Digital Life
08.07.2014

"Cloud-Anwendungen sind meist nicht barrierefrei"

Web-Applikationen können von Personen mit besonderen Bedürfnissen oft nicht genutzt werden. Die Einhaltung von Mindeststandards könnte dies ändern.

Die IT-Welt ist für Menschen mit Einschränkungen wie ein Haus für Rollstuhlfahrer: Ohne Barrierefreiheit bleibt vieles unzugänglich und im Verborgenen. "Sind Software, Webanwendungen oder Websites nicht barrierefrei gestaltet, werden Menschen mit Behinderung vom Arbeitsleben, vom schulischen Alltag oder von eGovernment-Anwendungen ausgeschlossen und dadurch diskriminiert", sagt Mario Batusic, Accessibility-Experte bei Fabasoft im Rahmen seines Vortrags beim EuroCloud Brunch. Batusic weiß wovon er spricht. Denn er ist selbst blind und seit 2012 bei Fabasoft für den Bereich Accessibility verantwortlich.

Neue Barrieren

Wie Batusic erklärt, sind Desktop-Applikationen mittlerweile großteils ohne Barrieren gestaltet. So können sie meist vollständig per Tastatur bedient werden und verfügen über Schnittstellen, die die Kompatibilität mit alternativen Ausgabegeräten, beispielsweise einer Braillezeile, ermöglichen.

Allerdings steigen mit zunehmender Verbreitung von Cloud-Services auch die Barrieren für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die auf assistierende Technik, wie etwa Screenreader, Vergrößerungssysteme, Tastatur oder Spracheingabe angewiesen sind. "Durch den Vormarsch der Cloud häufen sich auch Browser-Anwendungen, die auf HTML5 und JavaScript basieren. Leider enthalten die meisten dieser Anwendungen semantiklose Tags und UI-Komponenten, wie Schalter, Strukturansichten oder Grids", so Batusic gegenüber der futurezone. Denn ohne entsprechender Semantik sind die Web-Anwendungen mit alternativen Ein- und Ausgabegeräten nicht kompatibel.

ARIA-Standard

Batusic plädiert daher an die Software-Entwickler, sich von Beginn an mit einer barrierefreien Programmierung auseinanderzusetzen. "Werden Anwendungen von Anfang an entsprechend gestaltet, hält sich der zusätzliche Aufwand in Grenzen." Um Web-Applikationen ohne Barrieren zu entwerfen, empfiehlt Batusic neben einer klaren Struktur des User Interfaces, genügend Kontrast und skalierbare Schriftgröße sowie alternativen Äquivalenten für mediale Objekte, sich an den ARIA-Standard zu halten.

ARIA steht für "Accessible Rich Internet Applications" und ist eine semantische Erweiterung für HTML, die das Layout von Webseiten nicht verändert. Seit März dieses Jahres wird ARIA vom World Wide Web Consortium (W3C) offiziell empfohlen. "Diese semantischen Anreicherungen erlauben es blinden Menschen sich auf der Webseite zurecht zu finden und zu navigieren", sagt Batusic.

Zur Person

Mario Batusic ist seit seinem neunten Lebensjahr blind. In der Vergangenheit arbeitete er in den Bereichen assistierende Techniken für Menschen mit Behinderung, Zugang blinder Benutzer zur Wissenschaft, Barrierefreiheit von Software und im Web. Seit 2012 leitet er beim oberösterreichischen Software-Unternehmen Fabasoft den Bereich Accessibility. Dabei ist er wesentlich dafür verantwortlich, dass die Fabasoft eGov-Suite und die Fabasoft Cloud vollständig barrierefrei sind.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Fabasoft.