Digital Life
19.01.2019

DLD 2019: "Es gibt viele Gründe, optimistisch zu sein"

Die Münchner Innovationskonferenz DLD hat sich heuer Optimismus und Mut auf die Fahnen geschrieben und will Wege aus der Krise aufzeigen.

Der beschleunigte Klimawandel, zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit wegen der Automatisierung, die Manipulation in Online-Netzwerken durch Fake News und schließlich Donald Trump und Vladimir Putin. Er habe Verständnis für Leute, die sagen, dass alles den Bach runtergehe, sagte der Risikokapitalgeber Albert Wenger am Samstag zum Auftakt der Innovationskonferenz DLD (Digital Life Design) in München, die sich heuer das Motto "Optimismus und Mut" ("Optimism & Courage") verordnet hat. "Wenn wir optimistisch bleiben, sind wir aber nicht verloren", sagte Wenger.

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Fortschritte

Optimismus bedeute, dass man daran glaube, dass die Zukunft besser werde.
In vielen Bereichen habe es bereits Fortschritte gegeben. Das Ozonloch schließe sich langsam wieder, auch die Säuberung der Ozeane habe begonnen. Energie werde zunehmend sauberer und die Elektromobilität sei auf dem Vormarsch. Die Anzahl der Leute, die Facebook als Nachrichtenquelle sehen, gehe unter jungen Leuten zurück, auch Regulatoren seien durch die Datenskandale auf Plan gerufen.

Auch die extreme Armut sei global zurückgegangen, selbst in den USA hätten zuletzt 20 Bundesstaaten die Mindestlöhne erhöht.  Leute würden zunehmend für ihre Anliegen auf die Straße gehen. "Wenn es öffentlichen Druck gibt, reagieren die Unternehmen und die Politik", sagte Wenger. Optimismus gebe uns den Mut zu innovieren, zu forschen und zu protestieren, meinte Wenger: "Auch kleine Änderungen führen zu Fortschritt."

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Viel Potenzial in Afrika

Optimistisch ist auch die afrikanische Gründerin Fatoumata Ba. Der von ihr gegründete Online-Marktplatz Jumia wurde als erstes afrikanisches Start-up mit über einer Milliarde Dollar bewertet. Heute unterstützt sie mit ihrer Firma Janngo Start-ups. Mit Jumia habe sie gerlernt, dass Unternehmen zur Lösung sozialer Probleme beitragen könnten. Man habe sich mit kleinen lokalen Unternehmen zusammengetan und sie beim gemeinsamen Einkauf und der Lösung von Logistik-Problemen unterstützt. "Wir haben gezeigt, dass es in Afrika Erfolgsgeschichten geben kann", sagt Ba.

Afrika boome. Bis 2050 werde die Bevölkerung von heute 1,2 Milliarden Menschen auf mehr als 2,2 Milliarden wachsen. Das Potenzial sei enorm und auch die Innovationskraft massiv. "Viele kleine Firmen haben allerdings mit der Finanzierung zu kämpfen", meinte Ba, die zu Investitionen auf dem Kontinent aufrief.

Asien im Kommen

Technologie habe wesentlich dazu beigetragen in Asien rund 600 Millionen Menschen aus der Armut zu führen, sagte der Politikexperte und Gründer des Beratungsunternehmens Futuremap, Parag Khanna. Globalisierung und offene Grenzen würden in Asien im Gegensatz zu angloamerikanischen Ländern wie den USA und Großbritannien positiv gesehen. Die Bedeutung des Kontinents, der schon heute für 40 Prozent der Weltwirtschaftsleistung verantwortlich sei, werde in dem kommenden Jahren weiter wachsen, zeigte sich Khanna überzeugt. Er sprach sogar von einem "asiatischen Jahrhundert".

Digitale Fahrzeuge

Die Elektromobilität und die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen will Abe Chen, vom chinesischen Elektroautobauer Byton vorantreiben. In Zukunft werde niemand mehr ein Auto besitzen, sagte der Technikchef des Unternehmens, das auch als das chinesische Tesla bezeichnet wird. Um die geteilte Mobiltät voranzutreiben, brauche es aber wirklich digitale Fahrzeuge.

 

Byton habe deshalb eine digitale Plattform auf Basis künstlicher Intelligenz gebaut, die die Profile der Nutzer mit dem Wagen verbinde. Das Profil begleitet sie im Auto, genauso wie bei Smartphone-Apps, Smartwatches oder intelligenten Assitenten wie Alexa oder Google Home. Das Auto könne die Bedürfnisse unterschiedlicher Fahrgäste berücksichtigen. Man habe anders als traditionelle Hersteller zuerst die digitale Technologie entwickelt und erst dann das Auto gebaut, sagte Chen, dessen Unternehmen rund 1500 Mitarbeiter zählt und neben China auch Standorte in Deutschland und im Silicon Valley unterhält.

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Prominente Gäste

"Es gibt viele Gründe, optimisch zu sein", sagte DLD-Gründerin Steffi Czerny. Auch außerhalb des Silicon Valley gebe es zahlreiche innovative Entwicklungen. Man brauche nur den Mut sie zu sehen. Mit der Konferenz wolle man Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt geben und innovative Technologien von künstlicher Intelligenz bis hin zu Quantencomputern beleuchten. In den kommenden Tagen sind in München unter anderem noch der chinesische KI-Experte Kai-Fu Lee, Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, die am Sonntag sprechen wird, und Skype Mitgründer Jan Tallin zu Gast.