sei die Patriot Act eine Art "Etikett für Sorgen über die Privatsphäre` geworden. Er spricht dabei von einem "Missverständnis", das europäische Firmen nun ausnützen würden. Das sei allerdings per se nichts Neues, so habe Kanada bereits im Jahr 2004 Gesetze entwickelt, die verhindern sollten, dass Daten über kanadische Bürger außerhalb von Kanada gespeichert werden.

Die EU-Kommissarin Viviane Reding sprach sich mehrfach dafür aus, dass sich in der EU tätige Unternehmen in jedem Fall an die dort geltenden Datenschutzregeln halten müssen und man EU-Bürger vor Versuchen von Drittstaaten, an persönliche Daten zu gelangen, beschützen müsse. In der neuen EU-weiten Datenschutzverordnung soll es zudem klare Regeln geben, unter welchen Bedingungen Daten innerhalb von Europa gespeichert werden dürfen.

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