Digital Life
08/21/2013

Datensicherheit ist Österreichern wenig wert

Mehr als die Hälfte aller Österreicher sorgen sich um ihre persönlichen Daten, besagt die Social Impact Studie 2013. Dennoch fertigen nur 43 Prozent Sicherungskopien an. 47 Prozent verwenden nur ein Passwort für mehrere Nutzerkonten. Die wenigsten wollen für Sicherheit zahlen.

Eine der Grundfragen der Social Impact Studie 2013, die heuer zum 14. Mal durchgeführt wurde, war jene, wie entspannt Frau und Herr Österreicher mit ihren Daten umgehen. Nach einer rund einwöchigen Befragung Anfang Juni zeigte sich, dass knapp die Hälfte der Studienteilnehmer in Sorge um ihre Daten im Internet hatten. Nachdem im Juni der Überwachungsskandal rund um den US-Geheimdienst NSA aufkam, stieg der Wert sprunghaft auf 65 Prozent an.

Mehr Wissen, mehr Sicherheit
Wie es scheint, haben Edward Snowdens Enthüllungen die Unsicherheit unter der heimischen Bevölkerung verstärkt. Die Studie präsentiert dabei ein simples Schema: Je weniger man sich mit Datenschutz auseinandersetzt, desto größer ist die Sorge. Technikaffinität hilft. Wie Angelika Kofler, die Leiterin der Sozial- und Organisationsforschung bei GfK Austria beschreibt, setzen sich klassische Muster durch. Männer setzen sich durchschnittlich mehr mit Datenschutz auseinander und sorgen sich weniger.

Gefährdet fühlen sich die Österreicher zu 70 Prozent durch einen fehlenden Virenschutz am Computer, obwohl ein solcher relativ einfach selbst einzurichten wäre, meint Kofler. 61 Prozent sehen den Verlust ihres Mobiltelefons, Laptops oder Tablets als größte Gefahr für ihre persönlichen Daten. 51 Prozent sehen Online-Shopping als Gefahr, 34 Prozent Apps am Handy und für 25 Prozent ist der Download von Musik oder Filmen im Internet riskant.

Sorge um das eigene Geld
Bei den schützenswerten Daten geht es zunächst einmal um das eigene Geld. Für 94 Prozent der Befragten steht der Zugang zum eigenen Konto ganz oben auf der Prioritätenliste. 84 Prozent legen Wert auf die Sicherheit ihrer Kreditkartendaten. Hinter den eigenen Finanzen liegen gesundheitsbezogene Daten, etwa Krankenakten, mit 57 Prozent. Nur 47 Prozent halten private Kontakte und E-Mails für schützenswert. Berufliche Kontakte und E-Mails sind nur 28 Prozent wichtig.

67 Prozent der Österreicher nutzen zum Schutz ihres Computers eine Firewall. 57 Prozent verwenden ein kostenloses Virenschutzprogramm. Trotz der Beliebtheit von Firewall und Virenschutz verwenden nur 36 Prozent kostenpflichtige Programme. Immerhin 21 Prozent haben auf ihrem PC Verschlüsselungssoftware für Daten und E-Mails installiert. 9 Prozent nutzen einen Anonymisierungsdienst auf ihrem Computer.

Mangelhaftes Backup
Beim Speichern von Daten vertrauen 63 Prozent auf ihren PC oder Laptop. 56 Prozent verwenden eine externe Festplatte. 45 Prozent speichern auf USB-Sticks. 35 Prozent speichern ihre Daten als Papier-Ausdruck ab. Kofler: "Der Traum vom papierlosen Büro hat sich nicht erfüllt." Nur 7 Prozent vertrauen ihre Daten derzeit erst Cloud-Diensten im Internet an.

Was das Backup von Daten betrifft, meint Kofler: "Der Lerneffekt hält sich in Grenzen." Im Falle des Falles wären persönliche Daten bei 57 Prozent aller Befragten verloren. Nur 43 Prozent fertigen Sicherungskopien an. Tablet-Nutzer sind eher größere Backup-Befürworter. 58 Prozent sichern sich mindestens doppelt ab. "Tablets sind noch nicht Mainstream. Bisher nutzen eher technikaffine Menschen Tablets", erklärt Kofler.

Rund 13 Prozent der Befragten mussten schon einmal die Erfahrung machen, ein Mobiltelefon (11 Prozent) oder einen Laptop (3 Prozent) verloren zu haben. Bei jeweils rund 45 Prozent der betroffenen Personen waren die Daten zwar mittels Passwort geschützt, jedoch nirgendwo anders als auf dem verlorenen oder gestohlenen Gerät gesichert.

Langlebige Passwörter
Bei Passwörtern zeigt sich, dass sie zwar großteils verwendet werden, allerdings nicht sehr raffiniert. 94 Prozent der Befragten nutzen Passwörter für PC, Handy oder Tablet. 47 Prozent nutzen aber nur ein Passwort für mehrere Konten. Geändert werden Passwörter eher selten bis nie. 30 Prozent verwenden sehr einfache Passwörter, wie das eigene Geburtsdatum oder Namen.

49 Prozent aller Befragten haben alle Passwörter im Kopf und notieren sie nicht. 37 Prozent notieren sich Passwörter auf Papier und verwahren dieses sicher. 10 Prozent haben ein digitales Dokument, in dem alle Passwörter verzeichnet sind.

Sicherheits-Mitteilungs-Ambivalenz
Die Ambivalenz zwischen Sicherheits- und Mitteilungsbedürfnis zeigt sich daran, wo man persönliche Daten gerne hergibt. 52 Prozent teilen ihre Informationen auf Social Networks. 14 Prozent auf Foren oder Blogs, 11 Prozent auf Singleplattformen, 11 Prozent auf einer persönlichen Webseite.

Die App-Nutzung steigt mit der Verbreitung von Smartphones (2013: 61 Prozent, 2012: 51 Prozent). 50 Prozent nutzen heute Applikationen auf ihrem Mobiltelefon. Bei einem Sicherheitsrisiko einer App würden drei Viertel der Befragten darauf verzichten. Für ein Viertel hängt es davon ab, um welche App es sich handelt. Auf Facebook oder Whatsapp wollen viele Österreicher nicht mehr verzichten, selbst wenn sie als unsicher gelten sollten.

Wenn man sich über Sicherheitsthemen informieren will, wird zu 55 Prozent das Internet konsultiert. 49 Prozent beraten sich mit ihrem Netzbetreiber. 30 Prozent lassen sich über Medien informieren, 26 Prozent fragen Freunde und Bekannte um Rat, 24 Prozent bei staatlichen Stellen.

Kein behördlicher Zugriff
Zusammenfassend meint A1-Technikvorstand Markus Grausam: "Beim Datenschutz will man alles und es soll nichts kosten. Man verlässt sich auf technische Hilfsmittel und ist kaum bereit, am eigenen Verhalten etwas zu ändern." Mit der Initiative "Internet für Alle" versuche man, hier Aufklärungsarbeit zu leisten.

In den nächsten Jahren soll in puncto Datenschutz auch die Frage nach behördlichem Zugriff auf persönliche Daten im Rahmen der Social-Impact-Studie näher beleuchtet werden. Kunden, die durch die Weitergabe von Daten durch verschiedenste Internet-Unternehmen oder andere Stellen verunsichert sind, lässt A1 ausrichten: "Wir übermitteln keine Daten ohne richterlichen Beschluss. Es gibt auch keinen Zugang oder eine Schnittstelle. Die Kundendaten liegen einzig auf unseren Servern."

Die Social Impact Studie wird seit 1999 gemeinschaftlich von A1 und GfK Austria durchgeführt. 2013 wurden 1.000 Handynutzer ab 12 Jahren befragt, um das Nutzungsverhalten und soziale Veränderungen durch die Verwendung von Internet und Smartphones zu erforschen.

 

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