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Facebook-Games
03/24/2011

"Farmville und Cityville sind das neue Tetris"

Mit dem Facebook-Spielehit Farmville hat Mark Skaggs etwas erreicht, was den meisten Games-Entwicklern ihr Leben lang versagt bleibt. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs konnte das Zynga-Game über 80 Millionen User monatlich für sich begeistern. Im futurezone-Interview erzählt Skaggs, was traditionelle Spieleentwickler von der Social-Games-Branche lernen können.

von Martin Stepanek

Der Social-Games-Entwickler Zynga ist mit über 250 Millionen Usern pro Monat der absolute Spitzenreiter auf Facebook. Neben Farmville und dem Nachfolger Cityville, das laut AppData allein über 90 Millionen Spieler monatlich anlockt, gehen auch andere Facebook-Hits wie Texas HoldEm Poker, FrontierVille und Mafia Wars auf das in San Francisco beheimatete Game-Studio zurück.

Wie Tetris und Minesweeper
„Dass solche Userzahlen möglich sein würden, haben wir uns anfangs natürlich nicht vorstellen können, “ gibt Skaggs zu. „Als wir mit Mafia Wars auf Facebook starteten und etwa 600.000 Leute pro Tag damit erreichen konnten, dachten wir schon, dass das ein unglaublicher Erfolg ist.“ Farmville habe diese Latte dann ein ganzes Stück höher gelegt. "Mit derartigen Games erreicht man Leute, die mit traditionellem Gaming sonst kaum in Berührung kommen. Dieses Phänomen ist am ehesten mit Tetris und Minesweeper am PC vergleichbar. Nun spielen die Leute eben Farmville und Cityville. Dazu kommt der soziale Aspekt über Facebook."

Anfangs von der traditionellen Games-Branche belächelt, sorgen die bemerkenswerten User-Zahlen der Social Games und die sich dadurch ergebenden Geschäftsmöglichkeiten mittlerweile für Staunen bei den großen Game-Studios. „Traditionelle Game-Studios stecken unglaubliche Ressourcen in die Entwicklung von Games und in vielen Fällen ist das Endprodukt wirklich beeindruckend. Was vielen dieser Spiele aber fehlt, ist der soziale Aspekt. Deswegen arbeiten viele daran, diese Komponente abseits von herkömmlichen Multiplayern stärker zu integrieren", sagt Skaggs.

Social Games für Entwickler interessant
Waren Social Games wie Farmville zunächst ein Randphänomen, können die einfach gestrickten Online-Games zunehmend auch Entwickler großer Produktionen anziehen. Auch Skaggs kennt die traditionelle Spielebranche gut, war als Executive Producer unter anderem am EA-Titel „The Battle for Middle-Earth“ aus der Lord-of-the Rings-Reihe beteiligt. „Natürlich ist es unglaublich, wenn man nach zwei Jahren Arbeit das Endergebnis eines Titels wie Battle of Middle Earth sieht, die Grafik, die Soundeffekte, die Komplexität. Gleichzeitig ist und bleibt es aber auch ein unglaublicher Aufwand, wenn über Hundert Leute zwei Jahre lang an einem einzigen Titel arbeiten“, so Skaggs.

Bei Games wie Farmville oder Cityville könne man hingegen viel spontaner agieren und eine verrückte Idee oder eine Zusatzfunktion auch innerhalb weniger Tage umsetzen. „Anders als bei traditionellen Titeln steht man über Facebook in ständigem Kontakt mit den Usern, bekommt sofort Feedback. Als Entwickler ist das mindestens genauso erfüllend und spannend wie über eine lange Zeit an einem einzigen Projekt zu arbeiten“, zeigt sich Skaggs im futurezone-Interview überzeugt. Wie Cityville beweise, würden solche Games auch genügend Raum für mehr Komplexität und Spieltiefe bieten.

Zwei Jahre Spieledauer

Dass der Farmville-Hype bereits im Abklingen begriffen ist und sich die monatlichen Nutzerzahlen von 80 auf 40 Millionen fast halbiert haben, beunruhigt den Zynga-Manager wenig: „Wenn man die ‚Lebensdauer’ von Farmville mit traditionellen PC- und Konsolen-Games vergleicht, dann sind die Zahlen immer noch unschlagbar. Bei traditionellen Games beträgt die Aufmerksamkeitsspanne maximal ein paar Monate. Wenn dieses Fenster vorbei ist, ist das Spiel gelaufen.“ Farmville hingegen sei bereits seit zwei Jahren auf dem Markt und immer noch in den Top 3 der Facebook-Games zu finden.

Trösten kann sich Zynga ohnedies mit dem Farmville-Nachfolger Cityville, der die Bausimulation von der Farmumgebung in die Stadt übertragen hat. Mit den über 100 Millionen Usern, die das Facebook-Game am Höhepunkt ausprobierten, hält das Zynga-Spiel weiterhin den unangefochtenen Rekord. Aktuell verfügt es mit 90 Millionen Spielern monatlich über eine mehr als solide Userschaft. Pro Tag greifen laut AppData 20 Millionen User auf die Applikation zu.

Geschäftsmodell umstritten
Das Business-Modell von Zynga hingegen ist nicht unumstritten. Aus Analystensicht wird die zu enge Bindung an Facebook als problematisch empfunden, da Zynga von der sozialen Plattform abhängig ist. Gleichzeitig dürfte im Mai 2010 eine längerfristige Kooperation besiegelt worden sein, die die Gemüter in beiden Unternehmen beruhigte. Zum anderen wurde Zynga in der Vergangenheit auch für umstrittene Werbekooperationen mit Kreditkarten- und Schnäppchenanbietern kritisiert, mit denen User teilweise in Abofallen gelockt wurden.

Auch die Kosten für Zusatzfeatures in den Games wurden immer wieder kritisiert, zumal sehr viele Jugendliche die Spiele nutzen. Wer schnell weiterkommen will und besonders schöne Gegenstände und Zusatzfeatures nutzen will, muss virtuelles Geld erwerben, was entsprechende Kosten nach sich zieht. Diese Kritik lässt Skaggs allerdings nicht gelten: „Alle unsere Spiele können kostenlos genutzt werden. Wie bei den traditionellen Games besitzen Eltern zudem eine gewisse Verantwortung, was den Umgang der Kids mit Computerspielen und die Zeitspanne betrifft, in der sie spielen dürfen.“

2010 soll das Unternehmen zwischen 500 und 800 Millionen Dollar Umsatz erzielt haben. Für 2011 geistern sogar Zahlen von 1,8 Mrd. Dollar Umsatz und 630 Mio. Dollar Gewinn durch die Medien. Auch wenn diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind, werden da und dort aufgrund kolportierter Finanzierungsspritzen schon Stimmen laut, dass Zynga bereits mehr wert sein könnte als der große Game-Publisher Electronic Arts. Das erinnert stark an die derzeitige Markthysterie, die bei der Bewertung von gehypten Web-Unternehmen zum Tragen kommt.

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