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Digital Life
03/13/2020

Lebensmittel online zu bestellen, ist derzeit fast unmöglich

Weil die Nachfrage so hoch ist, kann man momentan kaum damit rechnen, bei einer Online-Bestellung zeitnah Lebensmittel zu erhalten.

von David Kotrba

Wer momentan darauf hofft, langen Schlangen vor Kassen durch Ausweichen auf die Online-Shops von Supermarktketten oder Lieferdiensten zu umgehen, wird enttäuscht werden. "Die Nachfrage ist so groß, dass sämtliche Zeitfenster in den nächsten Tagen ausgeschöpft sind", heißt es etwa auf Anfrage der futurezone bei REWE Österreich. Billa, sowie dessen größter Konkurrent Spar, liefern Online-Bestellungen in gewissen Zeitabständen aus.

Kontingente erschöpft

Für jedes Intervall gibt es nur ein beschränktes Kontingent. Damit soll verhindert werden, dass Lieferkapazitäten überschritten werden und Kunden ihre Bestellungen nicht zeitgerecht erhalten. Durch die Corona-Krise wird aber momentan so intensiv online bestellt, dass Zeitfenster für die Lieferung erst wieder in 10 Tagen oder noch weiter in der Zukunft frei werden. "Wir arbeiten zwar daran, unsere Kontingente zu erhöhen", teilt REWE mit. "Aber so kurzfristig zusätzliche Zulieferer zu aktivieren, ist schwierig." Bei Spar stellt sich die Situation ähnlich dar.

Problem betrifft alle

Neben den großen Supermarktketten haben auch andere Unternehmen, die Lebensmittel nach Online-Bestellung zustellen, das selbe Problem. Bei Unimarkt kann man aktuell frühestens in einer Woche mit einer Lieferung rechnen. Der in Wien aktive und durch seine Autos mit Mini-Einkaufswagen am Dach bekannte Lieferdienst Alfie's nimmt momentan gar keine Bestellungen mehr an. Auf seiner Webseite teilt das Unternehmen mit, dass mit Hochdruck daran gearbeitet werde, die Lieferkapazität zu erhöhen.

Mehr Corona-Bier als sonst

In den vergangenen Tagen habe es laut Alfie's bereits ein deutlich erhöhtes Bestellaufkommen gegeben. Jeweils fast zeitgleich mit der Verkündung immer schärferer Maßnahmen seitens der Bundesregierung habe man weitere Anstiege verzeichnet. Besonders begehrt im Online-Shop waren haltbare Produkte wie Pasta, Konserven, Haltbarmilch, Toilettenpapier oder Waschmittel. "Interessanterweise wird das mexikanische Corona-Bier entgegen dem internationalen Trend ebenfalls deutlich stärker nachgefragt", teilt Alfie's der futurezone mit.

Schutzmaßnahmen

Bei Bestellungen konnte zuletzt sogar ein eigener "Corona-Modus" aktiviert werden. Lieferanten stellten Einkäufe dabei vor der Haustüre des Kunden ab, um persönliche Begegnungen zu vermeiden und die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Der Lieferdienst Lieferando hat diese Maßnahme generell bei allen Bestellungen eingeführt. Alle Unternehmen, bei denen die futurezone angefragt hat, gaben an, verschärfte Präventivmaßnahmen bei der Zustellung eingeführt zu haben. Zusteller wurden etwa angewiesen, sich sorgfältig die Hände zu waschen und bereitgestelltes Desinfektionsmittel zu benutzen.

Auf Ansteig vorbereitet

Kleinere Lebensmittelhändler, die sich schon frühzeitig die erhöhte Nachfrage durch den Coronavirus eingestellt haben, profitieren unterdessen von der aktuellen Lage. Die steirische Firma ICH+, die frisches Obst und Gemüse liefert, hat etwa ihre Lieferkapazitäten vervielfacht. Außerdem wurde das hauseigene Personal aufgestockt. "Unser Liefersystem mit Partner-Bauern, Frischelogistiker Frutura und der Österreichischen Post kommt uns in dieser für unser Land herausfordernden Situation zugute", teilt das Unternehmen in einer Presseaussendung mit.

Hilfe für Risikogruppen

Wer zu einer Risikogruppe für eine Coronavirus-Infektion gehört, ist unterdessen mancherorts nicht auf Online-Shops angewiesen. Die Stadt Wien hat etwa unter der Telefonnummer 01 4000 4001 eine 24-Stunden-Betreuungs-Hotline eingerichtet. Ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen erhalten über die Hotline Hilfe bei der Erledigung von Einkäufen oder beim Besorgen von Medikamenten.

Nachbarschaft

Durch die Corona-Krise steigt zudem die nachbarschaftliche Solidarität. Die "Fridays for Future"-Bewegung fordert seine großteils jugendlichen Unterstützer etwa dazu auf, Nachbarn bei Einkäufen und sogar bei der Kinderbetreuung behilflich zu sein. "Wir fordern seit 1,5 Jahren Generationengerechtigkeit - Leben wir sie jetzt vor!", heißt es auf der Fridays-for-Future-Homepage.