B2B
06.05.2014

Speicherhersteller EMC kauft geheimes Flash-Start-up

Der weltgrößte Storage-Konzern EMC setzt im Enterprise-Bereich künftig noch stärker auf Flash-Speicher. Ein kalifornisches Start-up soll die notwendige Technologie liefern.

Auf der eigenen Hausmesse, der EMC World in Las Vegas, ist der Speicherhersteller EMC einmal mehr seinem Ruf gerecht geworden, vielversprechende und - wie im Fall von VMWare oder RSA Security auch lukrative - Unternehmen einzukaufen. Die am Montag angekündigte Übernahme des Silicon-Valley-Start-ups DSSD, das revolutionäre Flash-Speichersysteme verspricht, kam allerdings selbst für Industrieexperten überraschend.

Top-Secret-Projekt

Das mag in erster Linie auch daran liegen, dass DSSD seine Flash-Entwicklung abgesehen von einigen Patentanmeldungen praktisch im Geheimen vorantrieb. Dabei handelt es sich um eine serverseitige Flash-Speicherlösung, die hardwareseitig durch mehrere in einem System verbauten NAND-Chips realisiert wird, wie der langjährige Flash-Verantwortliche bei EMC, Daniel Cobb, im Gespräch mit der futurezone erklärt. Das Besondere daran ist, dass die Energieversorgung und die Kühlung von einem Hauptsystem verwaltet wird, und nicht mehr Bestandteil eines jeden einzelnen Flash-Bauteils ist.

Das von DSSD entwickelten System, dass 2015 erstmals in Form von Produkten realisiert und auf den Markt kommen soll, bedeute eine revolutionäre Weiterentwicklung in punkto Speicherdichte und Leistung. Auch die softwareseitigen Prozesse, wie Fehler-Korrekturen im Schreib- und Leseprozess, welche für die Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Flash-Speicherlösungen im Business-Bereich unumgänglich sind, werden zentral verwaltet. "Der Flash-Speicher rückt so näher an die tatsächliche CPU, was enorme Performance-Leistungen nach sich zieht", so Cobb.

Mehr Speicher für Speicherung

Auch kann der in den einzelnen Speicherchips für die Stromversorgung, Kühlung und Schreib-/Leseoptimierung benötigte Platz - Cobb spricht im Enterprise-Bereich für Flash derzeit von gut 30 Prozent, die für entsprechende Software-Prozesse reserviert sind - durch das vom Gesamtsystem übernommene Management drastisch reduziert werden. Oder anders formuliert: Viel weniger Gigabyte an Speicher gehen für die angesprochenen Prozesse verloren und können also tatsächlich zur Speicherung von Daten genutzt werden, was den Preis von Flash-Lösungen pro Gigabyte günstiger macht.

"Bei vielen gesicherten Daten wird die Zugriffsgeschwindigkeit auch in Zukunft keine Rolle spielen. Da wird man folglich weiterhin auf den günstigsten Speicher setzen, den es gibt", sieht Cobb die Tage von mechanischen Harddrive-Lösungen noch nicht gezählt. Gerade im Bereich der Echtzeit-Datenanalyse, die für neuartige Big-Data-Apps eine Rolle spielt, aber auch für herkömmliche Datenbank-intensive Programme, versprechen Flash-Systeme Leistungssteigerungen.

Sun-Mitgründer mit von der Partie

Ob herkömmliche Datenbanken, die bislang von der Programmierung her nicht auf Flash-Speicher ausgelegt sind, ebenfalls von diesen Leistungssteigerungen profitieren können, bleibt abzuwarten, zumal derzeit noch wenige tatsächliche Details zur Lösung bekannt sind. Für Aufsehen sorgt die Aquise aber allemal, steckt hinter dem DSSD-Team doch der Sun-Microsystems-Mitgründer Andy Bechtolsheim, der EMC auch nach der Übernahme als Berater zur Verfügung stehen soll.

Als CEO des neuen geplanten Subunternehmens fungiert Bill Moore, der zuvor bei HP im Speicherbereich zuständig war. Über die Übernahmedetails und etwaige geplante Produkte wurde noch nichts bekanntgegeben.


Hinweis: Die Reisekosten zur EMC World wurden von der futurezone und von EMC bezahlt.