Fahndungsfotos von Stars wie Lindsay Lohan sind hochbeliebt im Netz

© APA/Los Angeles Sheriffs Department / handout

Digital Life
10/06/2013

Fahndungsfoto-Webseiten verlieren Unterstützer

Google, PayPal und Kreditkartenfirmen boykottieren so genannte „Mugshot“-Webseiten, die Geld für das Entfernen von Fahndungsfotos verlangen.

Die New York Times beschreibt in einem neuen Artikel die Machenschaften so genannter „Mugshot“-Webseiten. Diese Webseiten bieten Sammlungen von teilweise mehreren Millionen Fahndungsfotos, die die Polizei von Verdächtigen aufnimmt und die als öffentliche Akten erhältlich sind. Wer sein Bild von einer solchen Webseite entfernen will, muss zahlen. Wer es sich nicht leisten kann, zwischen 30 und 400 Dollar pro Bild dafür auszugeben, dass ein „Mugshot“ von einer einzelnen Webseite verschwindet, hat Pech gehabt.

Diese Form der Stigmatisierung im Netz kann für Betroffene äußerst hinderlich sein, etwa bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Mehrere Gerichtsverfahren beschäftigten sich bereits mit der Praxis. Einige US-Bundesstaaten haben Verbote für die kommerzielle Verwendung von „Mugshots“ erteilt.

Legales Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell der Webseiten ist in den USA jedoch legal. „Mugshots“ gelten als frei verfügbare Akten, die unter anderem eine wichtige Ressource für Journalisten darstellen. Das Committee for Freedom of the Press tritt daher für die Beibehaltung des öffentlichen Status von Fahndungsbildern ein. Die Betreiber von „Mugshot“-Webseiten argumentieren mit dem Recht von Menschen, sich über andere Menschen zu informieren.

Zahlreiche Fälle zeugen auf der anderen Seite vom verzweifelten Kampf vieler Menschen um ihr Ansehen. Eine Frau, die wegen Verdachts auf häusliche Gewalt festgenommen, danach aber freigesprochen worden war, scheiterte sowohl daran, ihre Fahndungsfotos von einer Vielzahl an Webseiten entfernen zu lassen, als auch bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber - weil Suchresultate nach ihrem Namen stets besagte Fahndungsfotos beinhalteten. „Wenn ich nicht so eine positive Person wäre, hätte ich mir ernsthaft überlebt, mir das Leben zu nehmen“, meint sie.

Kollektives Vorgehen

Mit der Lage von Betroffenen konfrontiert, hat Google nun allerdings reagiert. Seit wenigen Tagen wird bei der Suchmaschine ein modifizierter Algorithmus angewendet, der die Resultate von „Mugshot“-Webseiten in den Suchergebnissen weiter zurückversetzt. Gleichzeitig haben PayPal, MasterCard und andere Bezahldienste angekündigt, ihre Unterstützung für Fahndungsfoto-Portale einzustellen.

Der Boykott zeigt bereits Resultate. Der Webtraffic bei „Mugshot“-Webseiten geht zurück. Ob das kollektive Vorgehen ein Verschwinden des Phänomens zur Folge hat, wird sich erst weisen. Der einfache Zugang zu Millionen an Fahndungsbildern, sowohl von Privatpersonen als auch Prominenten, haben in den vergangenen Jahren zu einem konstanten Publikumsanstieg auf „Mugshot“-Webseiten geführt.