Das E-Ink-Display deZign soll Fahrpläne aus Papier ersetzen

© dresden elektronik

Öffentlicher Verkehr
07/09/2014

deZign: E-Ink-Display statt Fahrplanaushang

In Dresden werden elektronische Anzeigen mit E-Ink-Technologie als Ersatz für Fahrpläne aus Papier bei Öffi-Haltestellen getestet.

von David Kotrba

Mit E-Ink-Fahrplänen sollen Fahrgäste von öffentlichen Verkehrsmitteln aktuellere Informationen erhalten, während Verkehrsbetriebe von mehr Flexibilität und weniger Wartungsaufwand profitieren sollen. Das deutsche Unternehmen dresden elektronik hat mit deZign ein Display entworfen, das in Smart Cities Fahrplanaushänge aus Papier ersetzen könnte.

Ferngesteuerte Fahrplanwechsel

deZign ist ein leichtes, flaches E-Ink-Display, das wenig Energie verbraucht und aus der Ferne gesteuert werden kann. Fahrplanwechsel können über Internet- oder Mobilfunkverbindung sofort angekündigt werden, ebenso Hinweise auf Verspätungen, Unfälle oder sonstige Betriebsstörungen. Bei Veranstaltungen können auf den elektronischen Anzeigen spezielle Wegbeschreibungen eingeblendet werden.

Das E-Ink-Display hat den Vorteil gegenüber LCDs, auch bei Tageslicht gut sichtbar zu sein und nicht zu reflektieren. Außerdem ist das für deZign verwendete Produkt des deutschen Herstellers Plastic Logic extrem robust, biegbar und arbeitet selbst dann weiter, wenn es mit einer Schere zerschnitten wird, wie in einem Video gezeigt wird.

Netz- oder Solarstrom

In einer "Urban Station" ist das deZign-Display durch Sicherheitsglas zusätzlich vor Vandalismus geschützt. Zwei 10,7-Zoll-Displays werden dahinter zu einem 15,4-Zoll-Display mit FullHD-Auflösung. Die Datenübertragung von der Verkehrsleitzentrale findet per Funk, Mobilfunk oder Ethernet statt. Die Urban Station wird mit Netzstrom gespeist. Alternativ will dresden elektronik auch eine "Green Station" mit Solarpaneel anbieten.

Strom wird bei der elektronischen Anzeige für Datenübertragung und Bildwechsel benötigt. Die E-Ink-Technologie benötigt keine Erhaltungsspannung während der Bildanzeige. Bei besonderer Kälte muss das Display allerdings beheizt werden - zumindest auf eine Temperatur von über null Grad Celsius. Darunter funktioniert der Bildwechsel nicht mehr. Die gesamte Anzeige gibt erst bei minus 25 Grad oder über 50 Grad den Geist auf.

Wenig Wartung

Bedient werden die elektronischen Displays durch eine eigens entwickelte Software. Mit dieser können Bilder generiert und auf die Anzeigen übertragen werden. Die Anbindung an vorhandene Steuerungstechnik erfolgt kundenspezifisch.

Im Betrieb verursacht eine elektronische Fahrplananzeige kaum Kosten, nur die Anschaffung ist vergleichsweise teuer. Geld ersparen können sich Verkehrsnetzbetreiber durch den Wegfall von Kosten, die durch den manuellen Wechsel von Fahrplanaushängen entstehen. Besonders bei schwach frequentierten Haltestellen, etwa im ländlichen Raum, soll eine elektronische Anzeige den Wartungsaufwand verringern.

Serienreife noch 2014

Momentan werden die E-Ink-Displays von dresden elektronik in Dresden getestet. Über einen Zeitraum von zwei Jahren soll die Zuverlässigkeit und Resistenz der Geräte gegenüber Wetterschwankungen und Vandalismus geprüft werden. In Zukunft sollen die deZign-Displays auch Fahrpläne für mehrere verschiedene Öffi-Linien anzeigen. Wartende Fahrgäste sollen per Knopfdruck zwischen den Linien umschalten können.

Neben den Dresdner Verkehrsbetrieben haben auch andere Verkehrsbetriebe Interesse an deZign bekundet. Noch befindet sich die E-Ink-Fahrplananzeige im Entwicklungsstadion. Im dritten Quartal 2014 will das Unternehmen bei der "Urban Station" die Serienreife erreicht haben. Beim Preis erhält man nur eine vage Prognose. Er soll "im unteren Viertel vom vierstelligen Bereich liegen".