B2B
09/15/2011

T-Systems-Chef: "LTE ist keine Lösung"

Wenn es nach der Visionen der Deutschen Telekom (DT) geht, werden künftig intelligente Geräte miteinander vernetzt sein und man wird Medieninhalte aus der Cloud von überall aus abrufen können. Doch die riesigen Datenmengen sowie die Absicherung der Geräte werden laut T-Systems-CEO Reinhard Clemens zum Problem.

"In Zukunft werden wir mindestens drei bis vier Geräte haben, die miteinander vernetzt sind", erklärte Reinhard Clemens, CEO von der DT-Geschäftskundensparte T-Systems, am Dienstag in der Unternehmenszentrale in Bonn. Im ersten Stock des Gebäudes wird dieses Zukunftsszenario im Rahmen der "T-Gallery" bereits Wissenschaftlern, Technologie-Experten, Analysten und Journalisten vorgeführt.

So lässt sich dort im konstruierten Wohnzimmer mit Möbeln im Stil der 1970er-Jahre die Musik, die man gerade eben auf dem Weg nach Hause noch via Smartphone gehört hat, bequem auf den Touchscreen-TV übertragen. Oder aber man kann sich den Film mit seinem Lieblingsschauspieler, den man zur Abendunterhaltung ausborgen möchte, via Sprachsteuerung bestellen. Die Wohnzimmerlampe lässt sich im Anschluss im selben Programm dimmen, so dass beim Film schauen automatisch Energie gespart wird.

"Grenzen der Belastbarkeit"
Basis für diese intelligente Vernetzung der Geräte sind freilich die Cloud, also die Speicherung der Daten in der "Wolke", und eine schnelle Art der Datenübertragung auf die Endgeräte. Darin sieht der T-Systems-CEO eine große Herausforderung. "Man sieht es derzeit bereits bei großen Events oder in Fußballstadien - unsere Netze stoßen an die Grenzen der Belastbarkeit und die Technologie kann diese Nachfrage nicht mehr befriedigen", so Clemens: "Wenn alle Smartphone-Nutzer auf einmal Videos in HD-Qualität verfolgen, sind das riesige Datenmengen."

Clemens sieht in der neuen Generation mobiler Datenübertragung LTE (Long Term Evolution) "keine Lösung im Bezug auf unlimitiertem Datenverkehr". Es würde zwar die Übertragung der Daten schneller machen, aber nicht die Bandbreite erhöhen. Wenn beispielsweise Filme in HD-Qualität auf das Smartphone übertragen werden, müsse in Zukunft der Streaming-Anbieter dafür zahlen, dass die vereinbarte Qualität gewährleistet werde, so der T-Systems-Chef.

Sicherheit als Zukunftsthema
Doch nicht nur das Handling von großen Datenmengen stellt für smarte Zukunftsprojekte, die in der Cloud angesiedelt sind, eine Schwierigkeit dar, sondern auch die Absicherung der Systeme - vor allem, wenn die Daten auf mehrere und immer unterschiedlichere Geräte übertragen werden. "Sicherheit wird hier ein großes Thema", ist Clemens überzeugt. Derzeit sei man für derartige Szenarien noch nicht ausreichend gerüstet. Es sei aber kontraproduktiv, wenn plötzlich Daten verloren gehen oder Geräte mit Viren infiziert werden würden.

Der in Deutschland durch Cyberangriffe verursachte Schaden sei seit letztem Jahr um 36 Prozent gestiegen. Bei der Deutschen Telekom arbeite man daher eng mit dem deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen. "Die Experten vom BSI sagen, dass heutzutage der Großteil der Websites mit Malware infiziert sind. Das ist die Realität", so Clemens. Um Systeme wirklich von Anfang an effizient zu schützen, müsse aber auch die Hardware in Europa produziert und nicht aus den USA oder China importiert werden, so Clemens.

Eberhard von Faber, der für die Sicherheitsstrategie bei T-Systems zuständig ist, bestätigt gegenüber der futurezone, dass es in Deutschland bereits mehrfach Equipment aus Asien gegeben habe, das mit Backdoors ausgeliefert wurde, die es den Herstellern ermöglicht hätten, auf die Rechner zuzugreifen. "Das ist eine konkrete Bedrohung", so Von Faber.

Das Geschäft mit der Cloud
T-Systems beschäftigt knapp 600 Sicherheits-Spezialisten im Unternehmen und will künftig Sicherheit "out of the Cloud" seinen Mittelstandskunden schmackhaft machen. "Kleinere Unternehmen haben bei Sicherheitslösungen oft einen gewaltigen Nachholbedarf. Konzerne dagegen sind heutzutage mit "Intrusion Detection" gewappnet und sie beobachten täglich, ob und welche Angriffe es gibt und reagieren dann", so der T-Systems-Chef. Ein Mittelstandsunternehmen könne sich das nicht leisten. "Genau hier kann Cloud Computing helfen - und zwar wenn Unternehmen nach Bedarf Sicherheitslösungen wie Anti-Spam-Filter aus der Wolke beziehen", erklärt Clemens. Bis zum Jahr 2015 soll einen Großteil des geplanten Umsatzzuwachses von T-Systems aus "Cloud"-Dienstleistungen kommen.

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