Digital Life
02.02.2019

Krypto-Gründer stirbt und nimmt 127 Millionen Euro mit ins Grab

Nur der Gründer der kanadischen Kryptowährungs-Börse QuadrigaCX hatte Zugang zu deren Offline-Speicher. Er ist allerdings verstorben.

Die Kryptowährungs-Tauschplattform QuadrigaCX hat ein großes Problem. Sie hat keinen Zugriff mehr auf einen großen Teil des Vermögens seiner Kunden. Wie ZDNet berichtet, handelt es sich um eine Summe von umgerechnet 127 Millionen Euro, die aufgrund eines Todesfalls eingefroren ist. Gerry Cotten, der Gründer und CEO von QuadrigaCX war die einzige Person, die Zugang zum Offline-Speicher des Unternehmens besaß. Cotten ist allerdings im Dezember an einer Krankheit im indischen Jaipur verstorben.

Problem fiel zunächst nicht auf

QuadrigaCX arbeitete nach dem Tod seines Geschäftsführers weiter. Dass das Unternehmen ein grobes Liquiditätsproblem hatte, fiel erst Mitte Jänner auf. Die Witwe von Cotten, Jennifer Robertson, berichtete zu diesem Zeitpunkt auf Reddit vom Tod ihres Ehemannes. Die Nachricht führte zum massenhaften Abhebungen bei der Kryptowährungs-Börse. Während die Rücklagen im Online-Speicher von QuadrigaCX bis dahin ausreichten, um das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten, schlitterte das Unternehmen nun in die Krise.

Laptop bisher unknackbar

Am 31. Jänner kündigte QuadrigaCX auf seiner Webseite den Konkurs an. "Während der vergangenen Wochen arbeiteten wir intensiv an der Lösung unserer Liquiditätsprobleme, unter anderem durch die Suche und Sicherstellung sehr signifikanter Kryptowährungs-Reserven, die in Offline-Wallets gespeichert waren", heißt es in der Stellungnahme der Firma.

Laut Coindesk gab Jennifer Robertson vor Gericht an, dass der Laptop ihres verstorbenen Ehemannes verschlüsselt sei und sie keinerlei Zugangsdaten dazu besitze. Versuche von Spezialisten, sich Zugang zu Cottens Laptop zu verschaffen, seien bisher allesamt gescheitert. Wie ZDNet schreibt, sei es "hochgradig unwahrscheinlich", dass QuadrigaCX jemals wieder Zugriff auf das offline gespeicherte Kryptowährungs-Vermögen erhält.

Auflösung des Unternehmens

QuadrigaCX will nun einen Teil des Geldes, das es seinen Kunden schuldet, durch den Verkauf seiner eigenen Betriebsplattform zurückzahlen. Zu den umgerechnet 127 Millionen Euro verlorener Kryptowährung kommen bei QuadrigaCX allerdings auch noch Schulden bei Gläubigerbanken in der Höhe von umgerechnet 47 Millionen Euro. Der Verkauf der Bestände der Kryptowährungs-Börse wird vom Beratungsunternehmen Ernst and Young als unabhängiger Drittpartei durchgeführt. Für 5. Februar ist eine erste Anhörung vor Gericht in der kanadischen Provinz Nova Scotia angesetzt.