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B2B
09/05/2019

"Viele Unternehmen spielen nur Innovationstheater"

Der Innovationsexperte Daniel Tyoschitz über Innovation in Unternehmen und warum Ideenwettbewerbe oft schiefgehen.

Warum scheitern Innovationen in Unternehmen so oft? "Viele Unternehmen möchten etwas machen, machen es aber nicht richtig", sagt Daniel Tyoschitz, Gründer des Beratungsunternehmens Understand Innovation. "Sie spielen nur Innovationstheater."

Beim Austrian Innovation Forum, das am 17. und 18. Oktober im Wiener Techgate stattfindet, wird der Unternehmensberater das Scheitern von Innovationsprozessen beleuchten und Wege aufzeigen, wie Transformationsprozesse erfolgreich gestaltet werden können.

"Innovation ist Teil der Strategie"

Als Beispiel für ein solches Innovationstheater nennt Tyoschitz etwa die Schaffung eines Chief Innovation Officers (CIO). Dafür würden oft Leute ausgewählt, die zuvor Projektmanager waren oder leitende Positionen in der IT innehatten. Mit Innovation würden sie sich aber nicht wirklich auskennen. Ein Chief Innovation Officer müsse in der Geschäftsführung angesiedelt sein, brauche ein Budget und auch Personalverantwortung. "Innovation macht man nicht nebenher, sie ist Teil der Strategie", sagt Tyoschitz.

Auch Ideenwettbewerbe seien häufig eine Sackgasse. Die dabei entstehenden Ideen seien meist nicht neu und würden vielleicht ein Produkt ein bisschen besser machen, die großen Zusammenhänge würden aber davon nicht erfasst. "Bei Wettbewerben bekommt man meist nur Ideen die zehn Prozent besser sind. Wir wollen aber Ideen, die zehn Mal besser sind."

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Start-ups? Start-ups könnten Lösungen liefern, die etwa bei der Verbesserung von Kundenerlebnissen helfen, meint Tyoschitz. "Wenn ich in meiner Versicherungs-App ein Bild von meinem Wasserschaden hochladen kann und zehn Minuten später das Geld auf dem Konto habe, anstatt eine Woche zu warten, bis ein Gutachter vorbeikommt, um sich den Schaden anzusehen, dann habe ich ein positives Erlebnis. Diese Kundenerlebnisse können in Zusammenarbeit mit Start-ups geschaffen werden."

Unternehmen können sich von Start-ups zwar Inspiration holen, sie sollten sich aber nicht blenden lassen. "Ein Start-up kann nur punktuell helfen, nicht aber bei der kompletten Unternehmenstransformation."

"Es geht um eine ganzheitliche Transformation"

In Zukunft werde jedes Unternehmen ein digitales Unternehmen sein, meint der Innovationsexperte. Die digitale Transformation müsse auf allen Ebenen umgesetzt werden. Dabei unterschiedet Tyoschitz zwischen Cultural, Organizational, Individual, Commercial und Operational Transformation. Jeder Kundenkontaktpunkt müsse überdacht werden und traditionelle Annahmen seien grundlegend zu hinterfragen.

Innovation müsse Probleme von Kunden lösen. Unternehmen würden häufig aber gar nicht verstehen, welche Probleme sie eigentlich lösen sollen. "Wenn jemand eine Waschmaschine kauft, will er eigentlich saubere Wäsche", sagt Tyoschitz. "Ein Hersteller will Maschinen verkaufen. Aber was ist, wenn ein Spray oder andere Materialien in der Kleidung den gleichen Effekt haben, sodass Waschmaschinen überflüssig werden?"

Bei vielen Unternehmen gehe es nur noch darum, lebensverlängernde Maßnahmen umzusetzen, meint Tyoschitz. Sie sollten aber auch überlegen, wie neue Dinge entstehen könnten.

Neuorientierung

Als Beispiel, wie eine solche Neuorientierung gelingen kann, nennt Tyoschitz den deutschen Heizungsbauer Viessmann. Um für die Herausforderungen der digitalen Transformation gerüstet zu sein, gründete das Familienunternehmen, das 2,5 Milliarden Euro mit Heizungen und Kühlsystemen umsetzt, eine eigene Organisation: VC/O. Dort laufen innovative Initiativen zusammen und werden neue Modell der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen erprobt. Auch ein Risikokapitalfonds und ein Company-Builder wurden aufgebaut.

Entwickelt wurden etwa Dienste, die Leute bei Förderungen für den Heizungsbau zur Hand gehen oder Wärme als Dienstleistung anbieten. "Hausbesitzer kaufen keine Heizung mehr, sondern zahlen eine Abo-Gebühr für ein smartes Heizungssystem. Der Hersteller kann auf diese Art auch andere Dienstleistungen verkaufen, da er ständig im Kontakt zum Kunden steht, erläutert Tyoschitz: "Es entstehen neue Geschäftsmodelle." Die auf diese Weise gewonnenen Erfahrungen könnten bei dem Unternehmen auch dazu genutzt werden, um das Kerngeschäft zu transformieren.

Innovationsdruck

Wie hoch ist der Innovationsdruck? Der sei von Branche zu Branche und von Land zu Land unterschiedlich, meint Tyoschitz. Eine lokale Bank spüre ihn noch anders, als ein globaler Finanzdienstleister, der bereits heute tausende Mitarbeiter abbauen muss.

Das Gute für die meisten traditionellen Unternehmen sei, dass das Nutzerverhalten sich langsamer verändert als der technologische Fortschritt. Auch wenn es heute schon möglich wäre, viele Dinge anders zu machen, dauert es noch, bis sie tatsächlich in der breiten Masse akzeptiert werden. Deshalb haben traditionelle Unternehmen immer noch die Möglichkeit zu den Gewinnern der Digitalisierung zu gehören. „Um zu gewinnen, müssen allerdings die richtigen Menschen in die richtigen Strukturen gebracht werden“ so der Experte. Wie dies genau aussieht und was dabei meist falsch gemacht wird, erklärt Tyoschitz in seinem Vortrag beim Austrian Innovation Forum.

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Austrian Innovation Forum entstanden.