Digital Life
03.04.2017

Google: Problem mit Werbung bei Nazi-Videos ist übertrieben

In der Krise um Werbung, die bei YouTube neben extremistischen Videos auftauchte, geht Google in die Gegenoffensive: Das Thema werde aufgebauscht.

Google sieht sich nach dem Eklat um die Platzierung von Werbevideos neben extremistischen Videos unverhältnismäßig an den Pranger gestellt. Nur ein „winziger“ Anteil der Anzeigen sei davon betroffen gewesen, sagte Google-Manager Philipp Schindler der Website Recode. So sei es bei großen Werbekunden um weniger als 0,001 Prozent der ausgespielten Werbeclips gegangen, erklärt der Internet-Konzern. Zugleich stünden diese Fälle aktuell sehr stark im Fokus, sagte Schindler: „Das Problem kommt daher, dass jemand es aggressiv auf die erste Seite setzt.“

Das Problem bekam breite Öffentlichkeit nach einem Bericht der Londoner „Times“. Unter anderem die BBC, die amerikanischen Telekom-Konzerne Verizon und AT&T, der Konsumgüter-Riese Johnson & Johnson, Ford und die Bank JP Morgan Chase kündigten darauf an, ihre Anzeigen bei YouTube auszusetzen. Google erklärte Recode, einige Marken hätten ihre Drohung nicht wahrgemacht, andere seien zurückgekehrt, man nenne aber grundsätzlich keine Namen.

Ein Teil des Problems ist, dass Werbeplätze im Umfeld von YouTube-Videos weitgehend automatisiert über diverse Marktplätze befüllt werden. Dabei können die Werbekunden bestimmte Zielgruppen auswählen, die ihre Anzeigen zu sehen bekommen sollen. Dabei rutschten allerdings zum Teil auch Videos durch, neben denen eine Marke nicht gesehen werden möchte.

Mehr Kontrolle

Die Google-Videoplattform gab Anzeigenkunden nun mehr Kontrolle darüber, wo ihre Werbung zu sehen ist, Außerdem gibt es nun mehr Kategorien von Videos, neben denen grundsätzlich keine Werbung angezeigt wird.

„Wenn man sich das aus der Perspektive eines Werbekunden ansieht, sind die Fehlerquoten, von denen wir hier reden - und ich sage das mit aller Vorsicht, weil ich von der Wichtigkeit des Problems und dass wir darin besser werden müssen, nicht ablenken will - aber diese Zahlen sind winzig, winzig“, sagte Schindler Recode. Zugleich habe die gesamte Branche dieses Problem in größerem Maßstab seit längerer Zeit. Was jetzt aber anders sei: „Mehr öffentliche Aufmerksamkeit liegt auf einem prozentuell gesehen sehr kleinen Problem.“