© Jeff Weese

GPS
12/20/2010

Jesuskind mit Satellitenortung

Zumeist stecken Streiche oder Vandalismus dahinter, wenn Figuren aus kirchlichen Krippenszenen verschwinden. Einige Glaubensgemeinschaften in den USA gehen nun mit GPS-Trackern gegen die Diebe vor.

In Everly, einem 650-Seelen-Ort in Iowa, kam die Polizei vergangene Woche drei Jugendlichen auf die Spur, die vermeintlich eine Weihnachtskrippe verwüsteten und eine der Figuren mitgehen ließen. Fußabdrücke im Schnee hatten den Ermitteln den Weg gewiesen. Die Figur blieb jedoch verschwunden. Tausend Kilometer weiter westlich, in Fort Collins, im Bundesstaat Colorado, sind Jesukind samt Mariafigur abgängig, letztere war sogar am Boden festgenagelt.

Von den Dieben fehlt jede Spur. Ähnlich erging es auch der Guiding Light Baptist Church in der Unistadt Elon, in North Carolina. Die Jesusfigur war zwar vorsorglich mit Draht befestigt, doch die Diebe rückten mit einer Beißzange an.

Satellitentechnik gegen Diebe

Eine ganze Reihe an Kirchen, Synagogen und Gemeindezentren in den USA trifft inzwischen Vorkehrungen. Mit Hilfe moderner Satellitentechnologie will man Dieben ein Schnippchen schlagen. Kleine GPS-Empfänger, versteckt im Bauch von Krippenfiguren oder befestigt an der Chanukkia, sollen gemeinsam mit versteckten Kameras helfen, den Übeltätern auf die Spur zu kommen.

Zumeist ist es die Jesusfigur, die entwendet wird, was an der handlichen Größe liegen dürfte. Doch nicht nur: der Pfarrer von Glen Ellyn, einem Vorort von Chicago, fand vor ein paar Jahren die Weihnachtskrippe nahezu leergeräumt vor. Nur bei zwei ihrer Heiligen Drei Könige hatte die Gemeinde Glück. Sie tauchten auf einer Schipiste wieder auf.

Kostenloser Geräteverleih

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Das New Yorker Unternehmen Brickhouse Security kümmert sich seit fünf Jahren darum, dass Glaubensgemeinschaften zur Weihnachtszeit Zugang zu entsprechender Satellitentechnologie haben. Gründer Todd Morris und sein Team verleihen GPS-Geräte - eine knapp acht Zentimeter große Ortungseinheit - sowie Videokameras gratis an gemeinnützige Organisationen im ganzen Land.

Sobald ein Objekt außerhalb eines festgelegten Radius, des sogenannten "geofence", gelangt, wird Alarm ausgelöst und die Krippenbesitzer erhalten E-Mails und SMS.

Im letzten Jahr verteilte Brickhouse Security 30 GPS-Einheiten. Heuer wurden 100 Stück bereitgestellt. "Verschickt haben wir allerdings nur 60, nicht ganz so viele wie gehofft", erklärt Chef Morris gegenüber der FUTUREZONE. Ein Grund könnte sein, dass sich viele weiterhin lieber auf Rechtschaffenheit verlassen, so etwa im Weihnachtsstädtchen McAdenville in North Carolina, wo die Verantwortlichen trotz zehntausender Besucher jedes Jahr auf Anti-Diebstahl-Technologie in der (weiterhin vollzähligen) Krippe verzichten.

Ein Angebot, das jenem von Brickhouse Security ähnelt, gibt es auch von Spygadgets, einem Unternehmen aus Tucson, Arizona. Das verliehene GPS-Gerät, das sich auch für Fahrzeugortungen eignet, ist rund zwölf Zentimeter groß, und wird kostenlos an Kirchen in der Region verschickt.

Melchior testweise entführt

Die morgendliche Nachrichtensendung "Good Morning America" machte heuer die Probe aufs Exempel. Ein Kamerateam packte eine Melchior-Figur ins Auto und führte sie in einer Pizzeria in Long Island aus. Mittels GPS-Tracker waren der Pfarrer und ein zweites Kamerateam dem Weisen aus dem Morgenland rasch auf der Spur.

Neu sind die Diebstähle rund um Krippenfiguren übrigens nicht. Die Krimisendung "Stahlnetz" widmete bereits im Jahr 1953 eine ganze Folge einer verschwundenen, weihnachtlichen Jesusfigur. Als darin der TV-Pfarrer den Verfall der Sitten bedauert, lassen die Drehbuchschreiber den Polizisten entgegnen: "Wenn nicht zumindest manche Leute stehlen würden, wären Sie und ich ja arbeitslos."

(Alexandra Riegler)

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