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Online-Werbung
04/23/2013

Start-up abalo macht Smartphone zur Plakatwand

Das Wiener Start-up abalo Media hat sich nicht weniger vorgenommen, als die “Werbewelt zu revolutionieren”. Mit einem neuen Konzept für mobile Werbung sollen einerseits die Nutzer an den Einnahmen beteiligt und andererseits Streuverluste für Kunden vermieden werden. Das Unternehmen hat sich für die kommenden Jahre hohe Ziele gesteckt.

von Claudia Zettel

"Wir machen das Smartphone zu einer interaktiven Plaktwand", mit dieser Botschaft verkündet Alexander Zrost, CEO des Wiener Start-ups abalo Media, am Dienstag vor Journalisten in Wien den offiziellen Marktstart seines Unternehmens. Die Firma, die im Februar 2012 gegründet wurde und derzeit rund 30 Mitarbeiter beschäftigt, will mit einer - nach eigenen Aussagen - "weltweit einizgartigen" Online-Werbeform sowohl bei Nutzern als auch bei Werbekunden punkten.

"Wir wollen und werden die Werbewelt revolutionieren", verspricht Michael Mass, Marketingverantwortlicher bei abalo. Das Konzept macht sich den Lock-Screen von Smartphones zunutze. Dort werden die interaktiven Werbeplakate angezeigt - solange, bis der Nutzer das Handy entsperrt. Dann verschwindet die Anzeige nach zwei bis drei Sekunden und man befindet sich auf dem gewohnten Homescreen. "Ganz wesentlich ist, dass der User bei der Smartphone-Nutzung zu keiner Zeit gestört wird", betont Mass. Die Werbung behindere weder einlangende Anrufe noch SMS oder andere Aktivitäten.

Bis zu 15 Euro montalich verdienen
abalo setzt darauf, dass sich User "freiwillig" für Werbung auf dem Handy entscheiden und lockt sie dazu mit einem kleinen finanziellen Anreiz. Pro Entsperrvorgang bzw. pro gesehener Anzeige auf dem Lock-Screen erhält der Nutzer 1,8 Cent. Um bei diesem Werbeprogramm mitzumachen, müssen sich die User zuvor bei abalo auf der Webseite registrieren sowie die App herunterladen und diese aktivieren. Danach werden bis zu 27 Mal pro Tag die interaktiven Werbeplakate ausgespielt. Maximal kann ein Nutzer 15 Euro im Monat damit verdienen, indem er seinen Sperrbildschirm gewissermaßen an abalo vermietet. In Österreich komme der Betrag bei vielen Handynutzern schon in etwa dem monatlichen Mobilfunktarif gleich, argumentieren die abalo-Gründer.

Um die Werbung Zielgruppen-genau zu schalten, sollen die User bei der Registrierung ihre Interessen angeben. So erhalte der Werbetreibende eine ganz exakte Ansprache seiner Zielgruppe, der User wiederum bekomme nur solche Anzeigen zu sehen, die ihn auch interessieren, erklärt Mass. Weiters soll es auch die Möglichkeit für ortsbezogene Werbung geben. Wenn sich jemand in einer bestimmten Gegend bewege, könne man etwa aktuelle Deals in Geschäften anzeigen, die für den Nutzer potenziell interessant wären.

Will sich ein Nutzer nicht den ganzen Tag über Werbung anzeigen lassen, besteht die Möglichkeit, werbefreie Zeiten einzustellen. In diesen Zeiten kann dann naturgemäß auch kein Geld verdient werden. Bespielt wird der Lock-Screen mittels Live-Hintergrund, wobei die Sujets einmal täglich ausgeliefert werden. abalo nimmt eigenen Angaben zufolge maximal 250 MB des monatlichen Datenvolumens in Anspruch bzw. nutzt WLAN-Verbindungen, wenn sich das Handy in einem solchen befindet.

Mehrere Bezahlweisen
Für die User gibt es mehrere Möglichkeiten, zu ihrem Geld zu kommen. "Zunächst einmal gibt es die monatliche Überweisung auf das Bankkonto", erklärt Peter Götzl, CTO bei abalo. Wer seine Kontodaten nicht bekanntgeben möchte, könne aber auch auf einen "Scheck" ausweichen. Dieser werde dann aufgteilt auf zweimal jährlich ausgestellt. Hinzu kommen sollen außerdem Paypal sowie die Option, das Geld zu spenden.

Behutsamer Umgang mit Daten
Die Firmengründer betonen ausdrücklich, dass mit den Daten der Nutzer verantwortungsvoll umgegangen werde. Diese würden beim Eintritt in das abalo-System sofort anonymisiert. Bewegungsprofile werde man keinesfalls auswerten, jegliche Weitergabe der Daten an Dritte sei ausgeschlossen.

Um sicherzustellen, dass nur hochwertige Inhalte verbreitet werden, würde man jedes Sujet vorher prüfen. Untersagt ist bei abalo darüber hinaus jegliche Werbung aus dem Erotikbereich, Tabak und harter Alkohol dürfen ebensowenig beworben werden, politische Werbung ist ebenfalls nicht gestattet. Entscheidet sich ein Werbekunde für abalo, gilt für große Unternehmen eine Mindestmenge von 50.000 Sichtungen (also Entsperrungen), für KMU gibt es kleinere Pakete mit 10.000 Sichtungen. Zu den ersten Werbepartnern zählen unter anderem Manner, Ikea, Palmers und Sony.

Zum Start nur Android
Vorraussetzung für die Nutzung von abalo ist ein Android-Smartphone (ab Version 2.2.) - offiziell starten soll der Werbeservice mit Mai, die App ist aber bereits im Playstore zu finden. iOS und Windows Phone werden derzeit noch nicht unterstützt. Während bei Windows Phone wohl eher die geringe Verbreitung der Grund für die Verzicht ist - ein späterer Start ist natürlich denkbar - hat man mit Apple offenbar noch seine Probleme. "Apple hat gewisse Restriktionen, die es uns noch nicht möglich gemacht haben, auch auf iOS zu starten", heißt es seitens der Firmengründer. Dabei gehe es unter anderem darum, dass Apple Apps, die reine Werbung seien, verbiete. Man habe aber bereits zwei - nicht näher genannte - Lösungen für das Problem im Hinterkopf. Somit sei der iOS-Start nur eine Frage der Zeit.

Große Ziele
abalo hat sich durchaus ambitionierte Ziele gesetzt. Bis Ende des Jahres will man in Österreich bereits 125.000 registierte Nutzer zählen. Bei Österreich soll es zudem nicht bleiben. Bereits im Juni will abalo auch in Deutschland starten, im vierten Quartal dann in Italien, Spanien, Frankreich und England. "Bis zum Jahr 2015 wollen wir europaweit sieben Millionen User haben", sagt CEO Zrost.

Mit 1.1.2014 wird abalo - der Name ist übrigens altkeltisch und bedeutet Birne - auch in den USA starten. Dass mit dem neuen Werbekonzept viel Geld zu verdienen sei, davon sind die Firmengründer fest überzeugt. Immerhin: Der weltweite Umsatz mit mobiler Onlinewerbung soll bis zum Jahr 2016 auf 37 Milliarden Dollar ansteigen. In Österreich beträgt der Onlinewerbekuchen 110 Millionen Euro und soll sich laut Zahlen von Focus Media Research bis 2015 auf etwa 440 Millionen Euro vervierfachen.

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