Digital Life
24.02.2011

Givester: Suchmaschine für Geschenke

Ein Web-Dienst, der rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft gestartet ist, soll das österreichische Google für Packerl-Jäger werden. Auf Basis eines Partnerprogramms werden knapp 60 deutschsprachige Online-Shops nach ungewöhnlichen Überraschungen durchstöbert.

Ein passendes Weihnachtsgeschenk für eine 32-jährige Freundin, das ausgefallen, aber auch persönlich ist und ihre Genießerseite anspricht? Auf eine Anfrage wie diese will die neue Suchmaschine http://Givester.de Antwort geben. Gegründet von den zwei Österreichern Mathias Schindler und Christian Budschedl, soll der junge Web-Dienst zur ersten Anlaufstelle für Geschenkesuchende Raum werden. "Wir bieten einen Überlick über alle relevanten, deutschsprachigen Geschenke-Shops", sagt Schindler im FUTUREZONE-Gespräch. Derzeit könne er sich über etwa 1500 Besucher pro Tag freuen, die seine Suchmaschine anwerfen.

Givester, das nach einem Jahr Entwicklungszeit (und ohne Investorengelder) online gegangen ist, durchsucht derzeit 58 Online-Shops. Vom Erlebnisgutschein bis zum handgefertigten Brettspiel sind derzeit exakt 4135 Produkte und Dienstleistungen auffindbar, die zwischen fünf und mehreren tausend Euro kosten können. Die Ware wird vom Givester-Team per Hand ausgesucht, das heißt, es kommen nur Angebote in die Datenbank, die als außergewöhnliches Geschenk taugen.

Der Start zu Weihnachten kommt nicht von ungefähr. "In dieser Jahreszeit explodieren die Conversionrates, es gibt Online-Händler, die machen die Hälfte ihres Jahresumsatzes in diesen Wochen", sagt Schindler. "Wir haben aber versucht, anlassunabhängig zu funktionieren: Bei uns gibt es auch Ideen für den Vatertag, Muttertag, Valentinstag, Geburtstag, Schwangerschaften und Hochzeiten." Im Rest des Jahres erwartet er sich 50 Prozent des Weihnachts-Traffics.

"Wenn alles gut läuft, sitze ich in zwei Jahren mit meinem Notebook auf Mauritius und betreue die Webseite zwischen meinen Kite-Surfing-Sessions", träumt Schindler von einer erfolgreichen Zukunft.

Stöbern im Sortiment

"Mit Google würden wir uns nicht einmal ansatzweise vergleichen", sagt Schindler. "Wir haben einen Algorithmus, der die Gewichtungen der Kategorien berechnet und mit den Produkten abgleicht." In die Formel fließt in Zukunft auch das Kaufverhalten der Nutzer ein, um neuen Kunden genauere Empfehlungen gebe zu können. "Da schrauben wir täglich daran." Ganz zielsicher sei die Suchfunktion derzeit noch nicht. "Zu 80 Prozent kommen coole Tipps, in 20 Prozent der Fälle kommen noch unpassende Sachen", sagt Schindler. "Das ist deswegen so, weil wir die Produkte in weiche Kriterien wie "kreativ" oder "ausgefallen" einteilen müssen und diese Kriterien für jeden etwas anderes bedeuten."

Derzeit können die Nutzer die Suche nach acht Kriterien (Alter, Geschlecht, Geschenketyp, Anlass, Interessen, etc.) einschränken. Damit sich Givester von den zahllosen Preisvergleich-Seiten im Web abgrenzen kann, wurden die Produkte mit neuen, aussagekräftigen Namen versehen - was Givester im Google-Ranking nach oben brachte.

"Die Entstehungsgeschichte ist ziemlich unromantisch: Nach zehn Jahren bei einer Online-Agentur wollte ich etwas Neues ausprobieren", sagt Schindler. "Ich wollte nicht das nächste Facebook oder Twitter schaffen, sondern ein gemütliches Service, das den Leuten etwas bringt und in der Wartung pflegeleicht ist." Wenn Givester.de einmal gut läuft, wäre es für ihn durchaus vorstellbar, das nächste Start-up auf die Beine zu stellen.

Affiliate-Programme als Fundament

"Unser Geschäft ist eigentlich das gleiche eines Handelsvertreters oder Staubsaugerverkäufers", sagt Schindler. Denn Basis seiner Suchmaschine sind Affiliate-Programme, die Vermittlungsprovisionen für Givester abwerfen. "Mit Tupperware-Partys will ich das aber nicht verglichen wissen, weil das sind klassische Pyramidenspiele." Kauft ein Kunde, der von Givester weitergeleitet wurde, in einem der Partner-Shops ein Geschenk, bekommt Givester einen prozentuellen Anteil zwischen 6 und 25 Prozent.

Die technische Abwicklung (es werden Cookies gesetzt) und die Auszahlung der Provisionen übernehmen vier Affiliate-Netzwerke:: AffiliNet, Belboon, Webgains und Zanox. Mit dem Branchenriesen Amazon hingegen würde man nicht zusammen arbeiten wollen. "Amazon hat so eine Marktmacht, dass deren Partner-Programm für uns ziemlich unattraktiv ist, weil sie so wenig Provision zahlen", sagt Schindler.

Abwerfen würden die Affiliate-Programme genug, um die Gehälter des Zweier-Teams sowie einer Teilzeitkraft zu zahlen. "Derzeit kaufen von hundert Besuchern der Seite fünf ein Geschenk", sagt Schindler. Somit hätte Givester eine bessere Conversionsrate als viele andere Anbieter, die oft bei drei Prozent liegen würden. "Wenn wir in einem Jahr zehn Mal mehr Besucher auf unsere Seite locken können, dann klappt das mit Mauritius."

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(Jakob Steinschaden)

Im Rahmen der Serie Start-up-Geschichten berichtet die Futurezone über aktuelle Entwicklungen bei heimischen Start-ups und porträtiert junge Unternehmen und frische Internet-Ideen.