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Frankreich Harte Strafen für Kinderfotos auf Facebook & Co..

Auch in Deutschland warnte die Polizei davor, Fotos von Kindern auf Facebook  zugänglich zu machen. Vielen Kinder sind die vermeintlich „süßen“ Schnappschüsse peinlich.
Auch in Deutschland warnte die Polizei davor, Fotos von Kindern auf Facebook  zugänglich zu machen. Vielen Kinder sind die vermeintlich „süßen“ Schnappschüsse peinlich. - Foto: APA/dpa/Monika Skolimowska
In Frankreich drohen Eltern, die Fotos ihrer Kinder im Netz posten, Strafen bis zu 45.000 Euro oder einem Jahr Haft. Auch in Österreich müssen Eltern mit Konsequenzen rechnen.

Babys, die lachend auf dem Töpfchen hocken, über den Fellteppich krabbeln oder sich gegenseitig an den Haaren ziehen. Kinderfotos boomen auf Facebook und anderen Online-Netzwerken. Die wenigsten Eltern bedenken jedoch, dass sie ihrem Nachwuchs damit auch Probleme bereiten können. Denn was für Eltern heute „süß“ ist, kann für die  Teenager von morgen hochgradig peinlich sein. Französische Behörden haben deshalb Eltern davor gewarnt, Fotos ihres Nachwuchses im Internet zu veröffentlichen. Falls Kinder später gegen die Schnappschüsse auf Facebook & Co. klagen, drohen Eltern in Frankreich im Extremfall Strafen bis zu 45.000 Euro oder bis zu  einem Jahr Haft.

Vielen Eltern sei gar nicht bewusst, was Kinderfotos im Netz anrichten und welchen Schaden Kinder dadurch erleiden könnten, sagt die Medienpädagogin Barbara Buchegger von der Initiative Saferinternet.at zur futurezone. Ihr seien Fälle von Teenagern bekannt, die von Mitschülern wegen Babyfotos aufgezogen würden. „In einem Fall ging das bis an die Grenze zum Cyber-Mobbing“, erzählt Buchegger.

Rücksichtslose Eltern

„Wir haben jetzt die erste Generation, die in Zukunft auf breiter Basis  mit ihren eigenen Kinderfotos im Internet konfrontiert werden kann“, meint Buchegger.  Viele Eltern würden aber keine Rücksicht darauf nehmen, ob ihre Sprösslinge fotografiert werden wollen oder nicht. Die Zustimmung zum Teilen der Fotos in Online-Netzwerken, werde von den wenigsten Kindern eingeholt. „Wenn man mit Kindern darüber spricht, erfährt man relativ schnell, dass  viele damit gar nicht einverstanden sind“, sagt  Buchegger. Sie rät Eltern mit ihren Kindern auf jeden Fall zu besprechen, welche Fotos von ihnen im Internet veröffentlicht werden sollen. „Kinder wollen gefragt werden, bevor jemand ein Foto von ihnen online stellt. Das gilt auch schon im Kindergartenalter“,  sagt Buchegger: „Kinder sind viel weiter und visuell kompetenter, als es ihnen zugetraut wird und können besser als ihre Eltern abschätzen, welche Fotos für sie zum Problem werden können.“

Vorbildwirkung

Werde das  Teilen  der Bilder  thematisiert,  würden Kinder auch ein Gefühl für Online-Netzwerke und die dadurch entstehende Öffentlichkeit bekommen, sagt Buchegger. Sie erzählt davon dass sie in Volksschulen immer wieder auf Kinder trifft, deren Einwände in Bezug auf Familienfotos auf Facebook von Eltern nicht gehört würden und die deshalb bereits resigniert hätten. „Das kann später dazu führen, dass sie selbst peinliche Fotos anderer Leute verbreiten, um sie zu ärgern“, sagt Buchegger, die unter der Internet-Adresse fragbarbara.at  Eltern Ratschläge für den Alltag im Internet gibt.

Konsequenzen auch in Österreich

„Eltern greifen mit der Veröffentlichung von Fotos in Online-Netzwerken in die höchstpersönlichen Rechte ihrer Kinder  ein“, sagt der Anwalt Lukas Feiler von der Wiener Kanzlei Baker & McKenzie. Klagen sind laut Feiler auch in Österreich denkbar.  Kinder könnten etwa, wenn sie älter sind, gegen auf Facebook veröffentlichte Fotos vorgehen. Nach dem Datenschutzrecht droht Eltern dabei eine Verwaltungsstrafe von bis zu 10.000 Euro, möglich sei auch eine Klage wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten, konkret dem Recht auf das eigene Bild, sagt Feiler:  „Klassische Babyfotos oder Bilder vom ersten Schultag  sind wahrscheinlich kein Problem, Bilder, die bloßstellenden Charakter haben, aber sehr wohl.“

Ob Fotos dabei nur einer begrenzten Gruppe oder allen Nutzern zugänglich gemacht würden, sei in der Praxis schwer zu überprüfen, sagt der Anwalt. „Man sollte davon ausgehen, dass alles was auf Facebook ist, öffentlich ist.“

(futurezone) Erstellt am 09.05.2016, 17:24

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