Kinder zu gutgläubig im Netz

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Kinder zu gutgläubig im Netz
04/06/2011

Kinder zu gutgläubig im Netz

Nur die wenigsten Kids hinterfragen die Inhalte, die sie im Netz finden. Das enthüllt die am Mittwoch veröffentlichte Kinderstudie 2011. Kinder müssen daher frühzeitig lernen, dass das Abschreiben von Wikipedia nicht als digitale Kompetenz durchgeht.

von Barbara Wimmer

„Bei den Informationen, die man im Internet findet, können wir nie wissen, ob sie stimmen oder nicht. Wenn sie falsch sind, haben wir Pech gehabt“, meint ein Schüler einer vierten Klasse des Lycée Français de Vienne am Dienstag bei der Diskussionsveranstaltung ROUNDABOUTKIDS zum Thema „Kinder und digitale Medien“ in Wien. In der EU glauben knapp 45 Prozent der 11 bis 13-Jährigen, zu wissen, welchen Informationen aus dem Netz man vertrauen kann und welchen nicht.

 

Tatsächlich hinterfragen aber in Österreich nur 12 Prozent der Kinder die Richtigkeit von Inhalten oder Nachrichten auf Internetplattformen. Das zeigt die am Mittwoch veröffentlichte Kinderstudie 2011 vom Institut market für die A1 Telekom Austria, die knapp 600 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren befragt hat. 55 Prozent der befragten Kinder macht sich nur manchmal Gedanken darüber, ob die Informationen aus dem Netz tatsächlich stimmen - und das, obwohl mehr als ein Viertel schon einmal Inhalte im Netz gefunden hat, die tatsächlich falsch waren.

Verschiedene Quellen anzapfen„Für unsere Lehrer sind selbst Webseiten wie Wikipedia nicht sicher. Sie sagen uns, dass wir mehrere Quellen miteinander vergleichen sollen“, so ein zweiter Schüler des Lycees. Die Lehrerin bestätigt daraufhin, dass ihre Schüler für Referate mindestens drei verschiedene Quellen heranziehen müssen. „Sonst drucken sie den Text von Wikipedia aus und lesen diesen als Referat vor.“ Genau dieses „Copy & Paste“-Verhalten wolle man gezielt vermeiden und Kindern möglichst frühzeitig das Recherchieren beibringen.

 

Dass Kinder zwischen richtig und falsch entscheiden lernen, ist eine der vielen Aufgaben, die Lehrer ihren Schülern im Unterricht vermitteln sollten. Die Rolle des Lehrers hat sich geändert. „Er ist nicht mehr der Allwissende, sondern ein Begleiter, der Schülern zeigt, wo sie Informationen finden und diese mit ihnen reflektiert“, so Heidrun Strohmeyer, die im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur den Bereich Informationstechnologien leitet. „Die Recherche und die Bewertung von Informationen aus dem Netz soll in jeder Schule thematisiert und praktisch vermittelt werden“, ergänzt Strohmeyer.

 

Infrastruktur muss stimmenTatsächlich setzen laut der Kinderstudie bereits mehr als die Hälfte der Lehrer den Computer im Unterricht ein. 45 Prozent der Schüler haben bei der Befragung zudem angegeben, in der Schule den Umgang mit dem Internet zu lernen. Doch ohne dazugehörige Infrastruktur wird eine Vermittlung von digitalen Fähigkeiten schwierig. Wie gut sind Österreichs Schulen tatsächlich ausgestattet? „Im internationalen Vergleich stehen wir relativ gut da. Auf einen Schul-PC kommen im Schnitt sechs Kinder, dafür gibt es eigene Räume. In der Oberstufe haben Schüler aber meist ihr eigenes Netbook mit, das sie zum Mitschreiben einsetzen“, so Strohmeyer.

Mehr Ergebnisse der Kinderstudie 2011:

Computer und Internet68 Prozent der  österreichischen Kinder zwischen sechs und 14 Jahren haben einen eigenen Computer zu Hause. 85 Prozent der Befragten haben Zugang zum Internet. Die Kids surfen zudem immer häufiger im Web: Bereits mehr als ein Viertel nutzt das Netz täglich.

HandyZwei Drittel der befragten Kinder besitzen ein Handy. Die Kinder bekommen ihr erstes Handy zudem immer früher: 49 Prozent  der Befragten hatten bereits zwischen sieben und zehn Jahren ihr erstes eigenes Gerät.  Die Mehrheit der Kinder hatte bisher im Schnitt bereits zwei bis drei Handys.