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Handys ZTE testet neuen Mobilfunkstandard 5G in Österreich.

Mit 5G sollen auch die Sendestationen kleiner und flexibler werden
Mit 5G sollen auch die Sendestationen kleiner und flexibler werden - Foto: dpa/Carsten Rehder
Der Netzwerkausrüster ZTE will noch heuer den neuen Mobilfunkstandard 5G in Österreich testen. Der LTE-Nachfolger soll Datenraten von bis zu 10 Gbps ermöglichen.

“Wir wollen 5G nach Österreich bringen”, so ZTE-Österreich-CEO Alexander Schuster im Gespräch mit der futurezone. Noch in diesem Jahr sollen erste Tests stattfinden, im Rahmen dessen auch Endverbraucher die Möglichkeit haben werden, den LTE-Nachfolger selbst zu erleben. An den Details wird derzeit noch gearbeitet. Das chinesische Unternehmen ist für einen großen Teil der Handynetzinfrastruktur in Österreich verantwortlich.

Derzeit wird 5G bereits in China großflächig in mehreren Provinzen vom chinesischen Mobilfunker China Mobile getestet. Die Next Generation Mobile Networks (NGMN) Alliance, ein Zusammenschluss mehrerer Mobilfunkfirmen, die für den neuen Standard verantwortlich sind, schätzt, dass 5G ab 2020 den Massenmarkt erreichen wird. Wann genau 5G dann auch bei den Mobilfunkern in Österreich eingesetzt wird, hängt aber von den Betreibern ab.

Massiv gesteigerte Datenraten

5G ist die kommende Generation des Mobilfunks und soll unter anderem, gestiegene Datenraten von bis zu 10 Gbps liefern, also ein Vielfaches dessen, was heute mit 4G möglich ist. In Zukunft werden derartig hohe Datenraten gefragt sein, ist sich Schuster sicher: “Der Datenverbrauch in Österreich entwickelt sich rasend schnell. Themen wie die Cloud werden immer stärker und immer mehr Leute nutzen es.” Auch datenintensive Dienste wie Netflix werden für immer größere Bevölkerungsschichten ein Thema.

“Wenn statt sieben Leute in der Umgebung plötzlich Hunderte Nutzer Videos auf ihr Handy laden, komme ich mit 3G und LTE nicht mehr aus”, so Schuster. Dass die steigenden Datenraten in Zukunft durch effizientere Komprimierung gänzlich abgefangen werden, glaubt Schuster nicht: “Kompressionsverfahren werden zwar immer besser, aber Kompression bedeutet gleichzeitig auch immer Qualitätsverlust. Wenn die Technik existiert, um die Inhalte auch kompressionsfrei liefern zu können, warum sollte man sie nicht nutzen?”

Auch Online-Gaming ist laut Schuster ein treibender Faktor beim Breitbandausbau. “Spiele, die früher nur einige wenige MB hatten, haben heute Hunderte oder noch mehr. Dieses Wachstum wird sich fortsetzen, was ein Mitgrund dafür ist, wieso die Bandbreiten wachsen müssen."

Internet of Things und Augmented Reality

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Verbreitung  wird das Internet der Dinge sein, für das 5G oft als Schlüsselfaktor gesehen wird. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner wird sich die Zahl der ans Internet angebundenen Geräte bis 2020 verfünffachen, von fünf Milliarden heute auf 25 Milliarden bis 2020. Bereits heute ist diese Entwicklung auch in der Praxis absehbar. Städte wie Paris haben bereits hunderte Sensoren im Einsatz, die Straßenbeleuchtung oder Verkehr beobachten und Informationen an eine zentrale Stelle senden, wo sie zur Stadtplanung aufbereitet werden.

Auch wenn die Geräte einzeln betrachtet nur wenig Daten verbrauchen, summiert sich die Menge an zu transportierenden Informationen. “Es geht bei 5G nicht darum, das ein User 450 Mbit saugen kann, es geht darum, dass möglichst viele Geräte und Apps gleichzeitig laufen können”, so Schuster.

Auch für den Fall, dass Augmented Reality in Zukunft noch ein wichtigerer Faktor wird, sind schnellere mobile Internetverbindungen notwendig, um Informationen zeitnah in das Blickfeld des Anwenders bringen zu können.

Mehr Effizienz

Abgesehen von der Geschwindigkeit ist 5G auch ein Effizienzthema, wie Schuster weiter erklärt. “Der neue Standard ist stark auf effiziente Lösungen ausgerichtet, da geht es um Platz, Energiesparen und Ressourcen.” Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass bestehende LTE-Infrastruktur auch für den neuen Standard weiterverwendet werden kann.

In Zukunft sei es auch möglich bei Basisstationen 128 Antennen auf dem Platz von acht einzusetzen. Antennen, Basisstationseinheiten und Funkfrequenzen können mit der neuen, von ZTE entwickelten Technologie, in ein Modul installiert werden. Dadurch benötigt die MIMO (Multiple Input Multiple Output) Basisstation nur ein Drittel des Installationsplatzes von herkömmlichen Systemen und senkt damit die Betriebskosten und die Gesamtbetriebskosten der Betreiber.

Das bedeutet, die Basisstationen sind einfacher zu errichten und, falls notwendig, auch einfacher zu transportieren. Denkbar wären etwa Großveranstaltungen, wo temporär Stationen errichtet werden müssen, um den Service aufrecht zu erhalten.

Leistungsstarkes Backbone in Österreich gefordert

Damit 5G in Österreich großflächig ausgebaut werden kann, muss die Breitbandinfrastruktur ausgebaut werden: “Wir brauchen ein leistungsstarkes Breitband-Backbone, das sich durch ganz Österreich erstreckt”, so Schuster. “Wir müssen über die Datenautobahnen nachdenken und die Kapazitäten massiv erhöhen.”  Um dies zu erreichen, wünscht sich Schuster einen verstärkten Dialog aller Beteiligten, sprich Politik, Netzbetreiber und Lieferanten: “Ich würde mich über eine sachliche Diskussion freuen. Wir müssen Lösungen finden, um den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken.”

(futurezone) Erstellt am 13.03.2015, 06:00

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