Digital Life
02.12.2011

Carrier IQ spioniert in Österreich nicht nach

Die umstrittene Software Carrier IQ, die Daten von Mobilfunk-Usern im Hintergrund aufzeichnen soll, kommt laut Mobilfunkbetreibern und Geräteherstellern in Österreich nicht zum Einsatz. Das bestätigten alle österreichischen Mobilfunker auf Anfrage der futurezone. Aber auch Sony Ericsson und HTC geben zumindest für Europa Entwarnung.

Während die Aufregung, aber auch die Verwirrung in den USA weiterhin groß ist, auf welchen Geräten Carrier IQ versteckt im Einsatz ist, sollen User in Österreich nicht betroffen sein. Alle Mobilfunkbetreiber versicherten der futurezone, dass Carrier IQ, aber auch jegliche andere vergleichbare Software nicht auf Geräten vorinstalliert werde.

Hersteller vs. Netzbetreiber
Ob Carrier IQ allerdings von Geräteherstellern bzw. in einer Firmware inkludiert sei, wollten die Betreiber ebenfalls nicht ausschließen. Man werde jedenfalls mit den Geräteherstellern Kontakt aufnehmen und Informationen über etwaig implementierte Anwendungen anfordern. T-Mobile wies in der Stellungnahme darauf hin, dass falls Daten erfasst würden, diese nicht von T-Mobile Austria gespeichert oder ausgewertet werden.

Auch die anderen Betreiber wollen die Gerätehersteller kontaktieren, versichern aber ihrerseits ebenfalls, dass man auf die Software bzw. die damit verbundenen Services nicht zugreife. Carrier IQ gibt an, etwaige Userdaten an Netzbetreiber weiterzugeben, um diesen eine effizientere Nutzung des Netzes zu ermöglichen. Laut eines Sicherheitsexperten sollen – etwa bei HTC-Smartphones mit Android – aber auch Tastatur-Eingaben, E-Mail- und SMS-Korrespondenz im Hintergrund aufgezeichnet werden.

Sony Ericsson und HTC bestreiten Software-Einsatz in Österreich

Bei den Geräteherstellern brennt angesichts erboster User-Rückmeldungen ebenfalls der Hut. Während Nokia schon gestern bestritt, Carrier IQ in seinen Geräten einzusetzen, stellte Sony Ericsson auf Anfrage der futurezone klar, dass die umstrittene Software auf Geräten in Österreich nicht zum Einsatz komme. Und auch HTC, auf dessen Smartphone die Machenschaften der Software in den USA entlarvt wurde, teilte der futurezone mit, dass „Geräte in der EMEA-Region nicht mit Carrier IQ ausgeliefert werden“.

Darüber hinaus betonte HTC, dass man kein Kunde oder Partner von Carrier IQ sei, der Einsatz der Software aber von einigen US-Mobilfunkanbietern gefordert werde. Fragen betreffend der gesammelten Daten möge man daher an die Mobilfunkanbieter und Carrier IQ stellen. Gleichzeitig gab HTC zu, dass die Software auf US-Geräten derzeit nicht deaktiviert werden könne. „Wir sprechen uns aber dafür aus, dass Nutzer ihre Zustimmung für die Applikation verweigern können und suchen nach einer geeigneten Möglichkeit diesbezüglich“, so HTC in einer Stellungnahme gegenüber der futurezone.

Deutschland: Datenschützer fragt Apple
In Deutschland fragte der zuständige bayerische Datenschützer Thomas Kranig mehr Informationen beim iPhone-Anbieter Apple an. Details zu der Anfrage wollte er zunächst nicht nennen. Er habe sie auf Grundlage der bisherigen US-Medienberichte formuliert. Apple hatte in den USA erklärt, auf dem iPhone seien bis zur Systemversion iOS 4 nur sehr eingeschränkt Daten erhoben worden, wenn sich das Gerät in einem Diagnosemodus befunden habe. Diese Funktion sei vom Kunden abschaltbar gewesen; ab dem neuen Betriebssystem iOS 5 werde der Dienst von Carrier IQ komplett nicht mehr unterstützt.

In den USA wurde inzwischen klarer, bei wem die Software zum Einsatz kommt. So räumten AT&T und Sprint ein, dass sie auf Dienste von Carrier IQ zurückgreifen. Der größte amerikanischen Mobilfunk-Betreiber Verizon Wireless hingegen ist kein Kunde.

Einflussreicher US-Senator verlangt Aufklärung
Der einflussreiche US-Senator Al Franken forderte Carrier IQ sowie Netzbetreiber und Handy-Hersteller auf, bis Mitte Dezember ausführliche Informationen vorzulegen. Unter anderem will der Vorsitzende des Unterausschusses für Datenschutz und Technologie wissen, ob tatsächlich gewählte Telefonnummern und SMS-Inhalte aufgezeichnet werden.

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