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B2B
04/20/2012

Post steigt ins digitale Outsourcing-Geschäft ein

Vor einem Jahr gegründet, will Postvorstand Walter Hitziger den neuen Geschäftsbereich „Mail-Solutions“ forcieren und heimische Unternehmen überzeugen, die Geschäftspost von der Post digitalisieren und so optimieren zu lassen.

Neun von zehn Briefen werden geöffnet, in mehr als 100 Geschäftsfelder sortiert, eingescannt und in digitaler Form in den Arbeitskreislauf eingebunden und direkt auf die Computer der verantwortlichen Mitarbeiter in den zuständigen Abteilungen geschickt. Die Uniqa-Versicherung ist eines von 50 Unternehmen, für die die Österreichische Post AG ein digitales Posteingangs-System entwickelt hat. Lediglich die persönlichen Briefe an bestimmte Adressaten wie beispielsweise den Generaldirektor oder auch an jene, die auf einer „schwarzen Liste" stehen, dürfen nicht geöffnet werden.

Hybride Lösungen
Vor einem Jahr hat die Post das neue Geschäftsfeld „Mail-Solutions" gegründet, „weil der Markt nach hybriden Lösungen verlangt hat", sagt Post-Vorstand Walter Hitziger im futurezone-Gespräch. „Die physische Zustellung von Sendungen bleibt freilich nach wie vor unser Kerngeschäft, aber mit den Mail-Solutions haben wir unser Portfolio um den digitalen Bereich erweitert." Man biete Full-Service-Lösungen für den gesamten Kreislauf der Geschäftspost an, vom Poststellen-Management über die duale Gestaltung der Eingangs- und Ausgangspost und Dokumentenverarbeitung bis hin zu Scan- und Druckleistungen. Ergänzend betreibt die Österreichische Post ein sicheres Portal für den elektronischen Empfang, Versand und Verwaltung von Rechnungen und Dokumenten, den Post Manager. Nicht nur Uniqa, auch drei der vier heimischen Mobilfunkbetreiber nutzen die hybride Post-Dienstleistung. Nun will Hitziger eine Offensive starten, um noch mehr Firmen für die Mail-Solutions zu begeistern. „Mit dieser Art des Outsourcing erspart sich ein Unternehmen im Schnitt 17 Prozent der Kosten", so Hitziger.

Acht Jahre Entwicklung
Die Genese des neuen Geschäftsfelds hat genau genommen acht Jahre gedauert. „Bei meinem Wechsel zur Post hat man mir mitgeteilt, dass mein Stammgeschäft zwischen 5 und 12 Prozent schrumpfen wird, was mich wenig gefreut hat", so Hitziger. Beim Stammgeschäft – dem klassischen Brief – gab es dann einen tatsächlichen Rückgang von etwa 5 Prozent während man beim Pakete-Versand – Internet-Handel sei Dank – ebenso zulegen konnte wie bei den Werbesendungen. 2004 wurde wegen der Prognosen eine Zukunftswerkstätte gegründet, die die Trends aufspüren sollte, die man in Geschäftsbereiche verwandeln und mit denen man den Rückgang aus dem analogen Geschäft auffangen, bzw. die neue Einnahmen bringen könnten. „Heute haben wir mit diesen neuen Aufgaben 1500 neue Arbeitsplätze, vom Datenbank- bis zum Adressmanagement", so Hitziger. Und letzteres sei vor allem auch bei einem weiteren Bereichs innerhalb der Mail-Solutions wichtig, dem Dialogmarketing. Und in diesem Bereich biete man ein Komplettpaket an, von der Kampagnen-Planung über die Zielgruppenanalyse, Produktion, bis zum hybriden Versand und der Erfolgsmessung. „Wir bewerben das Produkt physisch auf einem Prospekt, der Kunde gelangt auf die Website des Versandhändlers, ordert, erhält eine SMS, dass sein bestelltes Produkt unterwegs ist und wir liefern es", so Hitziger. „Und wenn es ihm nicht gefällt, nicht passt oder was auch immer, kann er das Paket 24 Stunden, 7 Tage die Woche retour schicken und bei einer Post-Abgabe-Box aufgeben." Bis Ende 2013 soll es im übrigen 300 solcher Abgabe-Boxen, die so groß sind, dass 90 Prozent der Pakete reinpassen, geben.

30.000 veraltete Adressen
Beim Direktmarketing sei das Adressmanagement ein sehr wichtiger Bereich, denn jährlich „veralten" in Österreich bis zu 30.000 Anschriften – etwa weil Straßen umbenannt werden. Mit dem „Adress.Check" liefert die Post zwar ein Service für Unternehmen, das Adressen auf Richtigkeit überprüft, automatisiert läuft dies noch nicht ab. Beim Adress.Check zahlen Unternehmen pro gefundenem Fehler bzw. erfolgter Korrektur einen bestimmten Betrag x. Das Service wird genutzt, weil Fehlzustellungen mehr Geld kosten. Derzeit werden übrigens Marktforschungen durchgeführt, ob auch der Endkunde bereit ist, für ein Service zu bezahlen, bei dem andere erfahren, wie die neue Adresse lautet. „Auch wenn man das Wort Post Assoziationen wie Briefträger, Paket, Briefkasten oder auch eingeschriebener Brief auslöst, wir sind ein innovatives Unternehmen", sagt Hitziger. Vieles traue man „der Post" nicht zu. Mit dem Klick.Brief habe man auch gezeigt, dass man zeitgemäß denken kann. Beim Klick.Brief spreche man kleinere und mittlere Unternehmen ab einem Sendungsvolumen von 50 Briefen pro Woche an. Briefe werden am Computer erstellt und digital an die Post übermittelt. „Wir übernehmen dann Druck, Falzung, Kuvertierung, Frankierung und Zustellung. Das ist doch innovativ?"