Digital Life
03.08.2016

Bus auf Stelzen aus China fährt über Staus hinweg

Auf ein Konzept folgt das erste 1:1-Modell des Transit Elevated Bus, der über Autos auf der Straße hinweg fährt. Der Stelzenbus wird nun in der Stadt Qinhuangdao getestet.

Im Mai sorgte ein Verkehrskonzept aus China weltweit für Staunen und Schmunzeln, bei dem sich ein Bus auf Stelzen über die tägliche Realität verstopfter Straßen hinwegsetzt. Nun wurde das erste echte Exemplar des "Transit Elevated Bus" (TEB) vorgestellt. Das Gefährt ist 22 Meter lang, 7,8 Meter breit und 4,8 Meter hoch. Unter dem Fahrzeug bleibt Platz für zwei Fahrspuren und bis zu zwei Meter hohe Fahrzeuge. Die Unterseite des TEB ist wie ein Tunnel mit Deckenbeleuchtung ausgestattet.

Elektroantrieb und 16 Räder

Der TEB fährt auf 16 Rädern, dazu kommen acht Führungsräder, die mit Leitschienen in Kontakt stehen und den TEB auf Spur halten. Das Fahrzeug wird mit Elektromotoren angetrieben und erreicht maximal zwischen 40 und 50 km/h. Im Inneren soll Platz für 300 Passagiere sein.

In künftigen Versionen können womöglich mehrere Module zusammengekoppelt werden und weit mehr Passagiere befördern. Der breite Innenraum weist Sitzbänke entlang der Seitenfenster, Sitzinseln um dickere Stützstreben und jede Menge Stangen zum Anhalten auf. Der Zustieg erfolgt über erhöhte Plattformen am Straßenrand.

Testgelände

Derzeit wird der Bus auf Stelzen in der chinesischen Stadt Qinhuangdao auf einem geschlossenen Gelände getestet, berichten TechCrunch, Engadget und Gizmodo. Die Teststrecke ist derzeit nur 300 Meter lang. Kurven, Kreuzungen und Ampeln kommen darauf noch nicht vor. Noch geht es allerdings um grundsätzlichere Dinge wie Bremstests und eine Analyse des Stromverbrauchs.

Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua hat der Stelzenbus bereits großes Interesse erfahren. Die Regierungen von Brasilien, Frankreich, Indien und Indonesien seien begeistert von der Vorstellung erhöht fahrender Busse.

Idee seit 2010

Die Idee eines Busses, der eine ganze Straße überspannt, existiert bereits seit mehreren Jahren. 2010 legte etwa ein Unternehmen aus Shenzhen ein erstes Konzept für dieses Fortbewegungsmittel vor: Den "3D Express Coach". Dieser Bus auf Stelzen war ursprünglich als für die verstopften Straßen von Shanghai gedacht. Eigene Busspuren sind dort aufgrund der oft engen Straßen keine Option.

Ein Verkehrsnetz aus Stelzenbussen sollte wesentlich günstiger als eine Alternative im Untergrund sein. Die Errichtungs- und Betriebkosten sollten nur ein Zehntel jener einer U-Bahn betragen. Der TEB, der aus dem Konzept für den 3D Express Coach hervorgeht, soll um rund 30 Millionen Yuan pro Stück (4,04 Millionen Euro) produziert werden.