Digital Life
14.03.2014

Apple-Gründer Steve Wozniak: "Snowden ist ein Held"

Steve Wozniak hat sich auf der Cebit Fragen zu seinen politischen Ansichten, dem Zustand des Internets und natürlich Apple gestellt. Die futurezone hat zugehört.

“Ich habe kein richtiges Breitband zu Hause”, bekennt Tech-Legende Steve Wozniak zu Beginn des Gesprächs mit dem Cebit-Moderator offen. So wichtig wie früher sei ihm die schnellstmögliche Verbindung zum Netz heute längst nicht mehr, so der Apple-Mitbegründer, und die neusten Apps und aktuellsten Smartphones interessieren ihn auch nicht sonderlich. “Der Bildschirm meines MacBook-Pros funktioniert für mich noch immer besser als der meines iPhones”, so Wozniak.

Apple ist noch cool

Er liebe es nach wie vor, neue technische Entwicklungen zu kaufen, um damit zu spielen, dabei handle es sich auch oft um Geräte, die nicht zur Apple-Plattform gehören oder auch kleine Entwicklungen, die interessante Technologie beinhalten, wie etwa neuartige Beamer, so der begeisterte Bastler. Auf die Frage, ob er Apple noch cool finde, antwortet Wozniak mit einem klaren Ja: “ Apple war immer Innovator, egal ob bei USB, Firewire oder iPhone. Alle schauen nach wie vor auf Apple, wenn es darum geht, was das nächste große Ding werden könnte”, so der von Fans liebevoll “Woz” genannte ehemalige Apple-Ingenieur.

Zurufern von außen, die kürzlich die Absetzung von Tim Cook als CEO bei Apple gefordert haben, weil das Unternehmen seit 2012 ein Viertel seines Wertes eingebüßt hat, rät Wozniak zur Geduld. “ Tim Cook ist noch nicht lange genug dabei, um ein Urteil über ihn zu fällen. Auch Steve Jobs hat am Beginn nicht gleich Erfolg gehabt. Cook ist ein penibler Tüftler. Ich kenne ihn persönlich nicht so gut, aber ich glaube, man muss ihm noch Zeit geben.”

Wozniak empfiehlt Konkurrenz-Produkte

Mitverantwortlich für die Apple-Verluste ist auch die wachsende Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt. “Ich empfehle Freunden je nach Anforderungen auch manchmal Konkurrenzprodukte. Apple muss sich weiterentwickeln, um Erfolg zu haben”, so der Erfinder des ersten Apple-Rechners. Der Druck auf Apple, neue Entwicklungen zu machen wächst deshalb stetig. “Vor allem in der Tech-Branche sind die Erwartungen an das Unternehmen zu hoch. Viele Leute erwarten jedes Jahr ein neues Produkt vom Rang eines iPhones oder Tablets, dabei passiert so etwas eben nur alle zehn Jahre einmal”, erklärt Wozniak.

Um Apple macht sich Wozniak aber keine Sorgen, derzeit beschäftigen ihn eher die Enthüllungen über die Überwachungsprogramme der NSA. “Heute brauchen User Schutz, niemand weiß mehr, was Firmen und Regierungen in den Geräten verstecken, die wir heute nutzen. Früher war das einfacher, ein Gerät erfüllte einen Zweck, das konnte ein User überblicken”, sagt der bärtige Informatik-Veteran. Eine digitale Grundrechtecharta, wie sie von Tim Berners-Lee, dem Vater des Internets, vorgeschlagen wurde, wäre laut Wozniak ein guter Anfang.

Verschlüsselung für alle

Den Hard- und Software-Firmen sei jedenfalls nicht zu trauen. “Ich weiß auch nicht, ob Apple vertrauenswürdig ist, keiner kann das sagen. Ob die von der NSA genutzten Hintertüren absichtlich oder durch Fehler entstanden sind, kann nur geraten werden”, muss selbst der Anteilseigner von Apple eingestehen. Eine Lösung wäre es, wenn Firmen wie Microsoft oder Apple Verschlüsselungstechnologie von Grund auf in ihre Systeme integrieren würden. “Darauf warte ich schon 15 Jahre lang, das wollen die Unternehmen aber scheinbar nicht. So bleibt der Durchschnittsuser den Starken und Mächtigen ausgeliefert”, so Wozniak.

Die EU sei den USA hier mit ihren Bestrebungen für eine gesetzliche Regelung voraus, so der US-Bürger. “Ich wünschte, die USA würden die EU hier kopieren, und digitale Grundrechte sichern. Heute ist leider alles im Netz öffenlich, das hätten wir uns damals nie erträumt, als wir mit Apple angefangen haben.” Bereuen tue er aber nichts, so Wozniak, es brauche aber einiges an Arbeit, um die Dinge wieder geradezubiegen. Die Politik habe leider meist keine Lösungen parat und blockiere eher positive Entwicklungen. “Snowden ist ein Held für mich. Ich glaube fest an die Freiheit und Snowden hat sein Leben aufgegeben, um sie zu schützen. Hier wurde die Verfassung verletzt und er ist aufgestanden, um das anzuprangern”, sagt Wozniak.

Die Zustände, die Snowden zu seinen Veröffentlichungen getrieben haben, stehen allem entgegen, für das die Gründer der Computerrevolution eingetreten sind. “Das Internet stand in seinen Anfängen für Freiheit. Jetzt ist es im Besitz von Partikularinteressen und wird überwacht. Der Zugang zu einem freien Internet sollte zu den Grundrechten jedes Menschen gehören”, kritisiert der Woz. Als einen Kämpfer für ein freies Internet sieht sich der Tüftler aber nicht. “Ich habe keine Mission, sondern versuche, Spaß am Leben zu haben.”