Shitstorm im Internet

© dpa Armin Weigel

Hasspostings
10/23/2015

Facebook gewährt Einblick in Arbeit mit Löschanträgen

Immer wieder werden Vorwürfe laut, Facebook unternehme nicht genug gegen Hasspostings. In Dublin gewährte Facebook nun Einblicke in seine „Community Operations“.

Bei Löschanträgen gegen Hass-Botschaften auf Facebook gibt es nach Angaben des Netzwerks keinen Bearbeitungsstau. „Es gibt hier keinen riesigen Stapel unbearbeiteter Reports in der Ecke, um die sich niemand kümmert“, sagte Julie de Bailliencourt, Safety Policy Manager bei Facebook für Europa in Dublin. Allerdings könnten Löschanträge ins Leere laufen, wenn eine falsche Begründung angegeben werde.

Abkürzung Porno

Nach Darstellung von Bailliencourt werden etliche Beschwerden gegen Hasstiraden von den Anwendern fälschlicherweise als „Pornografie“ gemeldet. „Die User denken wohl, dass Facebook das dann schneller abarbeitet.“ Da es bei der Überprüfung von vermeintlichen pornografischen Fotos oder Videos nicht unbedingt auf die Landessprache ankomme, fielen dann solche Beschwerden durch das Raster. Die Beschwerden gegen Hass-Botschaften in Deutsch würden von Muttersprachlern an den Facebook-Standorten in Dublin (Irland), Menlo Park und Austin (USA) sowie in Hyderabad (Indien) bearbeitet.

Automatisch statt händisch

Wöchentlich treffe bei Facebook über eine Million „Reports“ über unerwünschte Inhalte ein. Die große Masse betreffe Spam-Mitteilungen, die auch mit Hilfe von Software-Robotern gelöscht würden. Danach gehe es um Fotos auf Facebook, in denen beispielsweise Mitglieder unerlaubt markiert worden seien. Zur Lösung dieses Problems stünden inzwischen etliche Werkzeuge zur Verfügung, die die Betroffenen selbst anwenden können.

Beschwerden gegen Hassrede über Flüchtlinge oder Minderheiten machten nur einen Bruchteil der „Reports“ aus. Zur genauen Anzahl macht Facebook keine Angaben. Auch die Größe der „Community Operations“, die sich um die Beschwerden kümmert, beziffert des Netzwerk nicht genau. Um „Reports“ über deutschsprachige Inhalte kümmerten sich „hunderte Mitarbeiter“.

Guidelines kein Gesetz

Facebook-Managerin Siobhán Cummiskey betonte, die Beurteilung von „Hass-Postings“ falle international völlig unterschiedlich aus. „Es gibt nicht einmal in Europa einen Konsens, was Hatespeech genau ist.“ Da Facebook schnell reagieren wolle, haben sich das Netzwerk eigene „Community Guidelines“ gegeben. „Darüber hinaus sind wir auf Hinweise von Einrichtungen angewiesen, die solche Entscheidungen treffen können“. Dazu gehörten für Deutschland die beiden Nicht-Regierungsorganisationen Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (fsm) und Jugendschutz.net, aber auch die Polizei und staatliche Strafverfolger.

Cummiskey sagte, die Gemeinschaftsrichtlinien von Facebook richteten sich nicht nach dem 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten aus, in dem eine sehr weitreichende Meinungs- und Religionsfreiheit festgeschrieben ist. Dies sei ein Mythos. „Die Community Guidelines bilden kein Rechtssystem irgendeines Landes ab.“

In Deutschland hatte Facebook zuvor bereits Maßnahmen „zur Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ angekündigt, darunter die Einsetzung einer Task Force zum Umgang mit Hassrede, die Partnerschaft mit der fsm sowie eine Kampagne, um „Gegenrede“ gegen Hetze in Deutschland zu fördern.