Digital Life
29.04.2018

Gratis-Einkauf für 5 Sterne: Das Geschäft mit Online-Bewertungen

Obwohl gekaufte Bewertungen mittlerweile verboten sind, holen sich Online-Händler immer noch mit Tricks positives Feedback.

Online-Bewertungen eilt ein schlechter Ruf voraus, doch sie sind nach wie vor ein entscheidender Faktor bei vielen Konsumenten. Einer GfK-Studie zufolge beeinflussen Online-Bewertungen bei 31,9 Prozent der Konsumenten die Kaufentscheidung. Besonders junge Nutzer legen große Wert auf Vorerfahrungen aus dem Internet. Doch wie eine Recherche der BBC zeigt, gibt es auch heute noch wesentliche Probleme mit Online-Bewertungen.

Online-Versandhändler Amazon geht bereits seit Jahren gegen gefälschte Bewertungen vor und verklagte auch gezielt Anbieter derartiger Dienstleistungen. Bewerten gegen Bezahlung ist bereits seit längerer Zeit verboten, doch erst seit 2016 wird auch gegen „Anreiz“-Bewertungen vorgegangen. Dabei erhielt der Kunde das Produkt kostenlos, wenn er im Gegenzug eine Bewertung abgibt - im besten Fall natürlich so positiv wie möglich.

Im "Untergrund"

Die Regel habe das Problem aber laut BBC nicht behoben, sondern lediglich die Akteure dazu gezwungen, ihre Dienste „im Untergrund“ anzubieten. Demnach hätten sich bereits zahlreiche private Facebook-Gruppen gebildet, in denen Händler ihre Produkte anbieten und den Tausch Bewertung gegen Gratis-Einkauf bewerben. „5 Sterne sind besser für uns. Unsere Marke ist uns wichtig, wir werden Ihnen ihren Kaufpreis erstatten, wie versprochen. Alle meine Unternehmen machen das gleich“, schrieb eine Firma, die die Journalisten der BBC auf Facebook kontaktierte.

Welche Personen hinter den Angeboten steckten, war unklar. Meist wurde offenbar ein Firmenprofil genutzt. Die Unternehmen wollten gegenüber der BBC offenbar keine Stellungnahme abgeben. 

Positiver Einfluss auf Umsatz

Auch der Kauf von Bewertungen ist nach wie vor relativ einfach. Die BBC erwarb über eine eBay-Anzeige eine positive Bewertung auf der Webseite Trustpilot. Sowohl eBay als auch Trustpilot betonten, dass man derartige Dienstleistungen nicht dulde und aktiv dagegen vorgehe.

Der Kampf gegen gekaufte Bewertungen wird dementsprechend wohl noch weitergehen. Der Anreiz für Online-Händler ist hoch, da eine hohe Platzierung dank positiver Bewertungen große Auswirkungen auf die Umsätze haben kann. Maria Menelaou, Besitzerin eines Fish-and-Chips-Geschäfts in Blackpool, verzichtet vollständig auf traditionelle Werbung und setzt auf positive Bewertungen. Diese hat sie nicht gekauft, sondern ehrlich verdient, wodurch sie auch auf Rang eins in ihrer Kategorie vorstoßen konnte. „Es bringt uns sehr viele Kunden und macht wirklich einen Unterschied. Traditionelle Werbung machen wir überhaupt nicht mehr.“