KI-Videos von Chuck Norris und Jesus und Jesus auf Feuerlöwen.

Beispiele von TikTok

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Digital Life

„Shrimp Jesus“ war erst der Anfang: Neuer Hype auf TikTok

Jesus reitet auf einem gigantischen Feuerlöwen, er macht Chuck Norris zum Engel oder wird vom Teufel im Boxring gewürgt: Religiöser Content und KI-Videos scheinen überraschend gut zusammenzupassen, wie unzählige derartige Inhalte nahelegen. Die Aufrufzahlen zeigen, dass Hunderttausende und manchmal sogar Millionen Menschen diese Videos anschauen.

Während TikTok und Instagram seit jeher zur Verbreitung religiös motivierter Botschaften genutzt werden, haben die Ersteller nun KI-Videos für sich entdeckt. Eine Kategorie, die viele von uns eher mit gefälschten Tiervideos und bizarren Motiven wie tanzenden Erdbeer- und Spiegeleibabys verbinden.

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KI-Videos sind gefragt

Wie The Verge aufgefallen ist, zeigen zahlreiche Jobangebote auf Freelance-Plattformen wie Fiverr oder Upwork, dass religiöse KI-Videos momentan sehr gefragt sind. Auf Upwork suchte im April etwa ein „wachsender christlicher YouTube-Kanal“ nach einem Freelancer, der vorgegebene Drehbücher mit Nano Banana und HeyGen umsetzt, zwei bekannte Generatoren für KI-Videos.

Vorgegebenes Drehbuch

Der Arbeitsauftrag ist klar: „Jedes Video beginnt mit einem vollständig ausgearbeiteten Skript und einem sprechenden HeyGen-Avatar. Ihre Aufgabe ist es, das Ganze visuell zum Leben zu erwecken“, heißt es in der Jobbeschreibung. Ein sprechender Avatar namens „Pater Daniel“ soll in den Videos zum Publikum sprechen. Entstehen sollen „KI-generierte Bilder und Szenen, die zur Erzählung passen: historische Bilder von Padre Pio, stimmungsvolle Kirchenszenen, dramatische filmische Bilder“. Padre Pio war ein italienischer Ordenspriester, der schon zu Lebzeiten stark verehrt wurde. Er wurde 2002 heiliggesprochen, obwohl er bereits in den 1920er Jahren die faschistische Bewegung in Italien unterstützt hatte.

Auf der Plattform fand die futurezone zahlreiche weitere derartige Jobangebote. Die meisten Videos findet man auf TikTok. Die Palette reicht von imposanten himmlischen Szenen bis hin zu Teufelsbegegnungen. Es gibt fotorealistische und cartoonartige Szenen. Meist folgen sie einem für KI-Slop typischen Muster: übertriebene Emotionen und plötzlich eskalierende Szenen, begleitet von sentimentaler Musik

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Erlöser und Erretter 

Ein sehr beliebtes Motiv ist etwa „Jesus als Erlöser“: meistens ein langhaariger Mann in weißer Tunika, der Menschen im Himmel empfängt. So wie in diesem KI-Video: Eine Frau läuft auf einer „Himmelstreppe“ empor. In anderen Videos heilt Jesus kranke Kinder oder erweckt tote Tiere wieder zum Leben.

Teufel und Zombie-Apokalypse

Nicht selten sind die Videos aber auch düster: Dann kommt etwa der Teufel vor. In diesem Video erscheint ein Teufel im Wohnzimmer einer Frau, die gerade auf der Couch schläft. Als der Teufel dann den Couchtisch in Brand steckt, erscheint „Jesus“, der den Teufel vertreibt und den Brand löscht.

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Andere Szenen sollen zwar wahrscheinlich eine positive Botschaft verbreiten, wirken aber eigentlich gruselig. So wie dieses Video: Jesus erweckt Tote wieder zum Leben, die wie Zombies aus ihren Gräbern klettern.

Die Videos widmen sich neben Jesus aber auch anderen biblischen Themen. Etwa bildgewaltigen Darstellungen des Baus der Arche Noah, auf der Tiere dann paarweise ihrer Rettung entgegensegeln.

Oft sind die Videos klar als KI-generiert gekennzeichnet. Das unterscheidet sie von vielen anderen KI-Inhalten, etwa Tiervideos. Manchmal werden in den Accounts andere Angebote wie Webseiten, WhatsApp-Gruppen, Spotify-Profile mit Predigten oder Webshops verlinkt. Auch deutschsprachige Videos gibt es zuhauf. 

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Erinnerungen an Shrimp Jesus

Komplett neu ist das Phänomen nicht: Bereits im April 2024 sorgte etwa „Shrimp Jesus“ für Aufsehen – Bilder eines aus Garnelen zusammengesetzten Jesus, die religiöse Symbolik mit surrealer Seafood-Ästhetik verbanden.

„Shrimp Jesus“ wurde zum traurigen Sinnbild für KI-Slop – aber auch zum Meme: Obwohl die meisten die Bilder als ironischen Kommentar zu sinnlosem KI-Content teilten, gab es auch religiöse Nutzer, die ihn aus spirituellen Motiven verbreiteten. Schon damals zeigte sich, dass religiöse KI-Motive algorithmisch besonders gut funktionieren.

Die jetzigen Videos beschränken sich übrigens nicht auf das Christentum: Es gibt auch welche, die hinduistische Gottheiten als übermächtige Figuren zeigen, oder Buddha, der Kranke heilt. Vom Islam gibt es wenige, denn Gottesdarstellungen sind dort nicht erlaubt.

Gläubige scheinen mit den künstlichen Bildern endlich ein schnelles Mittel gefunden zu haben, den Geschichten eine konkretere Gestalt zu geben. Kritik gibt es aber nicht nur am Inhalt, sondern auch am Ressourcenverbrauch solcher KI-Produktionen. Laut Futurism verbraucht die Erstellung eines 5 Sekunden langen anspruchslosen KI-Videos genauso viel Strom wie eine Mikrowelle, die eine Stunde lang im Betrieb ist.

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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