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Soziale Netzwerke
10/04/2012

Facebook verlängert den Liebeskummer

Weltweit hat Facebook 900 Millionen Nutzer. Ein Drittel davon – also satte 300 Millionen – kann der Versuchung nicht widerstehen, dem Ex-Partner via Facebook nachzuspionieren. Doch das hat laut einer britischen Studie seinen Preis.

Es gibt Binsenweisheiten, an denen einfach etwas dran ist. Zum Beispiel: „Aus den Augen – aus dem Sinn." Jeder Therapeut wird es einem predigen, und in jeder Ratgeberkolumne kann man es nachlesen: Die Trennung überwindet man schneller, wenn einem die alte Liebe eben nicht dauernd über den Weg läuft. Je weniger Kontakt also, desto besser. Und es ist ja auch nicht so lange her, da musste man das Haus verlassen und Pläne schmieden, um dem/der Verflossenen nachzuspüren. Geht`s ihm gut? Mit wem geht sie aus? Gibt`s eine neue Liebe in seinem/ihrem Leben?

Update via Facebook
All diese Information ist nun potentiell per Mausclick abrufbar. „Die meisten Nutzer haben keine sonderlich restriktiven Privatsphäre-Einstellungen", meint Tara Marshall, Psychologin an der Brunel University in London. „Drei Viertel meiner Befragten konnten die Fotos bzw. die Freundesliste einsehen, auch wenn sie mit dem/der Ex keine Facebook-Freunde mehr waren."

Die Psychologin befragte 464 Menschen, die sich auf einen Aufruf zur Teilnahme auf verschiedenen psychologischen Internetseiten gemeldet hatten. 84 Prozent waren Frauen; 48 Prozent waren single. Was man im Jargon „Facebook Stalking" des Ex-Partners nennt, ist der Bewältigung der Trennung alles andere als förderlich: „Diese Leute empfinden tieferen Kummer, sexuelle Sehnsucht sowie eine Reihe von negativen Gefühle wie Feindseligkeit gegenüber dem Ex-Partner, Zorn oder auch Hass."

In der emotionalen Warteschleife steckenbleiben
Die Teilnehmer an der Studie, die keinen endgültigen Schlussstrich ziehen konnten, taten sich auch in einem anderen Punkt schwerer: bei der persönlichen Weiterentwicklung. „Das heißt, dass aus einer schlechten Erfahrung etwas Gutes herauskommt. Wenn man nach einer Krise – wie einer Trennung – neue Interessen entwickelt, neue Freundschaften schließt, empfinden Menschen das als Stärke."

Facebook macht es leicht, dem Ex-Partner nachzuhängen und leistet damit in gewisser Weise der Bewältigungssschwierigkeit Vorschub. Der elektronische einseitige Kontakt zeigt also ganz ähnliche Folgen wie im realen Leben, wenn einem die Person immer wieder über den Weg läuft: Es verlängert den Trennungsschmerz.

Sind wir alle Stalker?
Die Studie über Auswirkung von Facebook-Stalking auf Liebeskummer ist ein Folgeprojekt einer anderen Fragestellung. Nämlich: Stellen Menschen auch ihrem gegenwärtigen Partner via Facebook nach? „Absolut. – Das tun viele. Die Motivation dahinter sind Gefühle von Unsicherheit. Auch Eifersucht spielt eine Rolle." Doch es gibt auch eine noblere Motivation dafür: „Große Liebe oder große Leidenschaft. Manchen wollen dann einfach das Foto des geliebten Menschen so oft wie möglich anschauen."

Facebook Stalking falle mittlerweile in die Kategorie von zeitgeistigem Scherz beim Mittagessen: „Ach ja, übrigens, ich spioniere meinem/r Ex auf Facebook nach". Die meisten Teilnehmer von Tara Marshalls Studie checkten den Status eines Ex-Partners. „Viele schauten ein Mal pro Tag nach; manche auch öfters." Dabei handelte es sich nicht ausschließlich um Fälle von frischem Liebeskummer. Durchschnittlich lag die Trennung, die den Befragten zu schaffen machte, etwa eineinhalb Jahre zurück. „Es gibt Leute, die halten sich über Verflossene von vor 20 Jahren auf dem Laufenden."

Dieses Verhalten sei vielleicht kindisch, aber deswegen nicht bedenklich, meint Tara Marschall. „Ein wenig beschämt ist jeder, der zugibt, er spioniert einem Ex-Partner regelmäßig nach. Und als Facebook-Stalker entlarvt werden, will ganz sicher niemand."

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