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Elektromobilität Ankaufförderung und Nummerntafeln für E-Autos kommen.

Elektroautos werden ab 2017 von Bund und Automobilindustrie aktiv gefördert
Elektroautos werden ab 2017 von Bund und Automobilindustrie aktiv gefördert - Foto: Petair - Fotolia/Petair/Fotolia
Automobilimporteure, Umwelt- und Verkehrsministerium verkünden ein 72 Millionen Euro Paket zur Förderung der Elektromobilität in Österreich.

Mit einem neuen "Aktionspaket", das finanzielle und rechtliche Maßnahmen enthält, soll die Elektromobilität in Österreich massiv gefördert werden. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) sowie das Bundesministerium für ein lebenswertes Österreich (BMLFUW) wollen gemeinsam mit Automobilimporteuren eine 72 Millionen Euro Förderung für den Ankauf von Elektrofahrzeugen und Ladeinfrastruktur an Privatpersonen, Unternehmen und Gebietskörperschaften ausschütten.

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Andrä Rupprechter, Günther Kerle und Jörg Leichtfried im Technischen Museum Wien - Foto: David Kotrba

Privatpersonen sollen etwa bis zu 4000 Euro für ein vollelektrisches Auto oder bis zu 1500 Euro für ein Plug-in-Hybridfahrzeug erhalten. Außerdem sollen Elektrofahrzeuge künftig eigene Nummerntafeln mit grüner Schrift erhalten und von speziellen Vorteilen, etwa Befreiung von Parkgebühren, profitieren.

Gedrittelte Fördersumme

"Wir sind nicht nur gleich angezogen, wir ticken auch gleich", meint Minister Jörg Leichtfried (BMVIT) zum gemeinsamen Vorgehen mit seinem Ministerkollegen Andrä Rupprechter (BMLFUW) und den österreichischen Automobilimporteuren, die bei der Pressekonferenz im Technischen Museum Wien von Sprecher Günther Kerle vertreten werden. Leichtfried sieht das "Zeitalter der Elektroautos" gekommen. "Die Reichweiten werden immer höher, die Preise niedriger und Elektroautos sehen heute deutlich cooler aus als in der Vergangenheit." Mit dem 72-Millionen-Euro-Paket mache mach Österreich "elektrofit".

Alle drei Projektpartner haben jeweils 24 Millionen Euro beigesteuert. Dreifaltig seien auch die im Aktionspaket enthaltenen Absichten: Mehr Elektrofahrzeug-Anteil im Straßenverkehr, mehr Lademöglichkeiten und passende rechtliche Rahmenbedingungen. Mit Hilfe des Aktionspakets sollen bis 2018 rund 16.000 zusätzliche Elektrofahrzeuge auf Österreichs Straßen gebracht werden.

Ankaufförderung für PKW

Die Beantragung einer Ankaufförderung für Elektrofahrzeuge ist für Neuwagenkäufe ab dem 1. Jänner 2017 möglich. Anträge dafür können ab März über eine eigene Webseite eingereicht werden und gelten für Käufe ab 1.1.2017 rückwirkend. Privatpersonen erhalten 4000 Euro für vollelektrische PKW oder Autos mit Brennstoffzelle. Mitsamt steuerlicher Vorteile erreiche die Förderung 4300 Euro, betonen die Aktionspaket-Partner. Für Plug-In-Hybride gibt es 1500 Euro Förderung für Privatpersonen.

Voraussetzung ist, dass der Neuwagen in der Basisversion nicht mehr als 50.000 Euro kostet, mindestens 40 Kilometer rein elektrische Reichweite aufweist und der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern stammt. Um letzteres nachzuweisen ist die Vorlage eines Grünstrom-Liefervertrages notwendig. Plug-In-Hybride mit Diesel-Zusatzmotor (Range Extender) sind von der Förderung ausgeschlossen. Sie seien aber ohnehin nicht stark verbreitet, meint Günther Kerle. Unternehmen und Gebietskörperschaften erhalten 3000 Euro für ein vollelektrisches und 1500 Euro für ein Plug-In-Hybrid-Fahrzeug.

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Durchrechnung des Kaufpreises für einen neuen Renault Zoe mit dem neuen Fördermodell - Foto: Renault Österreich

Sonstige Ankaufförderungen

Gefördert wird nicht nur der Ankauf von Elektroautos, sondern auch von anderen Elektrofahrzeugen. Beim Kauf eines neuen E-Motorrads oder E-Mopeds erhält man 375 Euro. Für Fahrzeuge der Klassen M2 oder N1 mit einem Gewicht zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen erhalten Unternehmen, Gebietskörperschaften oder Vereine bis zu 20.000 Euro. Für E-Busse kommen bis zu 60.000 Euro Förderung in Frage. Auch bei diesen Fahrzeugen muss der Strom aus erneuerbaren Energieträgern stammen.

Ladeinfrastruktur

Bei der Ladeinfrastruktur sieht das Aktionspaket die Förderung privater und öffentlicher Einrichtungen vor. Pro privater Ladestation mit bis zu 22 Kilowatt Leistung, auch als "Wallbox" bekannt, sollen 200 Euro vergeben werden. Öffentlich fokussiert sich das Paket auf die Förderung von Schnellladestationen mit Abgabeleistungen ab 43 kW (Wechselstrom) bzw. 50 kW (Gleichstrom). Bis Ende 2018 sieht das BMVIT eine flächendeckende Ladeinfrastruktur im ganzen Land vor. Autobahnbetreiber ASFINAG und die ÖBB werden ihren Teil dazu beitragen.

Rahmenbedingungen

Mit neuen Nummerntafeln sollen Elektroautos künftig eindeutig und unkompliziert erkennbar sein. Die neuen Kennzeichen sollen eine grüne Schrift auf weißem Hintergrund aufweisen und ab April 2017 verfügbar sein. Mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung soll es möglich sein, Elektrofahrzeugbesitzern spezielle Vorteile zu gewähren. Verkehrsminister Leichtfried sieht etwa die Befreiung von Parkgebühren, die Einführung reservierter Parkmöglichkeiten, die Nutzung von Busspuren oder spezielle Zufahrtsberechtigungen an Möglichkeiten.

Ein eigener Verkehrsschildzusatz, der einen Stromstecker mit Kabel zeigt, soll als eindeutig erkennbarer Hinweis auf solche Privilegien eingeführt werden. Ein weiteres rechtliches Vorhaben ist die Ausweitung der Berechtigungen der Führerscheinklasse B für elektrische Kleintransporter. Diese dürften in Zukunft bis zu 4,25 Tonnen (statt 3,5 Tonnen) schwer sein. Damit soll der Nachteil eines höheren Eigengewichts durch schwere Akkus ausgeglichen werden.

Fazit

Mit dem Aktionspaket wird nun erstmals eine bundesweite aktive Förderung der Elektromobilität eingeführt. Bisher konnten Interessenten in Österreich lediglich von steuerlichen Vergünstigungen profitieren. Wie Umweltminister Andrä Rupprechter bei der Pressekonferenz in Wien betonte, steigt die Verbreitung von Elektroautos im Lande rasant. Alleine von Jänner bis September 2016 seien 3000 neue Elektrofahrzeuge zugelassen worden. Gemessen an allen Fahrzeug-Neuzulassungen (zuletzt 320.000 pro Jahr) befinde sich Österreich damit EU-weit an der Spitze: "In Europa liegen nur Norwegen und Island vor uns."

In Deutschland gibt es bereits ein ähnliches Fördermodell für Elektrofahrzeuge. Im Nachbarland werden 4000 Euro für vollelektrische und 3000 Euro für Plug-In-Hybridfahrzeuge vergeben. Die Schweiz hat bisher kein bundesweites Förderprogramm eingeführt. Neben Steuervorteilen gibt es kantonspezifische Fördermodelle.

(futurezone) Erstellt am 23.11.2016, 10:49

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