B2B
29.08.2013

Vodafone winken 130 Milliarden für US-Abschied

Der deutsche Mobilfunker Vodafone plant Berichten zufolge einen Ausstieg aus dem US-Markt.

Es könnte eine der teuersten Scheidungen aller Zeiten werden: 130 Milliarden Dollar will der US-Telefonriese Verizon springen lassen, um die zerrüttete Mobilfunkehe mit Vodafone in den USA zu lösen. Zusammen betreiben die beiden den größten amerikanischen Mobilfunker Verizon Wireless, streiten sich allerdings seit Jahren über die Strategie und das Geld. Nach einigen gescheiterten Trennungsversuchen erklärte Vodafone am Donnerstag, abermals mit Verizon über einen Rückzug aus dem Gemeinschaftsunternehmen zu verhandeln. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt unsicher, ob eine Einigung erzielt werde. Der Preis, um den die Konzerne derzeit verhandeln, liege bei 130 Milliarden Dollar, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person zu Reuters. Das Übernahmeangebot könnte bereits in der ersten September-Woche publik gemacht werden.

Milliarden-Geschäft
Eine zweite Quelle nannte den 2. September. Sollten die Konzerne dieses Mal wirklich getrennte Wege gehen, wäre es die drittgrößte Unternehmensübernahme überhaupt. Die Aktien von Vodafone schnellten nach der Nachricht an der Londoner Börse in der Spitze um neun Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren - die Verizon-Titel legten in New York 2,6 Prozent zu. Für Vodafone käme der Geldregen zum richtigen Zeitpunkt, da der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber der Welt massiv in das Festnetz und superschnelle Internetanschlüsse investiert.

Jüngster Coup ist die Übernahme von Kabel Deutschland für knapp elf Milliarden Euro. Das ist wenig im Vergleich zu früheren Vodafone-Deals: Auf dem Höhepunkt der New Economy im Jahr 2000 legte der Konzern für den deutschen Mobilfunker Mannesmann 200 Milliarden Dollar auf den Tisch. Es war die teuerste Übernahme aller Zeiten. In den Boom-Jahren saß das Geld so locker, dass der zweitgrößte Deal nicht lange auf sich warten ließ: 2001 schluckte der Medienriese Time Warner den Internet-Anbieter AOL für 165 Milliarden Dollar. Die Fusion entpuppte sich Jahre später als kompletter Fehlschlag, der Konzern wurde wieder zerschlagen.

Streit seit den Flitterwochen
Vodafone hält 45 Prozent an dem Mobilfunkmarktführer Verizon Wireless, der Rest liegt bei den Amerikanern. Die Briten wollten mehr Mitsprache in dem Gemeinschaftsunternehmen und Zugriff auf die vollen Kassen, was Verizon aber stets abgelehnt hat. So entstand ein Dauerstreit. Vodafone musste seinen Partner beispielsweise erst jahrelang beknien, bevor eine Dividende für das sehr profitable Mobilfunkgeschäft ausgeschüttet wurde. Der US-Konzern sucht seit Jahren nach Wegen, um die 1999 gestartete Liaison mit den Briten zu lösen und die komplette Kontrolle über das hochprofitable Geschäft zu erlangen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg und das „Wall Street Journal" hatten zuerst über den jüngsten Anlauf für einen Ausstieg von Vodafone aus den USA berichtet. Das „Journal" zitierte Insider mit der Aussage, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme nun höher sei, da in den USA die Zinsen allmählich stiegen. Wenn Verizon noch lange warte, werden die Finanzierungskosten höher. Ein Verizon-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Analyst: Vodafone kann pokern
Nach Ansicht von Tom Gidley-Kitchin, Analyst bei der britischen Bank Charles Stanley, war offensichtlich, dass Verizon früher oder später einen ernsthaften Annäherungsversuch startet. „Vodafone muss nicht verkaufen, sondern kann abwarten." Vodafone-Chef Vittorio Colao werde sich kaum dazu hinreißen lassen, die Beteiligung unter Wert zu verkaufen, weshalb der Preis sich schließlich Richtung 130 Milliarden Dollar bewegen dürfte, sagte er.

Verizon Wireless ist mit rund 100 Millionen Kunden größter Mobilfunknetzbetreiber in den USA. Auf den Plätzen folgen AT&T, Sprint und die langjährige Deutsche-Telekom -Krisentochter T-Mobile US. Mit Verizon Wireless gäbe Vodafone seinen Wachstumsmotor auf und wäre stärker vom Europa-Geschäft abhängig. Hier läuft längst nicht alles rund, da vor allem in Südeuropa wegen der Schuldenkrise die Einnahmen fallen. In die Offensive geht Vodafone in Deutschland mit dem Kauf des Kabel-Primus Kabel Deutschland. Nach der Übernahme könnte Vodafone hierzulande superschnelles Internet und Mobilfunkdienste aus einer Hand anbieten und damit erstmals der Telekom auf breiter Front Konkurrenz machen.