Digital Life
26.07.2018

Assassination Markets: Mit Kryptogeld auf Auftragsmorde wetten

Ein durch Cypherpunk geprägtes Prinzip findet seinen Weg in die Realität. Auch auf den Tod des Amazon-Chefs und von Donald Trump wird gewettet.

Die Non-Profit-Organisation Forecast Foundation will mit dem Krypto-Markt Augur die großen Fragen voraussagen, die die Welt bewegen. Möglich soll das dadurch sein, dass die Mitglieder der Plattform mit Kryptowährungen auf Ereignisse wetten. Der mögliche Gewinn orientiert sich an der Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis eintritt. Durch das Volumen an Wetten soll eine Schwarmintelligenz sichtbar werden, mit der man die Ereignisse vorhersehen könne. Mit ihrem Prinzip ist die Organisation auch bereits beim Wiener Start-up-Festival Pioneers aufgetreten.

Vor kurzem ist das Augur-Protokoll, das auf der Kryptowährung Ethereum basiert, nun gestartet. Seitdem existieren dort unter der Bezeichnung „Assassination Market“ mehrere Wetten darauf, wann bestimmte Personen des öffentlichen Lebens sterben werden. Laut einem Bericht bei Vice Motherboard kann unter anderem darauf gewettet werden, wann Betty White, Donald Trump, Jeff Bezos und Warren Buffett der Tod ereilt. Am häufigsten wurde auf das Ableben von Trump gewettet.

Die Bezeichnung Assassination Market rührt daher, da man bei den entsprechenden Wetten davon ausgehen muss, dass jemand das Ableben einer bestimmten Person in die eigene Hand nimmt, nachdem er eine hohe Summe auf den entsprechenden Zeitpunkt gewettet hat.

Cypherpunk

Der Begriff „Assassination Market“ kursiert bereits seit vielen Jahren durch das Internet und wurde durch die Cypherpunk-Szene etabliert. Eine der ersten Erwähnungen findet sich im sogenannten Cyphernomicon. Das Konzept wurde auch vom Krypto-Anarchisten Jim Bell geprägt, der das Paper „Assassination Politics“ verfasste.

Augur selbst äußerst sich auf Motherboard-Anfrage nur insofern dazu, als dass man die Vorgänge auf der Plattform weder kontrollieren noch moderieren könne. In diesem Zusammenhang wird auch auf die entsprechenden FAQs verwiesen.

Zum aktuellen Zeitpunkt hält sich das Volumen an Wetten auf bestimmte Todesfälle noch in Grenzen. Es ist also aktuell noch unwahrscheinlich, dass damit tatsächlich ein Mordanschlag initiiert wird.

Vorgänger

Es ist nicht der erste Assassination Market auf Kryptowährungs-Basis. Bereits 2013 hat ein Nutzer mit dem Pseudonym Kuwabatake Sanjuro im Tor-Netzwerk eine sehr ähnliche Plattform gestartet. Damals waren sechs Zielpersonen identifiziert, wie Forbes berichtete.

Für den Mord an dem damaligen NSA-Direktor Keith Alexander waren zehn Bitcoins ausgelegt, für die Ermordung von US-Präsident Barack Obama gab es 40 Bitcoins. Die größte Prämie mit 124 Bitcoin war für den damaligen Notenbankchef Ben Bernanke ausgelegt. Die Position ist ein Feindbild für viele Bitcoin-Verfechter, die das klassische Bankensystem ablehnen.