Digital Life 04.12.2015

Deep Web und Darknet: Die "unsichtbare" Seite des Netzes

© Bild: APA/dpa

Der Teil des Internets, den Suchmaschinen ansteuern, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Um die verborgenen Bereiche des Internets ranken sich viele Mythen. Es kursieren immer wieder Geschichten über Plattformen, die Auftragsmorde oder Waffen anbieten. Tatsächlich werden des öfteren illegale Plattformen vom Netz genommen, der prominenteste Fall war zuletzt wohl SilkRoad, ein Handelsplatz für Drogen, der jahrelang online erreichbar war. Solche Seiten sind für klassische Suchmaschinen aber unsichtbar. Das kann auch für legale Aktivitäten hilfreich sein, etwa wenn Dissidenten ihre Identität schützen wollen.

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Eisberg © Bild: KURIER Grafik
In der Alltagssprache ist „das Internet“ gleichbedeutend mit dem, was Suchmaschinen auflisten. Eigentlich sind diese Webseiten aber nur ein kleiner Teil der Information, die im Internet verfügbar ist. Suchmaschinen durchforsten mit Programmen das Netz nach neuen Informationen. Daten, die sich hinter einer Suchmaske befinden, wie etwa die Preise bei einem Portal für günstige Flüge, sind für Google und Bing schon nicht mehr zugänglich. Dasselbe gilt für Inhalte von passwortgeschützten Seiten. Mit einer kleinen Änderung in der Webseitenprogrammierung kann jeder Betreiber sein Angebot für Suchmaschinen unsichtbar machen.

Größe unbekannt

Viele Datenbanken von Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen sind ebenfalls nicht über Suchmaschinen zu erreichen. Nur wer die genaue Adresse eines Servers kennt, kann solche Angebote erreichen. Wie groß dieser „Deep Web“ genannte, nicht über Google und Co. erreichbare Teil des Internets ist, weiß niemand, weil kein genaues Register existiert. Akademische Schätzungen gehen davon aus, dass das Deep Web 500 Mal größer ist, als der oberflächliche Teil des Netzes. Diese Zahlen basieren allerdings auf einer Untersuchung aus dem Jahr 2001. Der Grund für die weitaus größere Datenmenge ist, dass das Deep Web zum Großteil aus Datenbanken besteht, die enorme Mengen an Informationen beinhalten. Die Zahl der nicht indizierten Webseiten wurde im Jahr 2004 auf 300.000 geschätzt. Eine Unterkategorie des Deep Web ist das sogenannte „Darknet“. Hier befinden sich Webseiten und Angebote, die nicht nur für normale Suchmaschinen unsichtbar sind. Ohne entsprechende Zusatzsoftware sind die Inhalte überhaupt nicht zu erreichen.

Dieser verborgene Teil des Internets eignet sich für illegale Aktivitäten, da die Software, die für den Zugang nötig ist, die Identität eines Nutzers verschleiert. Zuletzt haben Hacker hier nach eigenen Angaben etwa eine versteckte Propagandaseite der Terrororganisation Islamischer Staat angegriffen und vom Netz genommen. Der bekannteste Anonymisierungsdienst, der den Zugang zum Darknet ermöglicht, ist TOR (The Onion Router), das den Internetverkehr seiner Nutzer über ein Netzwerk von gesicherten Servern umleitet, wodurch ihre Identität verschleiert wird. Absolute Sicherheit bieten solche Dienste allerdings nicht. Der Betreiber der Silk-Road sitzt mittlerweile im Gefängnis. Illegale Inhalte machen allerdings nur einen Teil des Darknets aus. Viele TOR-Nutzer verwenden den Dienst, um Zensurmaßnahmen zu umgehen oder vertrauliche Informationen zu schützen. Auch private Kommunikation kann im Darknet stattfinden, verschlüsselt und gesichert vor neugierigen Augen.

( futurezone ) Erstellt am 04.12.2015