B2B 05.03.2013

"Wir haben das Recht geheim zu telefonieren"

© Bild: blackberry

Seit der Bekanntgabe, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bald auf einen abhörsicheren Blackberry Z10 umsteigen könnte, steht das kleine Düsseldorfer Unternehmen Secusmart einmal mehr im Rampenlicht. Secusmart zeichnet für die Abhörsicherheit und Datenverschlüsselung auf dem Gerät verantwortlich. Die futurezone hat mit Secusmart-Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle auf der CeBIT gesprochen.

Die Secusmart-Lösung für Blackberry 10 ist neben einer T-Systems-Lösung für Samsung-Geräte einer der zwei Ausschreibungsgewinner der deutschen Bundesregierung, die in Zukunft für sichere Kommunikation in Ministerien, Behörden, und nicht zuletzt im deutschen Kanzleramt sorgen sollen. Schon 2009 hatte das erst 2007 gegründete Unternehmen eine Ausschreibung gewonnen und zeichnete bisher für das Bereitstellen eines Geräts für abhörsichere Telefonie verantwortlich.

Unterschiedliche Anforderungen
Während die auf Symbian-Telefone aufbauende Secusmart-Lösung ausschließlich Sprachtelefonie verschlüsselte, stellte T-Systems bislang die Lösung bzw. die Geräte für sichere E-Mail-Kommunikation. "Dadurch entstand die absurde Situation, dass Behördenmitarbeiter quasi mit drei Geräten hantieren mussten - eines für die abhörsichere Telefonie, eines für die sichere E-Mail-Kommunikation und ein drittes für die normale Smartphone-Nutzung", erklärt Quelle im futurezone-Gespräch. Mit der

vereine man nun alle Funktionen in einem Gerät.
Secusmart-Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle
© Bild: Secusmart

"Auf einem Gerät Sprachtelefonie und E-Mail-Verkehr sicher zu gestalten, ist deshalb so schwierig, da die Anforderungen dafür grundverschieden sind. Bei der Sprache brauche ich eine Verschlüsselung und Schlüsselauslieferung, die in Echtzeit abläuft. Wenn die Gesprächspartner nach jedem Satz ein paar Sekunden warten müssen, ist die Lösung unbrauchbar. Bei E-Mails ist wiederum die sichere Langzeit-Speicherung auf dem Gerät das Problem. Wie kann man sicherstellen, dass mehrere Gigabyte an sensiblen Informationen nicht entschlüsselbar sind, selbst wenn ein fremder Geheimdienst das Gerät in die Finger bekommt", sagt Quelle.

128-Bit-Verschlüsselung
Um die Übertragung von Sprachdaten und SMS abzusichern, setzt Secusmart auf eine 128-Bit-AES-Verschlüsselung (Advanced Encryption Standard), die unter anderem auch von der NATO verwendet wird. Die Verschlüsselung passiert über eine Micro-SD-Karte, die in jedem Blackberry-10-Gerät verwendet werden kann. Secusmart profitiert dabei von der neuen Funktion Blackberry Balance, die im neuen Betriebssystem Blackberry 10 zwei unterschiedliche Umgebungen vorsieht - zum einen den persönlichen für Apps, YouTube, soziale Netzwerke etc., zum anderen einen geschäftlichen für E-Mails, sicheres Browsen und die Telefonie. Gesichert wird naturgemäß der geschäftliche Bereich.

Dass abhörsichere Smartphones nicht ganz zum Trend passen, dass Sicherheitsbehörden vermehrt mitlauschen und personenbezogene Daten auf Vorrat gespeichert werden müssen, gibt auch Secusmart-Gründer Quelle zu. "Natürlich gibt es da Interessenskonflikte. Andererseits: Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem wir immer noch das Recht auf Geheimnisse, auf das geheime Telefonieren haben", meint Quelle auf Nachfrage der futurezone.

REUTERSA woman holds a BlackBerry Z10 smartphone featuring high security Secusite software, used for governmental communication, at the booth of Secusmart during preparations at the CeBit computer fair in Hanover, March, 4, 2013. The biggest fair of its k
© Bild: blackberry

Kein Widerspruch zur Vorratsdatenspeicherung
Als Widerspruch zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung sieht Quelle das abhörsichere Telefon aber nicht: "Wir verschleiern ja nicht, wer mit wem von wo nach wo telefoniert. Diese sogenannten Call Records können ja erhoben werden, was die Lösung wiederum für organisierte Kriminelle wenig attraktiv machen." Gleichzeitig sei im Gesetz aber nicht festgelegt, dass die Gesprächsdaten unverschlüsselt übertragen werden müssen. So würden die Gesprächsinhalte auf jeden Fall geheim bleiben, selbst wenn die Daten angefordert und übermittelt werden.

Angesichts steigender Wirtschaftsspionage und dem generellen Bedürfnis nach mehr Sicherheit, sieht Secusmart neben Regierungen und Behörden auch Großunternehmen und Wirtschaftstreibende als Zielgruppe. Die einmaligen Kosten von 2500 Euro für den umgerüsteten

dürfte Quelle zufolge keine Hürde darstellen. "Wenn ich börsenrelevante Informationen schützen will, sind 2500 Euro eine vernachlässigbare Summe. Viele Top-Manager haben durch ihre globale Tätigkeit zudem Telefonkosten von mehreren Tausend Euro im Monat. Auch dagegen fällt der Betrag für die Secusmart-Lösung kaum ins Gewicht", so Quelle.

Auch für Massenmarkt interessant
Während das Düsseldorfer Unternehmen in seinem Nischen-Kerngeschäft zumindest eine Kundenzahl im fünfstelligen Bereich anstrebt, könnte die Technologie über entsprechende Kooperationen auch im Massenmarkt Einzug halten. So kündigte etwa auf der CeBIT der Mobilfunker Vodafone eine "Secure SIM" für Unternehmen an, die abhörsichere Telefonie und Verschlüsselung von E-Mail- und SMS-Verkehr verspricht. Dabei wird die SIM-Karte zum Verschlüsselungstool umfunktioniert. Ob Vodafone-Partner A1 die Lösung auch in Österreich anbieten wird, steht derzeit noch nicht fest.

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Erstellt am 05.03.2013