Mercedes E-Klasse bekommt gigantischen Touchscreen
So gefährlich sind Touchscreens in Autos
Auf den Armaturen von Autos waren einst Knöpfe und Schalter angebracht, wo sich heute riesige Touchscreens befinden. Das mag seine Vorteile haben, weil darauf mehr Platz für das Navigationssystem vorhanden ist. Wer etwas bedienen will, kann den Schalter aber nicht ertasten und muss aktiv hinsehen.
Die University of Washington untersuchte daher mit dem Toyota Research Institute, wie sehr Fahrer abgelenkt werden, wenn sie die Touchflächen benutzen. Die Testpersonen nahmen dazu in einem Fahrsimulator Platz und mussten bestimmte Aufgaben auf einem Touchscreen erledigen.
Sensoren verfolgten dabei ihre Blicke, Fingerbewegungen und Pupillendurchmesser - Letzteres ist eine gängige Methode zur Messung geistiger Belastung. Pupillen neigen dazu, sich zu vergrößern, wenn sich Menschen konzentrieren.
Bedienung während Gedächtnistest
"Wir alle wissen, dass es gefährlich ist, während der Fahrt das Handy zu benutzen", sagte Co-Autor James Fogarty in einer Aussendung. "Aber wie sieht es mit dem Touchscreen im Auto aus? Wir wollten diese Interaktion verstehen, um Schnittstellen speziell für Autofahrer entwickeln zu können."
Bei den Tests mussten die Teilnehmer verschiedene Flächen anklicken - so als würde man den Touchscreen bedienen - während sie verschieden schwierige Gedächtnistests durchliefen. Dabei wurden ihnen Zahlen über Lautsprecher vorgespielt, die sie wiederholen mussten. Das sollte eine kognitive Belastung simulieren.
Fahrleistung und Touchscreenbedienung verschlechterten sich
Die Ergebnisse waren ernüchternd:
- Bei der Nutzung des Touchscreens drifteten die Teilnehmer 42 % häufiger in ihrer Spur hin und her. Eine erhöhte kognitive Belastung hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse.
- Die Genauigkeit und Geschwindigkeit der Touchscreenbedienung sank beim Fahren um 58 % und bei hoher kognitiver Belastung um weitere 17 %.
- Jeder Blick auf den Touchscreen war bei hoher kognitiver Belastung um 26,3 % kürzer.
- Das Phänomen "Hand vor Auge", bei dem die Probanden nach einer Schaltfläche griffen, bevor sie sie ansahen, stieg mit der Einführung von Gedächtnisaufgaben von 63 % auf 71 %.
- Eine Vergrößerung der Schaltflächen verbesserte die Fahrleistung bzw. die Genauigkeit der Bedienung nicht.
Die Forscher schlagen deshalb vor, dass künftige Touchscreensysteme in Autos Sensoren verwenden sollen, um die Aufmerksamkeit und kognitive Belastung der Fahrer zu messen. Auf Basis dessen könnte man dann die Schaltflächen anpassen.
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