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Becken-Überwachung
08/25/2011

Badeunfälle: Computer hilft Leben retten

An heißen Tagen wie diesen treibt es Tausende Österreicher in die Bäder und an die Seen. Doch nicht jeder schätzt seine Schwimmkenntnisse richtig ein. In den letzten Tagen kam es gehäuft zu Badeunfällen. Mit computergestützten Systemen könnte man Ertrinkende rechtzeitig erkennen, doch derartige Systeme kommen in Österreich bisher nicht zum Einsatz.

von Barbara Wimmer

Nach der Rückkehr des Sommers in Österreich nutzen viele Menschen die Gelegenheit, sich im Wasser abzukühlen. Doch nicht selten überschätzen sie dabei ihre eigenen Fähigkeiten. Laut einer Statistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ertrinken in Österreich jährlich 84 Menschen. 150 Kinder müssen zudem pro Jahr im Schnitt vor dem Ertrinken gerettet werden. Sie sind besonders gefährdet.

Computergesteuerte Systeme könnten die Gefahr des Ertrinkens minimieren und die Sicherheit der Badegäste erhöhen. So schlägt das System des französischen Herstellers Poseidon Alarm, wenn eine Person mehr als zehn Sekunden regungslos unter Wasser treibt. "Die Zeit ist dabei flexibel einstellbar, auch 15 oder 20 Sekunden Spannweite sind möglich", erklärt Christoph Jacob von der deutschen Firma Apiwaterfun, die Poseidon in Österreich vertreiben möchte, gegenüber der futurezone.

Überwachung per Kameras
Der Bademeister sieht auf einem Monitor sofort die genaue Stelle im Becken, an der der Ertrinkende unter Wasser treibt. Ein Netzwerk von hochauflösenden Unter- und Überwasserkameras überwacht dabei permanent das Treiben im Wasser. Die Kameras sind dabei mit einem Zentralrechner verbunden, dessen patentierte Software die Aufnahmen in Echtzeit analysiert.

"Bisher konnten damit 19 Menschenleben weltweit gerettet werden", sagt Jacob. Das System ist bereits in mehr als 200 Schwimmbädern in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz im Einsatz. In Österreich setzt man bisher allerdings noch auf den "geschulten Bademeister" statt der computergesteuerten Technik.

Ausgebildetes Personal statt PC
"Wir haben uns dieses System angeschaut, aber ich halte die Technik noch nicht für effizient genug", so der Wiener Bäder-Chef Hubert Teubenbacher gegenüber der futurezone. "Wir setzen in Wien auf ausgebildetes Personal, das auch Reinigungsarbeiten erledigen kann. Das ist mit einem Computer nicht möglich. Die Badeaufsicht kennt außerdem ihre Becken und weiß, wie sich die Leute beim Baden verhalten", begründet Teubenbacher.

"Unser System will die Badeaufsicht nicht ersetzen, schließlich muss ja ein Mensch den Ertrinkenden retten. Es unterstützt die Badeaufsicht nur in vielen Situationen. Oft gibt es Lichtspiegelungen am Wasser, oder der Bademeister ist gerade mit etwas Anderem beschäftigt", versucht Jacob die Argumente des Bäder-Chefs zu entkräftigen.

Lückenlose Überwachung schwierig
Tatsächlich ist es für einen Bademeister allein nicht immer möglich, alles lückenlos zu überwachen. "Vor allem, wenn das Gänsehäufel gesteckt voll ist", so der Wiener Bäder-Chef über eines der größten Strandbäder Österreichs. Doch in solch einer Situation ist es auch für das Computersystem schwierig.

"Unterwasserkameras werden oft durch im Wasser herumstehende Personen verdeckt. Daher arbeiten wir in seichten Becken nun mit Überwasserkameras, die an Masten installiert werden", erzählt Jacob. Freilich hat das System auch seine Grenzen: Es funktioniert nur in Schwimmbecken, nicht in fließenden Gewässern oder Seen. "Die Fläche ist zu groß und oft ist auch das Wasser zu trüb", meint Jacob.

Bad "kein Hochsicherheitstrakt"
Fehlalarme kommen etwa einmal pro Tag vor, so Jacob. "Das sehen wir aber positiv, weil dadurch die Badeaufsicht aufmerksam bleibt", so Jacob. Neben dem System von Poseidon gibt es freilich noch andere Sicherheitstechnologien, wie etwa die Überwachung der Badegäste mit Armbändern. Auch davon hält der Wiener Bäder-Chef nichts:"Wir sind in einem Bad, nicht in einem Hochsicherheitstrakt."

Freilich ist es sicherlich nicht jedem Schwimmer Recht unter Wasser überwacht zu werden. Der Bademeister hat aber beim Einsatz des Systems prinzipiell die Freiheit, sich einzelne Becken am Monitor genauer anzusehen. Bei Poseidon halte man sich bezüglich des Datenschutzes an die Anforderungen der einzelnen Länder, so Jacob. "Man kann mit den Behörden festlegen, ob die Echtzeit-Daten gar nicht, oder nur wenige Tage gespeichert werden sollen."

Hohe Kosten
Der Einsatz der neuen Techniken ist freilich auch eine Budgetfrage. So kostet die Installation des Poseidon-Systems für ein Standard-Becken im Hallenbad mit 25 x 12,5 Meter Durchmesser rund 60.000 bis 80.000 Euro. "Bei weiteren Becken fallen nur noch die Kosten für die Kameras an und der Preis steigt nur geringfügig", erklärt Jacob. In Österreich will man - trotz EU-Empfehlung - weiter abwarten. "Man sollte nicht nur einem Computer Vertrauen schenken, wer Hilfe braucht und wer nicht", meint Teubenbacher.