Drew Houston, CEO Dropbox

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Digital Life
11/19/2013

Dropbox-Chef: "Jeder hasst seinen E-Mail-Posteingang"

Dass Cloudanbieter Dropbox das junge Start-up Mailbox kaufte, hat viele überrascht. Auf der Salesforce-Konferenz Dreamforce lieferte Dropbox-CEO Drew Houston die Erklärung.

Der Cloud-Speicherdienst Dropbox zählt zu den großen Gewinnern der Smartphone- und Tablet-Revolution der vergangenen Jahre. Seit seinem Start im Jahr 2007 wuchs die Userzahl des Unternehmens auf 200 Millionen Kunden. In einem Interview mit Salesforce-CEO Marc Benioff auf der Konferenz Dreamforce stand der 30-jährige Dropbox-Gründer und -CEO Drew Houston Rede und Antwort. Unter anderem lieferte er die Erklärung dafür, warum Dropbox das junge Start-up Mailbox, das einen alternativen E-Mail-Client entwickelt, praktisch vom Fleck weg kaufte.

Veraltetes Konzept

"Das Konzept der Inbox stammt aus den 70er-Jahren. Wenn die Entwickler damals mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2013 gereist wären und gesehen hätten, dass der Posteingang heute immer noch eine Liste von chronologisch sortierten Nachrichten ist, wären sie vermutlich in Tränen ausgebrochen, weil absolut nichts weitergegangen ist", so Houston. "Jeder hasst seinen Posteingang und dass die Mailbox-Entwickler allen Skeptikern zum Trotz sich dahintergeklemmt haben und was anderes versucht haben, hat uns imponiert."

Die Investition in Mailbox sieht der Dropbox-CEO als Teil seiner Mission, komplizierte Abläufe, wie etwa die Organisation von E-Mails und Nachrichten im Zeitalter vieler Geräte, wieder zu vereinfachen. Die Möglichkeit, mit den großen Internet-Konzernen, aber auch Geräteherstellern wie etwa Samsung reden zu können, um nicht funktionierende Technologien fit zu bekommen, sei der aufregendste Nebeneffekt des Dropbox-Erfolg. "Das habe ich mir vor fünf Jahren, als ich im Wohnzimmer noch persönlich fehlerhaften Code ausbügeln musste, natürlich nicht vorstellen können."

Auf Busfahrt entwickelt

Dass Dropbox überhaupt in der Form existiert, ist auf eine Busfahrt des damaligen MIT-Studenten zurückzuführen. So vergaß Houston eines Tages seinen USB-Stick und konnte die lange Fahrt nicht wie sonst zum Arbeiten nutzen. Dieser Umstand ärgerte ihn so sehr, dass er eigenen Angaben zufolge noch auf dem Weg begann, erste Zeilen des späteren Dropbox-Codes zu schreiben.

Der Erfolg von Dropbox sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass man mit dem Cloud-Speicher ein Problem erkannt habe - nämlich die Verfügbarkeit seiner Daten überall und unabhängig vom verwendeten Gerät - bevor andere sich mit der Thematik überhaupt auseinandersetzten. "Niemand suchte nach einer Lösung, weil niemand ein Problem hatte - im Gegenteil: Die Leute haben USB-Sticks geliebt. Und auch das sich selbst Schicken von Dokumenten über E-Mail, egal wie umständlich das eigentlich ist, fanden sie eine gute Idee", so Houston.

Keine Angst vor dem Mitbewerb

Die zunehmende Konkurrenz durch Mitbewerber, vor allem aber auch große Player wie Google, Microsoft und auch Apple beunruhigt den Dropbox-Gründer nicht. Das Wachstum sei noch steiler als vor dem Eintritt der Konkurrenten und angesichts der Milliarden von Leuten, die schon in wenigen Jahren mit Smartphones und anderen Geräten ständig mit dem Internet verbunden sein werden, befinde man sich ohnehin erst am Anfang des Weges.

"Wir haben einen Vorsprung und vieles kann man eben nur durch das ständige Feedback der User und jahrelanges hartes Arbeiten hinbekommen. Denn dass das Interface passt und überhaupt der ganze Backup-Prozess im Hintergrund auf allen Geräten und Plattformen so unsichtbar und geschmeidig abläuft, ist verdammt schwer hinzubekommen. Wir haben dafür viele Jahre gebraucht", sagt Houston.

Pearl Jam und Fluglinien

Neben dem Ausblick auf die künftige Dropbox-Strategie - Fragen zu Datenschutz und der NSA-Problematik wurden von Salesforce-CEO Benioff übrigens ausgeklammert - erfuhr das Dreamforce-Publikum unter anderem, dass Houston ein bekennender Fan von Pearl Jam ist, und auch weiterhin nicht in Privatjets um die Welt düst.

So habe dieses Wochenende ausgerechnet ein Linienflug mit der amerikanischen Fluglinie United für wahre Glücksmomente gesorgt. "Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mein iPhone und meinen Kindle während des Fluges nicht ausschalten. Wer hätte das gedacht, dass wir das noch erleben dürfen?", spielte Benioff auf die neuen Flugrichtlinien in den USA an, die auch in Europa umgesetzt werden sollen.