Digital Life
17.04.2016

Marvin: Humanoide Roboter müssen nicht unheimlich sein

Der Wiener Verein "Maker Austria" zeigte mit Marvin einen freundlichen Roboter, der sein Vorbild bereits bei weitem übertrifft.

Wer hinter humanoiden Robotern ausschließlich mordlustige Exemplare wie den T-800 aus „Terminator“ vermutet, wurde auf der Maker Faire Vienna eines Besseren belehrt. So zeigte der Wiener Verein „Maker Austria“ seinen fast fertigen Roboter „Marvin“, der einem Menschen zum Verwechseln ähnlich sieht - würden nicht Füße und die Haut fehlen.

"Marvin" in Bildern

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Marvin

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Als Basis für „Marvin“ dient das Open-Design-Projekt InMoov, das vom französischen Designer Gaël Langevin entwickelt wurde. Während man beim Design auf bereits bestehende Bauteile zurückgreift, wurden Elektronik und Programmierung selbstständig entwickelt, wie Maker-Austria-Gründer Arno Aumayr gegenüber der futurezone erklärt.

Seit September im Bau

Am Bau des Roboters waren, je nach Phase, zwischen sechs und sieben Personen beteiligt. Obwohl vor allem der Körper mit anderen Methoden rascher gefertigt hätte werden können, griff man auf 3D-Druck zurück. So musste man allein für den 3D-Druck des Körpers rund 400 Arbeitsstunden aufwenden. Er ist dadurch aber besonders gelenkig: Einige Gelenke lassen sich weit über 180 Grad drehen, was beim Menschen nicht möglich wäre.

Die Steuerung des Roboters übernehmen mehrere Arduino-Mikrocontroller, die künftig aber durch ein Intel-Edison-Board ersetzt werden sollen. „Marvin“ hat auch mehrere Sinne vorzuweisen. So versteht er einfache Befehle per Spracheingabe, kann 3D-Objekte dank einer Kinect (künftig kommt Intels RealSense-Kamera zum Einsatz) erfassen und erkennt Gesichter über eine 2D-Kamera im Auge. Auch das Greifen mit den Händen ist bereits möglich, allerdings fehlen noch Drucksensoren, die die Stärke des Greifens regeln.

Portier oder "Eyecatcher"

Vorerst muss „Marvin“ auf Füße verzichten. Ob er noch einen Unterkörper bekommt, entscheidet sich, wenn man einen Platz für ihn gefunden hat. Derzeit gibt es laut Aumayr verschiedene Überlegungen. So könnte er als „Portier“ Personen im eigenen Makerspace begrüßen und dank Gesichtserkennung Mitglieder und regelmäßige Besucher personalisiert empfangen.

Marvin könnte aber auch als „Eyecatcher“ im Schaufenster künftig seinen Stammplatz finden. Dabei könnte vor allem das „Facetracking“ für Aufsehen sorgen. Marvin folgt dabei mit dem Kopf jener Person, mit der er gerade kommuniziert. „Das funktioniert bereits sehr gut und hat selbst erfahrene Maker in Angst und Schrecken versetzt“, erklärt Aumayr.

"Ehrenroboter" im Verein

Nun steht „Marvin“ allen Mitgliedern des Makerspace offen, erste Ideen für neue Projekte gibt es bereits. Maker Austria ist ein gemeinnütziger Verein, der einen offenen Makerspace im fünften Bezirk in Wien betreibt. Derzeit bietet man professionelle Maschinen, Werkzeug und Betreuung auf rund 550 Quadratmeter, der Raum wird aber schon bald auf rund 800 Quadratmeter erweitert.

Derzeit zählt man rund 150 Mitglieder, die Höhe des Beitrages kann frei bestimmt werden. Neben dem Makerspace bietet man im Rahmen von „Make it Vienna“ auch Vorträge und Workshops zu Maker-Themen an. Diese finden an den kommenden beiden Wochenenden statt, Restplätze sind für einige Workshops noch verfügbar.