Digital Life
09.08.2016

Lifehacks: Wie das Internet die Österreicher schlauer macht

82 Prozent der heimischen Internet-User bilden sich online mit sogenannten Lifehacks und Erklär-Videos weiter. Das ergab eine neue Studie von A1.

Wie man ein Handy im Auto mit Büroklammern und Gummiband auch ohne teure Handy-Halterung befestigen kann oder wie man am Smartphone seinen Notfallpass am Sperrbildschirm hinterlegen kann: Solche Dinge lernen Österreicher im Netz. Man nennt solche Anleitungen, die meist per Video erfolgen, auch „Lifehacks“.

82 Prozent der Internet-Nutzer verwenden diese Anleitungen, um sich im Internet weiterzubilden. Das ergab die repräsentative Social Impact Studie von A1, die unter 1100 Österreichern ab 12 Jahren von GfK durchgeführt wurde. „Das Internet macht uns nicht dümmer, sondern schlauer“, sagt die neue A1-Chefin Margarete Schramböck.

YouTube-Videos

88 Prozent nutzen die „Do It Yourself“-Anleitungen vor allem, um ein akutes Problem zu lösen, 74 Prozent sagen, dass sie sich aus reinem Interesse neues Wissen aneignen wollen. Vor allem junge Menschen wollen damit aber auch etwas langfristig lernen. YouTube-Videos sind dabei äußerst beliebt: 64 Prozent der Unter-24-Jährigen nutzen diese mehrmals pro Woche, um sich weiterzubilden. „Für die jüngere Generation ist YouTube so etwas wie der Brockhaus“, sagt Rudolf Bretschneider von GfK Austria, dessen Institut die Studie durchgeführt hat. Unter-24-Jährige nutzen auch häufiger das Smartphone und Tablet, um sogenannte Lifehacks abzurufen, als die älteren Befragten.

Doch auch Senioren bildet sich im Internet weiter. Sie mach das aber vorwiegend am Computer. Drei Viertel der Befragten über 70 schätzt es zudem, sich Informationen beschaffen zu können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. „Dann müssen sie nicht mehr auf ihre Enkerl warten, die ihnen etwas zeigen oder einrichten“, sagt Bretschneider.

Wichtiger als Bücher und Freunde

Aus der Studie geht auch hervor, dass das Internet als Ratgeber oft sogar Freunde und Familie ersetzt. „Das liegt daran, dass man nicht für jedes Thema jemand Kompetenten bei der Hand hat“, so Bretschneider.. „Ich nutze Lifehacks für Tipps im Garten, das ist besser als in Büchern nachlesen“, erzählt die neue A1-Chefin Margarete Schramböck. Generell werden vor allem Tipps und Anleitungen im Bereich Essen und Trinken weitergegeben und abgefragt, gefolgt von Technik und IT sowie Fotografie und Bildbearbeitung. Auch die Studie belegt, dass sich 59 Prozent heutzutage ihre Tipps zum Kochen oder anderen Dingen lieber im Internet holen als aus Büchern (25 Prozent).

Acht von zehn Österreichern sind zudem überzeugt, dass Wissensvermittlung im Netz das tägliche Leben erleichtert und für eine moderne Gesellschaft unverzichtbar geworden sind. „Das ist wirklich faszinierend, weil es das vor 15 Jahren noch gar nicht gegeben hat“, so der GfK-Forscher.

Informationen hinterfragen

Die Generation der 25- bis 29-Jährigen sowie Akademiker warnen aber vor der Verbreitung von „gefährlichem Halbwissen“ im Netz. „Man muss ich generell immer fragen, ob die Information stimmen kann? Bei Lifehacks ist es außerdem einfacher, nachzuvollziehen, ob etwas plausibel ist, oder nicht. In den Videos sieht man jeden Handgriff und erlebt dadurch auch schnelle Erfolge beim Nachmachen“, erklärt Bretschneider. Schramböck fügt hinzu: „Bildung hilft bei der Frage, ob etwas stimmen kann, was ich im Netz sehe. Die Demokratisierung der Information ist immer Bürde und Segen zugleich.“

Doch was treibt Menschen eigentlich an, selbst Anleitungen ins Netz zu stellen? 80 Prozent der Nutzer, die im Netz Tipps zur Verfügung stellen, tun das, um auf diesem Weg andere Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. Es steckt also nicht immer reine Nächstenliebe dahinter.

WhatsApp vor Facebook

Auch das Kommunikationsverhalten der Österreicher wurde im Zuge der Studie erhoben. Hier zeichnet sich im Vergleich mit dem Vorjahr ein neuer Trend ab: WhatsApp hat bei der Nutzung Facebook überholt. Sieben von zehn Österreichern nutzen WhatsApp, sechs von zehn Facebook. „Österreicher tauschen sich lieber im kleinen, geschlossenen Kreis aus“, so Schramböck. Für die Jugendlichen ist die Kommunikation mittels WhatsApp mittlerweile etwa gleichbedeutend wie die persönliche Kommunikation. „Es ist der wichtigste Kanal, um mit Freunden und Familie zu kommunizieren“, so die A1-Chefin.