Digital Life
24.06.2018

Hacker umgeht Passcode auf iPhones und iPads

© Bild: AP / Carolyn Kaster

Werden die Passcode-Anfragen über einen Umweg eingegeben, lassen sich unendliche viele Passcode-Varianten ausprobieren.

Der Passcode, mit dem iPhones und iPads entsperrt werden, kann umgangen werden. Mit Hilfe einer recht einfachen Brute-Force-Attacke lassen sich offenbar selbst aktuelle iOS-Geräte entsperren. Laut dem Sicherheitsforscher Matthew Hickey vom Cybersecurity-Unternehmen Hacker House benötigt man dazu lediglich ein iPhone, das eingeschaltet ist und ein Lightning-Kabel samt Computer.

Um die Brute-Force-Attacke auszuführen, wird der Passcode nicht wie üblich über den Touchscreen des iOS-Gerätes, sondern über die Kabelverbindung am Computer eingegeben. Hickey will herausgefunden haben, dass das iPhone einen "interrupt request" erzeugt, wenn ein Passcode über das Keyboard eingegeben wird. Dieser erhält Vorrang, sodass das iOS-Gerät zu beschäftigt ist, um die Daten auf dem iPhone zu löschen.

Brute Force

Lässt ein Angreifer also zahlreiche Passcode-Anfragen automatisiert ausführen, können unendlich viele Passcodes ausprobiert werden. Theoretisch können auf diese Weise so viele Passcode-Möglichkeiten eingegeben werden bis der richtige PIN gefunden ist. Es wird vermutet, dass eine ähnliche Vorgangsweise angewandt wird, wenn Unternehmen wie Cellebrite oder GrayKey von Behörden angeheuert werden, iOS-Geräte zu entsperren. Für gewöhnlich lassen sich maximal zehn Passcode-Anfragen ausprobieren, bis die Daten auf dem iPhone  oder iPad gelöscht werden.

Apple behauptet in einer ersten Stellungnahme Hickeys Methode funktioniere nicht und er habe bei dem Hack Fehler gemacht. In der Tat hat Hickey im Nachhinein herausgefunden, dass einige Passcode-Anfragen nicht gezählt wurden. Dennoch wäre es theoretisch möglich, iPhones und iPads auf diese Weise zu entsperren - vorausgesetzt Zeit spielt eine untergeordnete Rolle.

Neues Sicherheitsfeature in iOS 12

Obwohl Apple die Sicherheitslücke herunterspielt, dürfte sie dem Unternehmen schon länger ein Dorn im Auge sein. Denn im kommenden iOS 12 wird der Zugriff per Kabel auf iOS-Geräte eingeschränkt. Das neue Feature mit dem Namen "USB Restricted Mode" verweigert dann den kabelgebundenen Zugriff, wenn das iPhone länger als eine Stunde nicht wie gewöhnlich per Passcode entsperrt wurde. Da eine derartige Brute-Force-Attacke weit länger als eine Stunde dauert, könnte ein iOS-Gerät nicht mehr auf diese Weise entsperrt werden.