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Instant Payment Was die Echtzeit-Überweisungen bringen.

Wird Geld überwiesen, ist es künftig wenige Sekunden später für den Empfänger verfügbar
Wird Geld überwiesen, ist es künftig wenige Sekunden später für den Empfänger verfügbar - Foto: REUTERS/LEONHARD FOEGER
PayPal und Co drohen den Banken beim Zahlungsverkehr das Wasser abzugraben. Diese halten nun mit einer Instant-Überweisung dagegen, bei der Geld in Sekunden transferiert ist.

Wer eine Überweisung tätigt, kann künftig innerhalb Europas sicher sein, dass diese in spätestens zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers landet. So sieht es die neue Instant-Payment-Lösung europäischer Banken vor, die seit dem 21. November 2017 schrittweise eingeführt wird. Bereits rund 1000 der 4000 europäischen Banken bieten die Echtzeitüberweisung ihren Kunden an, in Österreich sind Erste Bank und Sparkassen sowie die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich von Anbeginn mit dabei.

Instant-Überweisung notwendig

„Der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und den Banken selbst war klar, dass wir eine europäische Instant-Bezahllösung brauchen, wenn wir einen Großteil des Zahlungsverkehrs längerfristig nicht an amerikanische Anbieter wie PayPal, Google oder Apple verlieren wollen“, erklärt Jean Yves Jacquelin im Gespräch mit der futurezone. Der Zahlungsverkehrs-Experte der Erste Bank hat die Echtzeit-Überweisung federführend im European Payments Council mitentwickelt.

Jean Yves Jacquelin…
Jean Yves Jacquelin - Foto: /Erste Bank
Als Basis für die neue Lösung dient das standardisierte SEPA-Verfahren, das Überweisungen und Lastschriftverfahren europaweit regelt. Während Nutzer sich für Plattformen wie PayPal registrieren müssen, können Bankkunden die Überweisung in Echtzeit sofort nutzen, wenn sie von beiden Banken unterstützt wird. Bei Erste und Sparkassen ist aktuell nur der Empfang solcher Überweisungen möglich, der Instant-Transfer auf ein bankfremdes Konto soll ab 2018 möglich werden.

Für Online-Shopping interessant

Die Einführung der Instant-Überweisung dürfte die Spielregeln beim Online-Shopping, das bisher von Kreditkartenzahlungen und Anbietern wie PayPal dominiert war, einmal mehr ändern. „Wenn man in wenigen Sekunden per Überweisung zahlen kann, entsteht eine neue attraktive Zahlungsmöglichkeit. Verkäufer haben in wenigen Sekunden Zugriff auf das Geld. Kunden wiederum müssen anders als bei der Kreditkarte nicht ihre Daten bekanntgeben – die Kontonummer wird auch anders als bei Kreditkartenzahlungen nicht in der Datenbank von Online-Shops gespeichert“, sieht Jacquelin einige Vorteile.

Er rechnet damit, dass das neue Instant-Payment neue Geschäftsmodelle und Apps nach sich ziehen werde. Um der Überweisung in Echtzeit schnell zum Durchbruch zu verhelfen, müssten Banken diesen Service besonders attraktiv – sprich sehr kostengünstig gestalten. Während die Erste noch überlegt, wie die Lösung im Detail aussehen wird, hat die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich auf ihrer Homepage bereits angekündigt, in der Pilotphase jedenfalls keine Überweisungsgebühren zu verlangen.

Handykontakt statt IBAN

Ein immer wieder kritisiertes Hindernis im Sinne der Kundenfreundlichkeit ist auch der komplizierte IBAN-Code, der bei SEPA-Überweisungen gesetzlich vorgeschrieben ist. „Es bringt natürlich nichts, wenn die Überweisung ein paar Sekunden dauert, ich für das Eingeben des IBAN überspitzt formuliert aber drei Minuten brauche. Für den Kunden hat die Überweisung dann nämlich trotzdem drei Minuten gedauert“, gibt auch Jacquelin zu bedenken.

Die Banken würden deshalb an Lösungen arbeiten, bei denen der Code nicht manuell eingegeben werden müsse. Schon jetzt können Kontoinformationen mittels QR-Code per Smartphone leicht für eine Überweisung übernommen werden. Banking-Plattformen wie George merken sich die Kontaktdaten einmal getätigter Überweisungen automatisch. Bei einer weiteren Transaktion muss nur der Kontakt aufgerufen werden.

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Foto: OeNB
Andere Überlegungen gehen in die Richtung, den IBAN überhaupt mit der bei der Bank registrierten persönlichen Telefonnummer zu verknüpfen. Eine Überweisung könnte dann einfach über die Auswahl des Kontakts im Smartphone-Adressbuch erfolgen. Das mühsame Eintippen von IBAN-Daten würde entfallen - selbst wenn man einem Kontakt noch nie zuvor etwas überwiesen hätte.

Technische Herausforderung

Damit die sekundenschnelle Überweisung überhaupt funktioniert, müssen die teilnehmenden Banken ihre technische Infrastruktur komplett umstellen. „Derzeit arbeiten die meisten Banksysteme so, dass Aufträge in bestimmten Zeitabständen gesammelt abgeholt und nach der Bearbeitung wieder gesammelt zur Freigabe an sogenannte Clearing-Häuser geschickt werden. Bei der Instant-Überweisung muss hingegen jeder einzelne Auftrag sofort bearbeitet, freigegeben und empfangen werden können – und das 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche“, erklärt Jacquelin.

Derzeit existiert mit der European Banking Association nur ein Clearing House, das die Anforderungen für die Überweisung in Echtzeit erfüllt. Parallel arbeitet die EZB an einer entsprechenden Infrastruktur namens TIPS, die allen europäischen Banken im November 2018 zur Verfügung gestellt wird. Dies wird auch notwendig sein, da bereits in drei Jahren etwa 30 Prozent der in Europa jährlich anfallenden 20 Milliarden Überweisungen auf diese Weise durchgeführt werden sollen. Neben den EU-Mitgliedstaaten ist das SEPA-Verfahren für Euro-Überweisungen auch in Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz, Monaco und San Marino Standard.

SEPA-Verfahren als Basis

In der ersten Phase sind Überweisungen auf den Betrag von 15.000 Euro begrenzt. Mit dieser Maßnahme soll gewährleistet werden, dass das System auch bei steigenden Transaktionen nicht an seine Grenzen gerate. Mit der Begrenzung will man auch sicherstellen, dass das System nicht für Geldwäsche missbraucht werden kann. Bisher gibt es laut dem Zahlungsverkehrs-Experten keine Anzeichen diesbezüglich. Man wolle aber trotzdem auf Nummer sicher gehen.

„Die teilweise recht mühsame Einführung des einheitlichen SEPA-Verfahrens im Jahr 2008 hat sich definitiv ausgezahlt. Dass wir nach nur einem Jahr Vorbereitungszeit eine Instant-Payment-Lösung problemlos in 34 Ländern bereitstellen können, spricht für sich“, sagt Jaquelin im futurezone-Interview. „Ich bin überzeugt, dass in wenigen Jahren die sekundenschnelle Überweisung der neue Standard in der EU sein wird. Daraus werden sich dann wieder völlig neue Möglichkeiten im Zahlungsverkehr ergeben.“

(futurezone) Erstellt am 12.01.2018, 06:00

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