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Geräte-Serie
12/14/2010

Flat-TVs: Viele Extras, wenig Sinnvolles

Dreidimensional, randbeleuchtet oder mit Internet-Anschluss: Im ersten Teil der vorweihnachtlichen Geräte-Serie gibt die FUTUREZONE einen Überblick über den technischen Stand bei Flat-TVs, welche Features nützlich sind und worauf man verzichten kann.

von Gregor Gruber

Das Weihnachtsgeld ist eine willkommene Finanzspritze, die nicht nur in Geschenke für andere investiert wird. So wird das eigene Wohnzimmer gerne mit einem aktuellen Flat-TV aufgewertet. Die große Auswahl an Modellen und die seitenweise Auflistung von Extras, mit denen die Hersteller auf Kundenfang gehen, macht die Entscheidung nicht gerade einfach. Die FUTUREZONE hilft bei der Suche nach dem passenden Gerät.

Display: Plasma, LCD oder LED
Das (offensichtliche) Hauptstück jedes Flat-TVs ist das Panel/Display. Derzeit sind drei Arten von Panelen gängig: Plasma, LCD und LED.

Plasma
Diese Technik lieferte sich bis vor etwa zwei Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit LCD und hat verloren. Plasma ist zwar noch nicht ausgestorben, aber auf dem Rückzug. Plasma-Displays finden sich vor allem in günstigeren Geräten mit Bildschirmdiagonalen von mehr als 40 Zoll. Ein Vorteil von Plasma ist der höhere Kontrast- und Schwarzwert. Das sorgt für natürliche und lebendige Farben.

Mit dem Start von 3D-TV erlebt Plasma ein kleines Revival: So bietet etwa Panasonic die aktuelle Modelle-Reihe "NeoPDP" (ab 1100 Euro) an. Dass der Stromverbrauch von Plasma höher ist als von LCD stimmt nicht immer: Plasma-TVs verbrauchen unterschiedlich viel Strom, je nachdem ob das Bild hell (hoher Verbrauch) oder dunkel (niedriger Verbrauch) ist. Zu beachten gilt, dass sich die Qualität von Plasma-TVs teils gravierend unterscheidet.

LCD

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Symbolische Darstellung von EDGE-LED (o.)
und FULL-LED (u.)
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LCD ist am weitesten verbreitet. Der Sieg über Plasma liegt unter anderem am Preiskampf der Hersteller - LCD-TVs mit 40 Zoll gibt es bereits ab 500 Euro. LCD-Modelle sind etwas lichtstärker als Plasma-TVs und deshalb auch für helle Räume und Fernsehen während des Tages geeignet, während Plasmas ihre volle Stärke in leicht abgedunkelten Räumen oder abends entfalten.

Durch die Vielfalt an LCD-Geräten gibt es aber auch deutliche Qualitätsunterschiede: So bieten aktuelle und höherpreisige Modelle eine bessere Bilddarstellung, etwa durch diverse elektronische Verbesserungsmaßnahmen oder eine Kontrastscheibe.

LED
Umgangssprachlich werden sie als LED-TVs bezeichnet, obwohl es sich dabei eigentlich um LCD-Geräte mit einer LED-Hintergrundbeleuchtung handelt. Durch die Verwendung von Leuchtdioden verbrauchen die Modelle weniger Strom als herkömmliche LCD-TVs.

Die meisten LED-TVs nutzen EDGE-LED. Hierbei sind die Leuchtdioden nur an den Rändern des Panels angebracht. Dadurch ist eine besonders flache Bauweise möglich, allerdings kann es zu einer unregelmäßig starken Ausleuchtung in der Bildmitte kommen. Bei FULL-LED befinden sich überall Leuchtdioden, die vom Gerät einzeln ein- oder ausgeschalten werden können (Local Dimming). Dadurch ergeben sich ähnlich gute Kontrastwerte und Schwarzdarstellung wie bei einem Plasma-TV.

Fazit: Display-Technologie
Wenn es das Budget erlaubt, ist ein FULL-LED-Gerät zu empfehlen. Denn EDGE-LED ist zwar besser als ein herkömmlicher LCD-TV, aber nicht optimal. Soll gespart werden, ist ein Plasma-TVeher für Filmliebhaber geeignet, während LCD-Geräte ganztags TV-Junkies zufrieden stellen.

Die Größe macht"s


Bevor jetzt in Web-Preisvergleichsportalen nach einem passenden Gerät gesucht wird, sollte man über die Wohnsituation nachdenken. Denn ein Flat-TV mit 50 oder 60 Zoll macht sich vielleicht gut im Wohnzimmer, kann aber bei zu geringem Abstand die Augen anstrengen, da nicht auf den gesamten Bildausschnitt fokussiert werden kann.

Eine allgemein gültige Regel für die Berechnung der optimalen Bildschirmdiagonale gibt es nicht, da diese von mehreren Faktoren abhängt: Abstand zum Flat-TV, Sehstärke des Nutzers und Auflösung. Denn je besser der Nutzer sieht, desto weiter sollte er vom Flat-TV wegsitzen, um nicht Pixel oder Bildfehler zu erkennen. Und je geringer die Auflösung des Materials ist, desto leichter sind Pixel auszumachen. Als Orientierungshilfe gilt: Bei einer Bildschirmdiagonale von 40 Zoll sollte man 2,50 bis drei Meter vom Flat-TV entfernt sein, bei 50 Zoll sind es drei bis 3,70 Meter und bei 60 Zoll 3,70 bis 4,50 Meter.

Ebenfalls zu bedenken bei der Geräte-Positionierung: Plasma-TVs haben einen etwas größeren Betrachtungswinkel als LCD-TVs, das Bild ist also auch noch gut zu sehen, wenn man leicht versetzt auf das Gerät schaut. Eine Lichtquelle, die direkt auf den Flat-TV scheint (z.Bsp. Fenster gegenüber Flat-TV), ist ebenfalls zu vermeiden, da die meisten Flat-TVs spiegelnde Scheiben haben. Zwar gibt es auch Modelle mit entspiegelten Scheiben, diese werden aber fast ausschließlich von Premium-Herstellern (Metz, Loewe) angeboten.

Auflösung und Bildrate


FullHD (1080p) ist mittlerweile Standard. Nur wenige, meist günstigere Modelle, setzen noch auf das HD-Ready-Format 720p. Wird das Gerät hauptsächlich für Fernsehen und DVDs genutzt, ist das durchaus ausreichend. Auch Videospiele der PS3 und Xbox360 sehen in 720p immer noch gut aus. Vorsicht ist vor niedrigeren Auflösungen geboten, wie sie teilweise noch bei günstigen Flat-TVs zu finden sind (zB 1024x768, 1024x720). Korrekt für 720p ist die Auflösung 1366x768.

Da das analoge Fernsehsignal speziell bei Bildschirmdiagonalen ab 40 Zoll ein Augengraus auf HD-Flat-TVs ist, sollte das Fernseh-Gerät per digitalem Kabelsignal, IPTV oder digitalem Satelliten gespeist werden. Die Bildqualität wird dadurch besser, aber echtes HD-Fernsehen gibts auch dann nur, wenn der Fernsehsender ein entsprechendes Signal ausstrahlt (etwa ORF HD, Arte HD, Sky HD).

Die Bildrate/Wiederholungsfrequenz wird in Hertz (Hz) angegeben. Das normale Fernsehsignal wird mit 50Hz ausgestrahlt. Mittlerweile ist bei aktuellen Flat-TVs 100Hz Standard. Hierbei errechnet das Fernseh-Gerät Zwischenbilder, damit das Fernsehprogramm ruckelfrei dargestellt wird. Es gibt auch Flat-TVs mit 200Hz und 400Hz. Der Unterschied zu 100Hz ist allerdings gering, weshalb dies kein zwingendes Kaufargument ist.

24p ist eine Sonderform der Wiederholungsrate, die auch im Kino verwendet wird. Blu-ray-Player und TV-Geräte, die 24p unterstützen, sollen die Filme so in einem möglichst authentischen Kinolook wiedergeben.

Fehlstart für 3D


Obwohl die großen Hersteller Philips, Panasonic, Sony, Samsung und LG 3D-taugliche Flat-TVs anbieten, ist 3D nur für wenige ein Kaufargument. Das hat mehrere Gründe: Zum Einen ist es vielen zu mühsam, die benötigten Shutter-Brillen zu tragen und dafür zu sorgen, dass deren Akku aufgeladen ist. Dazu kommt noch, dass die Brillen bei manchen 3D-Flat-TVs nicht dabei sind (die Geräte werden dann als "3D-Ready" bezeichnet) oder die Anzahl nicht für die ganze Familie reicht. Kinder benötigen übrigens eigene Shutter-Brillen.

Das größere Problem ist der Mangel an Inhalten. 3D-Fernsehen gibt es derzeit nur im Probebetrieb und die Umrechnung von 2D auf 3D der Flat-TVs liefert nur unbefriedigende Resultate. Selbst ein 3D-Blu-ray-Player erhöht das Angebot nur minimal: Derzeit sind weniger als 30 Blu-rays mit 3D-Content erhältlich, wovon viele nicht einmal echte Kinofilme, sondern Dokus, Kaminfeuer- oder Konzert-Aufzeichnungen sind.


Die 3D-Varianten einiger Kinofilme wurden von den Geräte-Herstellern lizensiert. So gibt es die räumlichen Versionen von Avatar, Coraline, Ice Age 3 und Monsters vs. Aliens nur in Verbindung mit einem Gerätekauf. Im Online-Auktionshaus eBay ist Avatar 3D derzeit nicht für unter 100 Euro zu bekommen. Abgesehen von TV-Testprogrammen und einer Handvoll Blu-rays gibt es auch einige, wenige Videospiele für PS3 und Xbox360, die 3-D unterstützen.

Für technikverliebte Käufer gilt: Bei den Spitzenmodellen der Hersteller ist 3D aber ohnehin dabei. Hat man vor, sich einen besonders hochwertigen Flat-TV zuzulegen, ist der 3-D-Modus quasi eine kostenlose Dreingabe.

Web am TV


Ein weiteres Argument, mit denen Hersteller für neue Flat-TVs werben, ist der Webzugang am TV. Per WLAN (manchmal ist ein optionaler Adapter nötig) oder Ethernetkabel wird das Gerät mit dem Internet verbunden. Ein echtes Websurfen ist nur bedingt möglich, das Web am TV ist meist auf Mini-Anwendungen, wie das Abrufen von Wetter, Nachrichten und YouTube-Videos begrenzt.

Ähnlich wie beim Handy handelt es sich um einen reduzierten YouTube-Browser, der nicht alle Optionen bietet. Wer einen vollwertigen Internet-Zugang am TV haben will, ist besser beraten, wenn der PC oder Laptop per HDMI-Anschluss mit dem Flat-TV verbunden werden.

DLNA wird von den Herstellern als Plug-and-Play-Lösung für die Einbindung des Flat-TVs in das Heimnetzwerk beschrieben. Dieser Standard ermöglicht es dem Flat-TV auf Inhalte einer Netzwerkfestplatte oder eines Computers zuzugreifen und diese zu streamen. Beim Streaming wird der Inhalt über das Netzwerk zum Flat-TV übertragen, bleibt aber weiterhin am Original-Ort, wie etwa einer Netzwerkfestplatte, gespeichert.

In der Praxis funktioniert das nur bedingt, da nicht alle Video- und Audioformate und Auflösungen unterstützt werden. Eine Möglichkeit ist eine Encoder-Software zu verwenden, die Videos und Musik auf ein für den Flat-TV geeignetes Format umrechnet - dies erfordert allerdings einen starken Rechner. Die (nicht kabellose) Alternative ist hier erneut den Computer per HDMI-Anschluss an den TV anzuhängen.

Anschlüsse und Extras


Besonders wichtig sind: Möglichst viele HDMI-Anschlüsse. Diese werden benötigt, um Spielkonsolen, Hard-Disc-Recorder, HD-Settop-Boxen und Receiver mit dem Flat-TV zu verbinden. 3D-Flat-TVs nutzen den Standard HDMI 1.4, da dieser für das dreidimensionale Signal benötigt wird. Gewöhnliche Flat-TVs haben HDMI 1.3.

Viele aktuelle Modelle haben bereits Tuner für den Empfang digitaler Signale eingebaut: DVB-T (Antenne), DVB-S (Satellit) und DVB-C. Will man diese nutzen, um auf den Satelliten-Receiver zu verzichten, sollte darauf geachtet werden, dass der Flat-TV einen Slot für CI+-Karten hat. CI+ ist zwar umstritten, weil es den Sendern ermöglicht, die Aufnahme von Sendungen zu sperren, soll aber dennoch zukünftig der Standard für Satelliten-Smartcards werden. Für das digitale Antennenfernsehen soll DVB-T2 zum Einsatz kommen. Das ist derzeit noch im Testbetrieb, zudem gibt es kaum Flat-TVs, die bereits DVB-T2 eingebaut haben.

Ein durchaus sinnvolles Extra sind eingebaute Festplatten in den Flat-TVs, die die Aufnahme von Sendungen und zeitversetztes Fernsehen ("Timeshift") erlauben. Einige Hersteller bieten zudem USB-Recording an. Dazu wird ein USB-Stick am Flat-TV angesteckt, um darauf Sendungen aufzeichnen zu können. Die Aufnahmen können allerdings nur am Flat-TV wiedergegeben werden - ein Betrachten am Computer ist nicht möglich.

(Gregor Gruber)

Die Bildschirmdiagonale des Flat-TVs sollte der Wohnsituation angepasst sein


Umrechnung:
1 Zoll = 2,54cm
40 Zoll = 101,60cm
50 Zoll = 127cm
60 Zoll = 152,40cm

FullHD-Logo

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