B2B
31.10.2013

Investor: Das Internet ist keine US-Angelegenheit mehr

Investoren, IT-Konzerne und Start-ups treffen dieser Tage auf dem Dublin Websummit zusammen. Ein Schlagwort stand an Tag 1 besonders im Zentrum: Risikobereitschaft.

Die europäische Start-up- und Tech-Szene gibt wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Internationale IT-Konzerne, Medienleute, Investoren und Firmengründer treffen diese Woche zur größten Tech-Konferenz in Europa, dem Web Summit, in Dublin zusammen. Schon zum Auftakt am Mittwoch wurde dabei eines ganz deutlich: Europa braucht sich vor den USA nicht zu verstecken.

Plädoyer für mehr Risiko

Das Internet sei keine “US-Angelegenheit” mehr, sagt Saul Klein, Partner bei Index Ventures, in seiner Auftakt-Keynote. Er streicht das immense Potenzial hervor, dass sich Firmengründern aufgrund der Vernetzung von Milliarden von Menschen biete. Wer etwas anzubieten habe, soll also “da raus gehen und etwas machen”, so Klein.

Dass derlei Dinge natürlich immer leichter gesagt als getan sind, dessen ist sich der Unternehmer und Investor bewusst. “Aus 10.000 Geschäftsideen entstehen 1000 Firmengründungen. Und von diesen 1000 bekommen vielleicht 100 ein Funding. 20 Firmen schaffen den Börsengang und zwei werden zu Marktführern”, rechnet Saul dem Publikum vor. 55 Prozent der Venture Capital Investments in den USA gingen verloren, in Europa seien es 62 Prozent. Die Investitionen jedoch, die überleben, seien in den USA in Firmen geflossen, die heute 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. “Jetzt beginnt sich der Trend auch auf Europa zu übertragen”, sagt Klein und verweist auf die vielen IT-Firmen, die sich bereits etabliert haben.

“62 Prozent Risiko ist eigentlich eine gute Sache”, meint der Investor. “Man muss Risiken eingehen. Extreme Risiken bringen die größten Erfolge.” Das gelte für Firmengründer ebenso wie für die Investorenseite. Wolle man wirklich das große Geld machen, müsse man dafür Risiken eingehen, die jenseits der 90 Prozent liegen, ist Klein überzeugt.

“Nichts zu verlieren”

In Europa habe man jetzt eine Generation, die “nichts zu verlieren hat”. Die hohen Arbeitslosenraten bei jungen Menschen in vielen Ländern, Klein verweist etwa auch auf Großbritannien, seien nur ein Beweis dafür. Auch das Geld, das in die Bildung fließt, müsse besser verteilt und mehr jungen Menschen eine Chance gegeben werden. Selbst aktiv werden, seine Ideen und Produkte im Netz verbreiten und verkaufen, das sei die große Chance heute.

Es gebe niemals eine Garantie auf Erfolg, den könne auch niemand vorhersagen, aber die Bereitschaft, Risiken einzugehen und sich nur die allerhöchsten Ziele zu stecken, sei für Start-ups der grundlegende Schritt. Klein macht den Gründern Mut und glaubt fest daran, dass sich investiertes Geld und Zeit lohnen. Denn Europa sei “endlich wieder im Herzen einer vernetzten Welt angekommen”.

Verrückte Ideen

Mut und Risikobereitschaft beschwören auch andere Investoren, die zum Web Summit angereist sind. Es brauche verrückte Ideen, danach müsse man Ausschau halten, so Ciaran O’Leary von der Venture Capital-Firma Early Bird. “Wir stehen gerade erst am Anfang davon, wie das Internet unsere Leben verändern wird.” Auch Tony Conrad, US-Investor und Firmengründer von About.me, schaut sich gerne nach eher ungewöhnlichen Ideen um. “Wir schauen uns nach großen Visionen um. Es braucht einerseits diese verrückte Idee und gleichzeitig die richtige Stimme dafür, um auch gehört zu werden”, meint Conrad, der unter anderem in den 3D-Drucker Makerbot investiert hat.

Standortfrage

Ob es an bestimmten Orten, eingebettet in die großen Start-up-Zentren dieser Welt, einfacher funktioniere, erfolgreich zu sein? Darüber sind sich die Investoren nicht ganz einig. Während James Maiocco von Microsoft Ventures überzeugt ist, dass man es mit der richtigen Idee von überall aus schaffen könne, betont Conrad dennoch die Vorteile des Silicon Valley. “Umgeben von einem solchen Umfeld, konnte ich extrem viel lernen, mir Hilfe holen und davon profitieren.” Daher haben die großen Start-up-Hubs mit dieser gewissen “Dichte” an Menschen und Know-How aus Sicht von Conrad durchaus einen Sinn.

Eine Konferenz “für alle”

10.000 Teilnehmer aus mehr als 90 Ländern verzeichnet das Web Summit heuer, und das obwohl es die Konferenz erst seit dem Jahr 2010 gibt. Von Google über Microsoft bis hin zu Facebook und Amazon sind alle großen Namen aus den USA vertreten. Daneben präsentieren sich etwa 600 Start-ups aus aller Welt und haben die Gelegenheit direkt mit Investoren in Kontakt zu treten und neue Kontakte zu knüpfen.

Die Veranstalter setzen bewusst auf flache Hierarchien und wollen, dass alle Teilnehmer, von bekannten Speakern bis hin zu jungen Talenten, auf selber Ebene miteinander kommunizieren und die Konferenz für sich nutzen können. “Ich will, dass sich die Leute hier wie Nachbarn behandeln und einander unterstützen und helfen”, sagt Web Summit-Gründer Paddy Cosgrove bei seiner Eröffnungsrede.