Facebook ist im Grunde eine Singlebörse

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Facebook ist im Grunde eine Singlebörse
02/22/2011

"Facebook ist im Grunde eine Singlebörse"

Ein neues Tool benachrichtigt Facebook-User via E-Mail, sobald sich der Beziehungsstatus einer seiner Kontakte ändert. Rund 100.000 User meldeten sich in den ersten 24 Stunden für den Dienst an. Was Facebook für die Partnersuche, aber auch für Stalking-Aktivitäten bedeutet, hat die FUTUREZONE bei der Psychologin Catarina Christina Katzer nachgefragt.

von Thomas Prenner

"Die meisten sozialen Netzwerke sind im Grunde Singlebörsen," meint Katzer im Gespräch mit der Futurezone. Die deutsche Forscherin, die sich verstärkt mit Cyberpsychologie im Web auseinandersetzt, glaubt, dass Kontakt im Social Web selten auf rein freundschaftlicher Ebene vollzogen werden: "Es geht zwar nicht immer um Sex, manchmal steht auch die reine Kontaktaufnahme im Vordergrund, allerdings spielt der Flirt-Faktor in vielen Fällen eine große Rolle."

Eine längerfristige Partnerschaft wird in den sozialen Netzwerken meist jedoch nicht gesucht. So erklärt Katzer weiter: "Viele Leute suchen nicht nach der großen Liebe, sondern eher nach kurzfristigen Bekanntschaften. Solche Beziehungen sind oft sehr locker, gleichzeitig neigt man dazu mit diesen Personen über alles Mögliche zu sprechen. Feste Bindungen im traditionellen Sinne werden eher nicht gesucht."

Die Freundesliste als Statussymbol

Diese lockeren Beziehungen, die sich oft auch in der Anzahl der jeweiligen Freunde widerspiegeln, sind besonders unter Jugendlichen oft auch ein Statussymbol. Katzer dazu: „Je mehr Freunde und je mehr Besucher ein Facebook-Profil hat, desto relevanter ist es und damit auch die Person dahinter. Aus diesem Grund neigen insbesondere Jugendliche auch immer wieder dazu, möglichst viele Angaben über die eigene Person zu veröffentlichen.“

Beim Wahrheitsgehalt der entsprechenden Informationen muss man allerdings aufpassen: „Einerseits wird im Netz viel gelogen, andererseits werden auch viele reale private Eigenschaften veröffentlicht. Wenn zu viel gelogen wird, entwickelt sich das zu einem echten Problem, da aus den virtuellen Bekanntschaften oft auch reale Treffen entstehen können.“

Breakup Notifier

Auf Facebook macht indes die Applikation "Breakup Notifiers" die Runde. Damit können sich User direkt informieren lassen, falls ein Mitglied ihres Freundeskreises den Beziehungsstatus verändert. Grundlage dessen ist die Facebook-Funktion "Beziehungsstatus".

User können auf Facebook in einem eigens vorgesehenen Feld den aktuellen Status ihres Beziehungslebens eintragen. Die Wahlmöglichkeiten gehen von „Es ist kompliziert“ über „In einer Beziehung “ bis hin zu „Verlobt“ oder „Verheiratet“. Falls gewünscht, kann das Profil des jeweilige Partners direkt in diesem Feld verlinkt werden, falls jener dies zulässt. Die Information erscheint daraufhin prominent auf der jeweiligen Facebook-Profilseite. Falls nun einer der eigenen Kontakte diese Angaben verändert, verspricht das Tool „Breakup Notifier“ den Nutzer via E-Mail zu Informieren.

100.000 Anmeldungen in 24 Stunden

Die Applikation wurde von dem Programmierer Dan Loewenherz entwickelt und war eigentlich als Scherz für die Schwester seiner Verlobten gedacht. Der Zulauf war bereits kurz nach Veröffentlichung enorm: Laut eigenen Angaben konnte das kostenlose Tool in den ersten 24 Stunden rund 100.000 Anmeldungen verzeichnen. Der große Zuspruch zu diesem Tool zeigt, welch große Rolle die Partnersuche in Social Networks spielt.

Facebook als Stalking-Plattform

Facebook ist mit seinen hohen Mitgliederzahlen und den vielen privaten Informationen ein hilfreiches Tool um mehr über gewisse Personen herauszufinden. Dies macht das Social Network auch immer wieder zum Werkzeug für Stalker, also für Menschen, die andere krankhaft verfolgen.

„Wer auf Facebook eine Person stalkt, kennt die Person das Opfer. Das Internet wird meist von Leuten genutzt, die einen privaten Bezug zum jeweiligen Opfer haben“, erklärt Katzer. „Eine Funktion wie „Breakup Notifier“ verändert das Stalking-Verhalten nicht. Immerhin liegt in diesem Fall der Fokus bereits auf der entsprechenden Person.“ Damit soll die grundsätzliche Bedeutung des Netzes für Stalker jedoch nicht relativiert werden, so führt Katzer schließlich aus: „Das Verlagern des persönlichen Lebens ins virtuelle Netz spielt für Stalkern eine große Rolle."

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