Digital Life
25.03.2017

Car2Go: Erste Mercedes-Modelle kommen nach Ostern

Die ersten der 350 neuen Mercedes-Modelle von Car2Go kommen Ende April nach Wien. Was sich dadurch verändert, erfuhr die futurezone bei einer Probefahrt.

Zusätzlich zu 350 neuen Smarts wird Car2Go künftig 250 Mercedes A-Klasse, 50 Mercedes GLA und 50 Mercedes CLA nach Wien bringen. Die ersten Fahrzeuge, welche die bisher ausschließlich aus Smarts bestehende Carsharing-Flotte ergänzen sollen, werden kurz nach Ostern (16. April) in Wien eintreffen. Die restliche Flotte sollte bis Mitte Juni vervollständigt sein, meint Alexander Hovorka, der Geschäftsführer von Car2Go Österreich. Er hat die futurezone zu einer Probefahrt mit dem neuen A-Klasse-Mercedes von Car2Go eingeladen.

Neue Kunden

Die vergangenen Oktober angekündigten neuen Mercedes-Modelle werden es Car2Go-Kunden in Wien erstmals erlauben, mehr als einen zusätzlichen Passagier durch die Stadt zu chauffieren. Das Unternehmen erhofft sich dadurch weitere Kundengruppen zu gewinnen, meint Pressesprecher Daniel Hörer. "Im Moment sind zwei Drittel unserer Kunden Männer. Die meisten Kunden sind auch eher jünger." Durch die vier- bis fünfsitzigen Fahrzeuge will Car2Go verstärkt Kunden über 50 Jahren oder Geschäftsleute ansprechen, die in repräsentativen Autos zu einem Geschäftstermin fahren wollen.

Neue Preise

Alle neuen Mercedes-Modelle in der Flotte werden eine eher dezente Car2Go-Markierung aufweisen. Im Inneren wird man sich im Vergleich zum Smart an ein neues Cockpit gewöhnen müssen, allerdings unterscheidet sich dieses nicht zwischen A-Klasse, GLA und CLA. Das soll Kunden die Orientierung nach anfänglicher Eingewöhnung leichter machen. Die Tankkarte ist bei den neuen Fahrzeugen im Handschuhfach verstaut. Für die neuen Fahrzeuge gibt es auch neue Miettarife: Der Mercedes A-Klasse kommt auf 35 Cent pro Minute, CLA und GLA kosten 38 Cent pro Minute. Die Fahrt mit dem Smart wird weiterhin 31 Cent pro Minute kosten.

Wie in den Smarts wird es auch in den neuen Autos Ladekabel mit vier unterschiedlichen Anschlüssen für Smartphones geben. Das Kabel verbindet Smartphones auch per Apple CarPlay (in Zukunft auch Android Auto) mit dem Auto. Am zentralen Mittelkonsolen-Display kann man dann etwa am Smartphone gespeicherte Musik abrufen. Kindersitze - wie sie etwa in einigen Fahrzeugen des Konkurrenten DriveNow vorhanden sind - werden zu Beginn nicht an Bord sein. Das Unternehmen überlegt aber eine zukünftige Integration. Isofix-Halterungen werden bei allen neuen Modellen integriert sein.

Pakete in Arbeit

Mit den neuen Fahrzeugen will Car2Go auch längere Fahrten attraktiver machen, "etwa mit Gepäck zum Flughafen", meint Hovorka. Das Unternehmen arbeite auch an der Zusammenstellung von Paketen, etwa Stunden- oder Tagespaketen oder Paketen mit speziellen Kooperationspartnern. Bereits jetzt gibt es mehrere Zielorte, wo dank Kooperationen für Car2Go reservierte Parkplätze bereitstehen, etwa bei der Shopping City Süd, im Donauzentrum oder im Business Park Vienna.

Viel offenes Potenzial

Mit der Entwicklung des Geschäfts in Wien sei man hochzufrieden, sagt Hörer. Von 2015 bis 2016 sei die Kundenanzahl um 13 Prozent gestiegen. Car2Go wird in Wien derzeit von 120.000 Personen genutzt. Auch international verlaufe die Expansion erfolgreich. Car2Go betreibt Standorte in Europa, den USA und China. Das Wachstum im Ausland helfe auch dem Standort Wien, ist Hovorka überzeugt: "Geschäftsreisende aus dem Ausland, die in ihrer Heimat bereits Car2Go nutzen und nach Wien kommen, nutzen das Angebot auch hier." Laut Marktforschung soll sich der weltweite Carsharing-Markt bis 2025 verfünffachen.

Multimodalität

Der Wiener Markt halte im Allgemeinen noch viel Potenzial für Carsharing-Dienste bereit, meint Hovorka. Mit Konkurrenten pflege man daher ein freundschaftliches Verhältnis. Auch Taxiunternehmen hätten in Wien schnell gemerkt, dass Carsharing auch ihr Geschäft belebt. Viele Privatpersonen würden auf eigenen Autobesitz verzichten und so auch öfter Taxis benutzen. "Einer der häufigsten Anwendungsfälle ist, ein Carsharing-Auto zu nehmen, um sich am Abend mit Freunden zu treffen und danach mit dem Taxi heim zu fahren", sagt Hörer.

Ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr sei allerdings sehr wichtig für das Funktionieren von Carsharing, merkt Hörer an. "Unsere Kunden haben überdurchschnittlich oft Jahreskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel. Wir sehen uns als Ergänzung in diesem System." Das öffentliche Bewusstsein für multimodale Fortbewegung steige deutlich an.

E-Autos vorerst nicht in Wien

Die Einführung von Elektroautos in Wien ist für Car2Go weiterhin kein Thema. "An unseren Standorten verwenden wir entweder nur Elektroautos oder nur Autos mit konventionellen Antrieben. Eine Mischung kommt für uns nicht in Frage", meint Hörer. In Stuttgart sei die Car2Go-Flotte etwa seit 2012 vollelektrisch. In der Stadt habe der lokale Energieversorger eng mit Car2Go zusammengearbeitet und im öffentlichen Raum 350 Ladesäulen mit 700 Ladepunkten errichtet. Diese können auch von anderen Elektroautofahrern verwendet werden. Für den Energieversorger ist die Auslastung sichergestellt, für Car2Go die Kundenfreundlichkeit.

In Wien sei die Infrastruktur dagegen noch nicht reif, um eine vollelektrische Flotte zuzulassen, meint Hovorka. "Wir sind uns sicher, dass die Zukunft im Elektro-Carsharing liegt, aber da muss noch einiges verändert werden."