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Web 3.0 Ethereum: Wie sich das Netz auf Bitcoin-Basis neu erfindet.

Ethereum, MaidSafe & Co. arbeiten an alternativen Organisationsformen für das Internet.
Ethereum, MaidSafe & Co. arbeiten an alternativen Organisationsformen für das Internet. - Foto: brave rabbit, fotolia
Das Ethereum-Projekt arbeitet an einem Netzwerk, das von niemanden kontrolliert werden kann. Auch in Wien wird mit der Plattform experimentiert.

Nicht wenige glauben, das System könnte das Internet revolutionieren und nach dem Vertrauensverlust durch die Überwachung der Geheimdienste wieder sichere und vertrauenswürdige Kommunikation ermöglichen. Jamie Bartlett, Autor des Buches "The Dark Web", spricht bereits vom nächsten großen Entwicklungsschritt des Netzes. Einem Internet, das von niemanden kontrolliert werden kann und in dem Nutzer die Kontrolle über ihre Daten behalten. Die Rede ist von Ethereum, einer dezentralen Plattform auf der Anwendungen und Daten nach dem Vorbild der Cryptowährung Bitcoin  über ein verschlüsseltes Peer-to-Peer-Netzwerk verteilt werden.

Ins Leben gerufen wurde das Open-Source-Projekt vom jungen russisch-kanadischen Programmierer Vitalik Buterin. Rund 18 Millionen Dollar wurde über den Verkauf von 60 Millionen Einheiten der zu dem Projekt gehörenden Cryptowährung Ether im vergangenen Jahr eingenommen, es war eine der größten Crowdfunding-Aktionen der Geschichte. in Berlin, Amsterdam und London arbeiten Entwickler an der Plattform. In den nächsten Wochen ist die Veröffentlichung von ersten Teilen der Software geplant, später sollen schrittweise weitere Elemente der Plattform ausgerollt werden.

Globaler Computer

"Ethereum ist ein Computer, der global funktioniert, transparent ist und der jedem die gleichen Zugangsmöglichkeiten bietet", sagt Alexander Hirner, der ein Meetup zu der Plattform in Wien mitorganisiert, das seit rund einem Jahr in regelmäßigen Abständen im Wiener Metalab und etwa alle zwei Monate im Co-Working-Space Sektor5 stattfindet.

Den Kern von Ethereum bildet die Blockchain-Technologie, eine Art verteilter Datenbank, die zuerst bei der Kryptowährung Bitcoin zur Anwendung kam und in der alle Transaktionen zwischen den Nutzern des Netzwerkes aufgezeichnet werden.

Während Bitcoin auf finanzielle Transaktionen beschränkt ist, können bei Ethereum alle möglichen Transaktionen ausgeführt werden, vorausgesetzt sie lassen sich in Code übersetzen und können in der Blockchain gespeichert werden. Die gesamte Datenbank werde mit jeder TransaRktion aktualisiert, sagt Hirner. "Jeder weiß, woran er ist und hat dieselben Informationen."

Messaging- und Social-Networking-Anwendungen sind auf der Plattform ebenso möglich wie Finanzanwendungen oder Micropayments. Auch individuelle Währungen könnten von Nutzern in Umlauf gebracht werden, sagt  Stephen Tual, Chief Communication Officer (CCO) der Plattform, in einem auf YouTube veröffentlichten Video: "Was gebaut werden kann, hängt von der Kreativität der Entwickler ab."

"Daten bleiben beim Nutzer"

Gespeichert werden die Daten nicht auf zentralen Servern, sondern kryptografisch verifiziert auf den vernetzten Rechnern der Teilnehmer. Als Treibstoff der Plattform und als Anreiz für das Bereitstellen von Computerressourcen fungiert die Cryptowährung Ether. Sie dient auch als Zahlungsmittel für Ethereum-Programme. Mit der Cryptowährung könne erreicht werden, dass die Computer, die das Netzwerk aufrechterhalten, dies längerfristig tun, sagt Hirner.

Bei Anwendungen, die auf Ethereum laufen, müssten die Nutzer nicht mehr Diensteanbietern wie Facebook oder Dropbox vertrauen, so Ethereum-CCO Tual. "Die Daten bleiben beim Nutzer." Weil es keine zentrale Instanz gibt, ist es fast unmöglich, solche Netzwerke abzuschalten, zu zensieren oder auszuspioneren.

"Umdenken notwendig"

Datenskandale und die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden hätten gelehrt, dass ein Umdenken notwendig sei, sagt Hirner vom Wiener Ethereum-Meetup. "Zentral gespeicherte Daten können missbraucht werden. Mit Ethereum können Nutzer die Kontrolle über ihre Daten wieder zurückgewinnen", so Hirner, der an der Wirtschaftsuniversität Strategy und Innovation studiert und sich auch im Organisationsteam von Österreichs größter studentischen Start-up-Messe, Entrepreneurship Avenue, sitzt: "Vertrauenswürdige Plattformen wie Ethereum erlauben es auch Start-ups und kleineren Firmen, denen in punkte Datensicherheit oft misstraut wird, bestimmte Services anzubieten."

Wiener Meetup

Bei dem von Hirner mitorganisierten Wiener Treffen, tauschen sich Ethereum-Interessierte untereinander aus und lernen voneinander. Auch der Ethereum-Niederlassung in Berlin wurde gemeinsam besucht, wie Hirner erzählt.

Die Wiener Gruppe arbeitet derzeit an einer dezentralen Crowdfunding-Plattform auf Basis von Ethereum. Ein Hobbyprojekt, mit dem man demonstrieren wolle, wie man die Eintrittsbarrieren für Leute, die unternehmerisch tätig sein wollen, massiv senken könne", sagt Hirner.

Dezentrales Microblogging und Speicherlösungen

Neben Ethereum experimentieren auch andere Projekte mit der Blockchain-Technik. Etwa die brasilianische Microblogging-Plattform Twister oder das schottische Start-up MaidSafe, das bereits seit 2006 an dezentralen vernetzen Speicherlösungen arbeitet und derzeit mehrere Testnetzwerke betreibt.

Ebenso wie bei Ethereum stellen bei MaidSafe und Twitter vernetzten Computer der Nutzer nicht genutzte Rechenleistung zur Verfügung. Auch bei Maidsafe dient eine eigene SafeCoin genannte Cryptowährung als Treibstoff für die Plattform.

Start in der Nische

Noch befinden sich Projekte wie Ethereum oder MaidSafe im Anfangsstadium. Wie sich die Plattformen entwickeln werden, ist schwer abzuschätzen. Der Nutzen der Plattform liege in der Veränderung der Denkweise. Projekte wie Ethereum würden auf jeden Fall zu transparenteren Plattformen führen, ist Hirner überzeugt.

Ethereum werde sich anfangs wohl in Nischen abspielen, etwa im Finanzbereich. Anbieten würden sich anfangs auch Anwendungen im Identitäts- und Reputations-Management. Wenn das System global skaliere seien die Möglichkeiten unbegrenzt, so der Organisator des Wiener Meetups.  Oder wie Ethereum-Gründer Buterin auf einer Konferenz sagte: "Die aufregendsten Anwendungen sind wahrscheinlich die, an die wir noch gar nicht gedacht haben."

(futurezone) Erstellt am 14.04.2015, 06:00

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